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Social Media: Gigantomanie

05 Jan
Haruo Nakajima (Godzilla) takes a break during...

Godzilla revealed - wenn wir schon von Giganten sprechen Image via Wikipedia

Immer die Monsterzahlen – früher war das mal schick, große Zahlen zu sehen. Aber heute haben wir uns daran gewöhnt an die Millionen, Milliarden, Zillionen, an die Terabyte und Petabyte, ja sogar ein Rettungsschirm hat schon einen Billionenhebel. Und dann die 750 Millionen Menschen auf Facebook. Wenn es eine Nation wäre, … kenn ich schon.

Ehrlich: Mir hängen die Zahlen zum Hals raus. Sie suggerieren nämlich, dass jeder, der einen Facebook-Account hat, mühelosen Zugriff auf 750 Mio. Menschen hat und deswegen ruckzuck erfolgreich ist, viele Freunde hat, automatisch Geschäft generiert, bessere Produkte erzeugt, besseren Service bietet, ein besseres Unternehmen aufbaut … etc. – das nennt man dann die Mär vom langen Schwanz „long tail

In ausnahmslos jeder Diskussion über Social Media fällt früher oder später die magische Zahl 750 Millionen. Bald wird es eine Milliarde sein und bald wird Facebook die größte Nation der Erde sein. Welch eine Nation! Eine Nation, die keine einheitliche Sprache spricht, nur die Lex Zuckerberg kennt und ansonsten die Gemeinsamkeit hat, dass sie mit ihren Daten bezahlt. Jetzt werd ich aber ein bisschen böse, sorry 😉

Klingt gigantisch – doch ist es auch auf den zweiten Blick ein „Verkaufsargument“? Ich als einer von 750 Mio.? Ich bin eine Nano-Einheit im Facebook-Universum (genau 1,3 Periode mal 10 hoch -9). Was das meinem Ego antun könnte ;-). Zähle ich meine hundert Freunde dazu, kommen wir fast in den Microbereich (10 hoch -7 Facebook-Einheiten). Ich fühle mich an Protonenkonzentrationen in Laugen erinnert. Lang, lang ist´s her 😉

Geben wir uns keinen Illusionen hin: Von den großen Zahlen profitieren zuerst die Plattformbetreiber. Alle anderen nehmen Geld in die Hand, das sie den Plattformbetreibern geben, um selber prominenter zu werden oder zehren von ihrem Image, das sie schon in der – wie Michael Pauly zu sagen pflegt – Prä-Facebook-Zeit hatten.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Ich halte Facebook für eine nette Sache. Es macht mich zwar nicht glücklich, aber auch liebe es, damit herumzuspielen, meinen Teil zum Infotransfer beizusteuern, Menschen kennenzulernen und mich – womöglich sogar sinnvoll – auszutauschen. Aber ist 750 Millionen, oder vielleicht bald eine Milliarde, ein Wert an sich? Gewiss: Soziale Medien beziehen ihren Wert aus Masse. Aber die Schlussfolgerung: „Teil der der großen Masse = großer Erfolg“ geht für mich Nano-Einheit nicht unbedingt auf.

Um das Thema zu erden, sage ich zunächst mal: 22! Laut allfacebook.de ist das die aktuelle Zahl der deutschen Nutzer. Oho, da schrumpft der lange Schwanz auf etwa ein Fünfunddreißigstel (1/35). Und wenn ich dann noch ganz dreist die Zahl der Menschen abziehe, die sich für mich und meine Social Media Inhalte nicht interessieren (geschätzt 99,9%), dann wird eine reale Geschichte draus – mit immerhin 22.000 Facebooklern.

Wir bewegen uns nach wie vor auf einem Markt von (Informations/Unterhaltungs)-Angebot und ebensolcher Nachfrage – angereichert mit ein bisschen elektronischer Vetternwirtschaft (nichts für ungut ;-)) Mein Resümee: Man muss die Stellhebel für das neue Spiel Social Media kennen. Und dazu gehören originäre, unterhaltsame Inhalte, für die manches Unternehmen seine langgehegten Kernbotschaften oder sein traditionelles Image auch mal verleugnen muss. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich vielleicht ein andermal erzählen möchte.

Gewöhnen wir uns daran, dass uns die Massen nicht zu Füßen liegen. Aber vergessen wir auch nicht, dass da draußen 22.000 auf uns warten. Nur, wo sind die?* 😉

Beste Grüße
Ihr/Euer
Martin Reti

*p.s.: Und wenn wir unterhaltsames Englisch sprächen, wären das noch viel mehr …

 
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Verfasst von - 5. Januar 2012 in Social Media

 

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