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Archiv des Autors: martinreti

Über martinreti

Naturwissenschaftler, PR-Manager, Autor, Blogger und Referent. Früher in der Cloud, heute in Social Media - Übergang fließend. Wie Sie feststellen werden, aber auch mit einem Hang zum Um-die-Ecke-denken. Was sich in mancherlei rätselhaften Verklausulierungen ausdrückt ;-)

Social Media: My company is my castle

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Sociales ante portam! Wir müssen leider draußenbleiben.
Bild: susbany / http://www.pixabay.com – tnx for sharing

Schon Robert Asprin wusste es: “Wenn alte Freunde zusammentreffen, verliert alles andere seine Bedeutung  gez. Krieg, Hungersnot, Pestilenz und Tod”. Die modernen Verkörperungen der Freunde: Commander Keinezeit, Admiral HinterdemBerg und General Furchtvoll.

Wenn ich mich gelegentlich mit Unternehmensvertretern über Social Media unterhalte, dann fallen diese Argumente gegen einen Einsatz häufig. Zwar nicht in dieser Reihenfolge und nicht immer in dieser Komplettzusammensetzung. Aber häufig angereichert um die Aussagen von Siegfried Ohnegeld: Beutel ist leer.

Im Original lauten bei Sandra Holze die “alten bekannten” Einwände gegen Social Media Marketing:
Angst vor öffentlicher Äußerung, Angst vor Kritik und keine Zeit für Marketing. Ehrlich gesagt, habe ich ein bisschen Angst, wenn ich das so höre: Unternehmen, die Angst haben sich öffentlich zu äußern und Unternehmen, die keine Zeit für Marketing haben? Das klingt ein bisschen nach Geheimdienst oder zumindest nach so geheimnisvollen Geschäftsmodellen, dass ich die gar nicht kennenlernen möchte.

Keine Zeit für Marketing

Lernt heute nicht schon jeder Existenzgründer, dass er sich ein wenig Budget für “Marketing” einstellen soll? Wobei ja Marketing (wie mein geschätzter Kollege Thomas Gmeiner nie müde wurde zu betonen – und das völlig zu Recht) nicht einfach das Bedrucken von weißem Papier, das Schalten von Werbespots oder das Unterbringen von Pressemitteilungen in Zeitschriften ist. Eigentlich (da war es wieder dieses obszöne Wort) ist Marketing ein ganzheitliches Instrument, um ein Unternehmen für den Markt fit zu machen. So gesehen gibt es wirklich keinen vernünftigen Grund zu behaupten, man hätte keine Zeit für Marketing.

Aber auch wenn das Marketing im landläufigen Sinne (mit dem Bedrucken von weißem Papier …) gemeint ist, nämlich Werbung und Öffentlichkeitsarbeit: Es bleibt immer noch eine starke Behauptung, keine Zeit für Marketing zu haben. Wenn ein Unternehmen entsprechend etabliert ist, beispielweise als einziger Friseur im Umkreis von 50 Kilometern, dann kann man darüber nachdenken, das Marketingbudget einzufrieren ;-)

Und jetzt reden wir mal nicht mehr nur über reales weißes Papier, sondern über virtuelles weißes Papier. 80 Prozent der deutschen Unternehmen haben einen Webauftritt. Ok, die machen nicht immer viel her, aber nahezu jedes Unternehmen ist sich darüber im Klaren, dass es im Web präsent sein muss. Einfach um gefunden zu werden, um zu zeigen, dass es existiert.
Ich würde mal keck behaupten, dass der Aufwand eine Facebookseite zu betreiben, auch nicht wesentlich höher ist, als der, eine Webseite zu betreiben. Mit dem Unterschied, dass man eine Facebookseite auch ohne Budget und Programmierkenntnisse unterhalten kann.

Social Media Marketing – hmmm

Das Nichtproblem liegt wohl eher in der Aussage, dass Social Media Marketing betrieben werden soll. Das klingt für mich ein wenig nach Einbahnstraße, nach der Verlängerung der klassischen Werbemaßnahmen in das soziale Web. Davor warnen zwar alle, die es wissen müssen und meinen zu wissen. Aber … so betrieben unterscheidet sich doch eine Facebookseite kaum von einer Webseite. Mit dem selben Aufwand, nicht wahr?

Schwierig wird es natürlich, wenn jemand reagiert. Das ist die große Stunde von General Furchtvoll. Der hat nämlich so viel über Shitstorms gelesen, dass er sich lieber in seiner Festung einigelt und seine Rüstungen poliert. Ob vor den Burgtoren marodierende Hunnenscharen stehen oder nur eine unzufriedene Bauernfamilie – alles ist eine Bedrohung ersten Grades.

Sehr geehrter General Furchtvoll,

ein negativer Post auf Deiner Pinnwand ist noch kein Shitstorm. Und weil wir ja nicht wirklich in den Krieg ziehen, sondern insgesamt in weitgehend friedlichen und zivilisierten Zeiten leben (auch wenn uns Ausnahmeerlebnisse bisweilen dran zweifeln lassen): So eine Negativäußerung ist eine Chance und kein Unternehmens-Ragnarök.

Schotten dicht, Zugbrücke hoch – das sind Verhaltensweisen aus dem letzten Jahrtausend. Wenn jemand schlecht über das Unternehmen reden will, dann wird er das auch ohne mich können. Dann macht er eben seine eigene Facebook-Seite (“1 Million Likes gegen Unternehmen XY” zum Beispiel) auf oder eine eigene Webseite oder er nutzt die reichlich zur Verfügung stehenden Bewertungsportale. Meine Güte – wir können heute schon Klobewertungen im Internet einsehen ;-)

Eigener Auftritt als Anlaufstelle

Wäre es nicht viel sinnvoller, Unzufriedenen die Chance zu geben, sich dort zu melden, wo ihre Unzufriedenheit entstanden ist? Ihnen eine Anlaufstelle zu geben, wo ich als Unternehmen mit Ihnen diskutieren und meine Sicht der Dinge darlegen kann? Natürlich kann ich nach dem “Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß”-Motto handeln, aber ich denke, Diskussionen dort zu führen, wo ich eingreifen kann, hat seinen Charme. Es zeugt von Souveränität (mit Grüßen an Admiral HinterdemBerg) und es ist ein deutliches Zeichen gegen eine chaotische Diskussionskultur. Und womöglich meldet sich ja auch mal jemand, der zufrieden ist. Upps …

So wird vielleicht aus Social Media “Marketing” tatsächlich noch etwas mehr, etwas Neues und etwas Werthaltigeres als my company is my castle … :-)

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer Martin/ Reti

 
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Geschrieben von - 16. Mai 2013 in Social Media

 

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Rätsel: Tradition am Körper

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So sah das bei den Briten wahrscheinlich damals noch nicht aus. Ob die überhaupt Löwen kannten? Foto: pixabay.com

“Alle Britannier färben sich, und sehen daher in der Schlacht ganz schrecklich aus“, so berichtet schon Julius Cäsar im Gallischen Krieg. Aber das war ja schon damals nichts Neues. Mindestens 3000 Jahre hatte die Farbe, die für Cäsar kriegerische Bedeutung hatte, auf dem Buckel – und wer auf sich hält, der schmückt sich auch heute noch damit; vielleicht nicht mehr direkt auf der Haut, aber doch direkt darüber. Gelobt sei unverdorben! Doch auch vorher war man in Deutschland selbst in der Lage, die Farbe herzustellen. Waidmanns Heil, Waidmanns Dank – etwas Pipi hier und im Gestank betrunken auf der faulen Bank. Die frische Luft wird´s schon richten. Und mit diesem goldenen Vlies sollte Erfurt eine Universität bezahlen? In der Tat, 1392 war´s. Welche Substanz wird gesucht, die so eine innige Verbindung mit einem freien Arbeitstag hat?

 
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Geschrieben von - 13. Mai 2013 in Quiz

 

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Social Media: Königsweg der Kleinen

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Für die Kleinen spielt Reichweite immer eine Rolle. Doch woher nehmen, wenn nicht stehlen?
pixabay.de – tnx for sharing

Wie das Leben manchmal so spielt: Gerade bereite ich mich auf den Vortrag bei den HR Innovation Days in Leipzig vor, da stoße ich auf 30 wohlmeinende Regeln zum Einsatz der Social Media im Unternehmen. Die haben wir alle zwar schon mal gehört, aber – was soll ich sagen – ich mag halt Übersichten. Deswegen könnte ich mich nie von einer Zitatensammlung oder einem Lexikon trennen. Wohl aber vom neuesten Kluftinger. Der Wiederverwendungswert ist hoch. Ja, und andere Blogger schwören ja auf die Macht der Zahlen: Die drei besten Tipps, wie Sie ihre Leser vergraulen. 777 Regeln für den pefekten Post oder eben “30 terrible pieces of social media advice you should ignore“.

Regel Nummer 14 wird eine kleine Nebenrolle in meinem Vortrag spielen: Don’t let your employees use social media. Facebook und Twitter am besten IT-seitig komplett sperren. Und weil wir  wissen, dass Mitarbeiter auch über ihre privaten Smartphones online sind, schließt sich folgerichtig an: “Move your office to a dungeon with terrible cell reception”. Oder eben einen Störsender aufbauen. Geht bestimmt auch. Das nenne ich mal eine nachhaltige Strategie. An alles gedacht – nur nicht an die reale Welt außerhalb der Bürowände. Und an die virtuelle. So entstehen vertrauensvolle Beziehungen. ;-)

Was das mit Leipzig zu tun hat? Da soll um 8:45 Uhr morgen ein gewisser Martin Reti was über “Social Media @ HR” erzählen. Untertitel etwa: Wie bringe ich Mitarbeiter zum Mitmachen? Auf jeden Fall nicht mit Regel 14 ;-) Aber warum sollten Mitarbeiter zum Mitmachen bewegt werden? Möglicherweise gibt es doch Abteilungen, die sich damit beschäftigen können (beispielsweise Marketing oder Social Media Management) oder man lagert das Thema direkt an eine Agentur aus. Feine Sache – und dann hat man wieder Zeit für “das Wesentliche”.

Wie komm’ ich an Reichweite?

Seien wir ehrlich. In den Social Media geht es auch immer um Reichweite – wie auch im Web allgemein. Wer nicht gefunden wird, der existiert nicht. Nun redet uns Facebook natürlich immer ein, dass wir uns bei einem Zuschauerkreis von 1 Mrd. Menschen vorstellen, aber das ist natürlich absurd. McDonalds, Amazon und Coca Cola erreichen nicht mal mich auf Facebook. Und hier setzt das Geschäftsmodell von Facebook an: Wir erreichen natürlich eine Mrd. (YEAH!) Menschen. Wir können das also für Dich tun. Wenn Du uns ein bisschen Geld dafür gibst. Das nennt sich dann Facebook Ads in den verschiedenen Ausprägungen. Ist vom Wesen her ungefähr so innovativ wie eine klassische Anzeige in der Zeitung.

FB-Seite bewerbenNatürlich macht da nicht jedes Unternehmen mit. Schon allein aus Stolz oder weil sie es gar nicht nötig haben. Die haben nämlich genug andere Möglichkeiten. Zum Beispiel die Königsklasse: gute Inhalte wie Aktionen, Videos, Bilder, Texte, Tests mit frischen neuen, interessanten, ja begeisternden Informationen. Also auf gut Deutsch: Zeugs, das sich wie von selbst im Web verbreitet. Das nennt man dann viral. Beispiele dafür gibt´s genug. Der Pferdefuß: Auch wenn man vom Sechser im Social Media Lotto träumt – die großen viralen Erfolge stammen in der Regel von Systemspielern. Die auch entsprechend viel einsetzen. Und das Budget dafür haben.

Und die auch den dritten Weg beschreiten: Nämlich “offsocial” – was eigentlich eine irreführende Formulierung ist. Ich meine damit “off social platforms”. Also der Einsatz der klassischen Instrumente von Öffentlichkeitsarbeit und Marketing. Den Umgang damit haben die großen Markenunternehmen in der Vergangenheit zur Genüge gelernt. Das ist keinesfalls schädlich für die Reichweite in Social Media. Wer will, darf das natürlich auch als integrierte Kommunikationsstrategie bezeichnen. Muss man aber nicht ;-) Vor allem im Consumerumfeld funktioniert das ganz gut.

Auch hier haben die Großen natürlich einen großen Vorsprung. Die Steine, die die ins Social Media Meer werfen, die machen schon ordentliche Wellen. Was aber bleibt den Kleinen, die eben keine Budgets, keine starke Marke, keinen hohen Bekanntheitsgrad haben?  Die Antwort liegt auf der Hand: Wenn sie nicht gerade den Social Media Sechser ziehen oder sensationelle Infos haben (und das haben die meisten halt nicht), dann bleibt Ihnen, Partner, Kunden (?) und … (tata!) Mitarbeiter zu aktivieren. Die haben nämlich einen Bezug zum Unternehmen. Es sollte doch gelacht sein, wenn nicht zumindest einige von Ihnen sich aktivieren ließen. Und durch “Mag ich”, Kommentare und Teilen auf die Inhalte des Unternehmens aufmerksam machen. Und das klingt doch jetzt nicht wirklich illusionär, oder?

Ein bisschen was könnte ich dazu noch schreiben. Aber das hebe ich mir für nächste Woche auf. Und wer noch was ergänzen will, kann das gerne in den Kommentaren tun.

Jetzt aber schonmal ein schönes Wochenende und Muttertag nicht vergessen
Ihr/ Euer Martin/ Reti

*für alle, die es bis hierher nicht bemerkt haben: Das ist ironisch gemeint. Hubspot ist immerhin die Firma, von der man meint, Sie wäre Hausmeier in LinkedIn Castle. ;-)

 
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Geschrieben von - 10. Mai 2013 in Social Media

 

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Rätsel: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

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Seine Bilder wurden noch farbkräftiger.
Quelle: pixabay.de – tnx

Ich liebe es ja, Rätsel mit Explosionen beginnen zu lassen: Krawumm! Ein alternativer Start wäre aber auch: Jan Ulrich besteigt seine Rennmaschine – ach, das macht er ja nicht mehr …

Dann probieren wir es mal damit: „Drei bis vier Haushaltungen mit zahlreichen Kindern leben in einer Stube zusammengepresst, in farblosen Lumpen, halb nackt, ganz nackt. Tische, Stühle, Betten, Bettzeug sind schon längst verschwunden. Wurzeln, Kräuter, auch  hervor gescharrte Hefe sind ihre Nahrung“. Ein Bericht aus einem Dritte-Welt-Land? Mitnichten! In der Schweiz spielten sich solche Szenen ab. Vielleicht hilft es zu wissen, dass es den Menschen in Deutschland gleichzeitig ebenfalls dreckig ging und auch die Nordamerikaner zumindest ein wenig klagten – über Schnee im Sommer.

Die „Urheber“ indes klagten nicht mehr. Sie sollten dieses Jahr wieder ans Tageslicht gebracht werden. Wo Menschen leiden, da sterben die Tiere und – des Menschen Erfindungsgeist bricht sich Bahn. Ein Adeliger entwickelte einen Pferdeersatz, ein Maler schuf wunderbare Sonnenuntergänge und Frankenstein wurde geboren. Was war die Ursache für all dies?

Auch wenn sich der Frühling bisher lausig präsentiert – wir dürfen noch Hoffnung haben. Die Menschen damals allerdings mussten ein Jahr ohne Sommer überstehen – als ein Resultat der Globalisierung.

 
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Geschrieben von - 6. Mai 2013 in Quiz

 

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Zornesröte per IP

Ich verspreche es: Heute werde ich mich seeehr unbeliebt machen. Allerüberall im Webland steht den Prominenten und weniger Prominenten die Zornesröte im Gesicht. Ich kann sie quasi über IP sehen, die Hitze spüren. Die Telekom wird unser Recht auf freie Webnutzung beschneiden. Damit haben wir nun nach Uli Hoeneß im Bundestags-Wahljahr einen weiteren Staatsfeind Nummer Eins identifiziert.

Frei nach Äsop: Der Elefant und die Tiere

Es war einmal ein Elefant. Der war, wie Elefanten das so sind, ziemlich stark. Und weil er so stark war, beauftragte ihn der König der Tiere, der Löwe, das Futter für die anderen Tiere in seiner Nachbarschaft herbeizuschaffen. Der Elefant solle soviel besorgen, dass alle genügend zum Leben hätten. Für die Maus einen Happen, für das Zebra einen größeren Happen und für das Nilpferd eine anständige Portion. Also besorgte der Elefant Gras und Wurzeln, Früchte und was sich noch so an Essbarem in der weiten Steppe fand. Und legte am Wasserloch alles bereit. Und die Tiere kamen und aßen sich satt. Aber weil der Elefant fürsorglich geplant hatte, blieb noch ein Haufen Futter übrig. Da sagte sich die Maus: “Na, wenn das für mich reicht, dann reicht das auch für meine Verwandten”. Und sie brachte ihre 100-köpfige Verwandtschaft mit. Und das Zebra sagte sich: “Sicher kann ich auch noch meine Verwandten von anderen Wasserloch einladen”. Und das Nilpferd dachte bei sich: “Ach, was soll’s – meinen Verwandten geht’s so schlecht. Der Elefant kann uns alle versorgen”. Und so stellte sich am folgenden Tag eine große, eine wirklich große Herde von Büffetgästen ein. Und Sie fraßen das Futter und der Elefant musste abermals losziehen und mehr Futter besorgen, weil ihn viele hungrige Mäuler erwarteten. So ging es viele Tage, bis der Elefant nicht mehr genügend Futter fand. Er rationierte das Futter. Jede Tierart sollte nur 75 kg Futter erhalten. Und die fetten Mäuse und die fetten Zebras und die fetten Nilpferde, sie alle gingen zum König. “König Löwe”, sprachen sie, “hast Du den Elefanten nicht beauftragt, uns alle gut zu versorgen? Siehe der Elefant rationiert unser Futter. Wir bekommen nicht mehr genug. Das ist ungerecht”.

Die Beschneidung unserer “Rechte”

Natürlich sprechen wir Internetmenschen nicht von Ungerechtigkeit. Wir heben das Thema direkt eine Stufe höher: Wir sehen unsere Rechte beschnitten, wir sehen die Netzneutralität in Gefahr. Wir protestieren, weil wir nicht nur an uns selbst denken, sondern auch an die Generationen, die nach uns kommen.
Und wir argumentieren natürlich auch damit, dass 75 GB schon in naher Zukunft nicht mehr ausreichen werden. Weil die Menge der transportierten Daten zunehmen wird.

Ich möchte das gar nicht in Frage stellen. Aber ich will wissen: Warum? Meine Antwort: Weil wir uns möglicherweise an ein All-inclusive-Denken gewöhnt haben. Das freie Netz – in jeder Hinsicht. Jeder Dienst zu jeder Zeit, in jeder Menge. Das ist mein Grundrecht. Denn ich bezahle ja dafür. Nirgends sonst sind wir im Umgang mit Ressourcen so schonungslos verschwenderisch wie im Web. Wir erwarten immer coolere Effekte, immer mehr Leistung, immer mehr Interaktion, immer mehr Geschwindigkeit, auf immer mehr Geräten – mobil und stationär. Wir haben das moderne Füllhorn gefunden und melken es – und wer seine Möglichkeiten nicht ausnutzt, der ist blöd.

Und dieses All-inclusive-Denken ist der Feind jedes Geschäftsmodells. “I Want it All” – aber ich will nicht dafür bezahlen. Die Telekom ist – wie viele andere Unternehmen auch – kein Wohlfahrtsverein, sondern ein Wirtschaftsunternehmen, das Geld verdienen MUSS. Für Investitionen, für Löhne, für Aktionäre, für Trikotwerbung ;-) etc.

Unser Denken dreht sich ums Virtuelle

Immer wieder reden wir davon, dass virtuelle Dienste, dass Daten für uns immer realer werden. Aber wenn das tatsächlich so ist, dann sollten wir auch genauso schonend mit ihnen umgehen. Haben wir nicht mal behauptet, die Cloud sei wie Wasser und Strom. Und haben die Mär der unbegrenzten Verfügbarkeit in die Welt gesetzt? Kein Wunder, dass wir jetzt auch so denken. Aber tatsächlich leben wir in einer Welt der Endlichkeit. Warum sparen wir Wasser und Strom?

Ich würde gerne noch mehr Beispielrechungen für den aktuellen Datenverbrauch sehen. 13 Filme in einem Monat, 60 Stunden Internetradio, 16 Stunden Onlinegaming – via IP-Leitung. Das erscheint mir eine ganze Menge. Da muss ich ordentlich planen, um das alles auszunutzen – jeden Tag zwei Stunden Webradio, alle zwei bis drei Tage einen Film und jeden Tag eine halbe Stunde Spiele. Also mein Vorrat an Freizeitbedarf ist damit gedeckt. Ich muss mal schauen, wie ich da meine realen Beziehungen unterbringe ;-)
Nur die wenigsten Webnutzer werden diesen Rahmen ausschöpfen bzw. überschreiten. Die meisten “Normalos” werden von einer Drosselung nichts spüren. Sie werden nicht “bestraft”, weil sie möglicherweise nicht übermäßig sind. Weil sie Musik auch noch aus Radio oder CD-Player hören, weil sie Filme mit BlueRay oder DVD anschauen. Weil Sie einen Fernseher daheim haben.

Was mich an der Diskussion ein wenig befremdet, ist, dass wir denken, es gäbe keine Alternativen. Das Web wird zum Zentrum unseres Denkens. Die Realität ist: Nur die Aller-allerwenigsten von uns müssen eine Einschränkung ihrer Lebensqualität hinnehmen. Es gibt Alternativen – entweder über “back to the roots”, über einen maßvollen Umgang mit Ressourcen oder – wenn es denn sein muss – bei einem anderen Provider. Denn die haben ja versprochen, nicht zu drosseln. Wir werden sehen. Also: Nicht beschweren, sondern wechseln. Das ist die Macht des Kunden.

Bitte serviert mehr Fakten, mehr handfeste Beispiele, gebt einen repräsentativen Querschnitt, wer das Netz wie nutzt und bringt die Diskussion auf ein unaufgeregteres und faktisches Niveau. Und, liebe Telekom, lasst mich bitte endlich, wie Ihr versprochen habt, sehen, wie viel GB ich denn so im Monat verbrauche. Damit ich auch ein paar Fakten beisteuern kann.

Ich bin offen, Ihr könnt mich gerne überzeugen. Momentan halte ich es mit Shakespeare “Viel Lärm um Nichts”.

Mit nachdenklichen Grüßen
Ihr/Euer Martin/ Reti

p.s.: Ich bin übrigens nicht der Einzige, der denkt, dass 75 GB eigentlich völlig genug sind: Lead Digital, ZDNEt

p.p.s: Würde mich nicht wundern, wenn ich jetzt mit wütenden Kommentaren überzogen werde.

 
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Geschrieben von - 2. Mai 2013 in Uncategorized

 

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