RSS

Social Media: Brutstätte neuer Geschäftsmodelle

16 Aug

Instagram

“Wenn Du Geld verdienen willst, dann produziere Dinge. Wenn Du reich werden willst, dann verkaufe Dinge für Geld. Und wenn Du sehr reich werden willst, dann verkaufe Geld”, lautete früher mal eine Weisheit des Geschäftslebens.  Angesichts der gegenwärtigen Entwicklungen in punkto Rettungsschirm hat sich zumindest letztere Aussage schon relativiert. Die Geldhändler waren ein bisschen zu erfinderisch und haben wohl auch den Überblick verloren. Aber sie waren die Vorboten einer neuen Ära, in der das Substanzlose für die größten und schnellsten Gewinne sorgt.

Neulich stieß ich bei techfieber auf piffle.it – der Name klingt unterhaltsam und ich denke, das ist auch Programm. Da haben sich zwei Programmierer zusammengetan, um einen Dienst zusammenzubasteln, der die Liveatmosphäre eines Fußballspiels erzeugt.  Und wie geht das, wenn man keine Millionen für Übertragungsrechte hat? Über Social Media natürlich.

Die beiden “Unternehmer” steuern die Idee und die Programmierkenntnisse bei. Den Rest bekommen sie gratis – aus den sozialen Plattformen: Nicht nur die kostenlose Nutzung von Hard- und Software, sondern auch gleichzeitig noch die Inhalte – für das eine steht der Dienstprovider, für das andere die vielen, vielen Menschen, die den Dienst mit Leben füllen. Fertig ist das Geschäftsmodell. Heißt es nicht, Glück wäre das einzige, was mehr wird, wenn man es teilt? Albert Schweitzer darf als widerlegt gelten: Mit Daten funktioniert das auch.

Unbezahlte Mitarbeiter

Die Arbeit macht die Crowd – piffle.it macht alle diejenigen, die ein Spiel via Twitter kommentieren, zu unbezahlten Mitarbeitern, die den Dienst mit Leben erfüllen.

Habe ich vorher von “Geschäftsmodell” und “Unternehmern” geschrieben? Für mich ist das zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar. Ist das überhaupt ein “Businessprojekt”? Oder nur eine Spielerei? Oder ist es eine Spielerei, die in einem Geschäft mündet? Wenn ja, dann hat es gute Karten: König Fußball geht immer – die kritische Masse ehrenamtlicher Mitarbeiter und Interessenten müsste vorhanden sein. Mit anderen populären Themen (Formel 1 z.B.) sollten sich ähnliche Ideen entwickeln lassen.

Business-Potenzial?

An den Nutzerzahlen müsste zu erkennen sein, ob die Idee attraktiv ist. Dann darf als erstes Goodie der Imagegewinn abgeschöpft werden – die Dokumentation des Projekts allein sollte schon für eine Masterarbeit gut sein. Vielleicht reicht das auch für einen Vortrag auf einer Konferenz.

Aber besser als Image ist natürlich Geld – das ist ja die grundlegende Herausforderung, mit der sich Marketiers auseinander setzen. Mindestens zwei prinzipielle Wege führen ins Tal der (heißen Geld)Träume.

“Wer hat Lust, sein Logo auf unserem Fußball-Livedienst zu präsentieren?” Auf Anhieb fallen mir da gleich mal ein Dutzend Unternehmen ein – und das sind nicht nur Anbieter von Sportkleidung. Dass man mit Werbeeinnahmen aus Gratisdiensten reich werden kann, hat Google bewiesen.

Der zweite Weg ist etwas entbehrungsreicher (und setzt möglicherweise auf dem ersten auf): “Wir sind käuflich” – möglicherweise ist jemand, der bereits viel Geld hat, von der potenziellen Geschäftsidee so begeistert, dass er sie kaufen will. Das geht dann entweder direkt oder über den Umweg der Börse. Ich kann mir gut vorstellen, wie unruhig Herr Zuckerberg in den Nächten vor dem Börsengang geschlafen hat: der erste Schritt, um aus einer IT-Idee “echte” Dollarnoten zu erzeugen, war gegangen. Auch wenn der Geldfundus täglich weniger wird ;-)

Natürlich lässt sich ein Unternehmen nicht nur an viele Kleinaktionäre verkaufen, sondern auch an große Kapitalgeber, die alles auf einmal wollen. Das sind diejenigen, die das große Potenzial von Diensten wie Skype, Flickr, Yammer, Instagram und wie sie alle heißen, sehen. Glückwünsch an die Gründer – das ist dann das große Los der Woche, ein Märchen wird wahr. Man muss auch gönnen können ;-)

Pferdefüße

Natürlich gibt es bei dieser Art, neue Dienste zu etablieren, noch ein paar Stolperfallen. Das Modell ist nur so stabil, wie es die unwissenden “Partner” erlauben und möglicherweise springt irgendwann (und das ist spätestens dann, wenn das Modell erfolgreich läuft) ein obskurer Rechteinhaber hinter einen Busch hervor und will auch am Gewinn partizipieren (möglicherweise in unserem Fall die FIFA oder die UEFA oder die DFL). Oder kurzfristig werden irgendwelche Schnittstellen bei den Diensten geändert, auf denen man aufsetzt. Also der Tipp des Tages: nicht zu erfolgreich werden. Nicht alle können gönnen ;-)

Gerade noch wollte ich enden mit: “Schade, dass ich nicht programmieren kann” – aber ein Gerichtstermin weniger – das hat ja auch was … ein schöner Traum war´s trotzdem.

Ihr/Euer

Martin/ Reti

p.s.: Hier ließe sich natürlich auch prima eine Cloudstory integrieren. Wenn wegen des Erfolgs des Dienstes nicht genügend IT-Kapazitäten zur Verfügung stehen, dann kann man die einfach bedarfsgerecht dazu buchen …

About these ads
 
4 Kommentare

Verfasst von - 16. August 2012 in Social Media

 

Schlagwörter: , , , , , ,

4 Antworten zu “Social Media: Brutstätte neuer Geschäftsmodelle

  1. martinreti

    17. August 2012 at 07:12

    Und noch ein Text aus der NZZ, wie das virtuelle Geld verschwindet. Auch ein Faden, an dem man den Text weiterdenken könnte … http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/boerse_und_maerkte/grosse-enttaeuschung-ueber-social-media-ipo-1.17483359

     
  2. martinreti

    16. August 2012 at 13:45

    Ich sah gerade noch was zum Thema Passendes: Zahltag bei Facebook – die Haltefrist für Mitarbeiteraktien läuft aus http://newsburger.de/aktie-droht-absturz-mitarbeiter-haltefrist-laeuft-aus-55952.html

     
  3. Christian Lutzke

    16. August 2012 at 10:13

    Sehr schön.
    Ich habe vor Zeiten den Bericht auch gelesen und fand das nicht nur interessant sondern irgendwie als einen logischen Schritt. Gut, ich muss zugeben, ich bin kein Twitterer … ich habe immer versucht, meine Kinder zu ganzen Sätzen zu erziehen, da sträuben sich bei mir logischerweise die Nackenhaare, bei den ultrakurzen und – wie ich finde – meist aussagefreien Twitternachrichten. Ich lese auch gerne mal ein bisschen mehr Text und ich hoffe, mein Magazin besteht noch länger als Printausgabe und verschwindet nicht wolkengleich ins Twitterium :)

    Wie auch immer … das, was die beiden Kerle gemacht haben, finde ich klasse und ich denke, dass das durchaus lesenswert ist. Tolle Geschichte.

    Wir werden sehen, ob sich daraus auch wirklich ein Geschäft für die beiden entwickelt. Ich zähl auf Dich, Martin, dass Du dann hier darüber berichtest ;-)

     
    • martinreti

      16. August 2012 at 10:25

      Hu, dann müsste ich ja an dem Thema dranbleiben ;-) Aber wir lesen ja dann davon, wenn Facebook piffle.it kauft ;-)

       

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ photo

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: