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Social Media: Krawattenträger

02 Feb
Bundesarchiv B 145 Bild-F006418-0008, Bonn, Po...

Ja, das waren noch kultivierte Zeiten 😉 Alle mit Krawatte ... Image via Wikipedia

Aufregung! Aufschrei! Dieser böse Gastkommentar von MdB Ansgar Heveling im Handelsblatt am 30. Januar! Für alle Zeiten wird an seinem Namen der Makel des #Heveling-Hashtags kleben ;-). Wie kaum ein zweiter hat er es geschafft, eine Sache, die letzten Endes nur aus Nullen und Einsen besteht (ich meine jetzt damit nicht die Teilnehmer am digitalen Universum ;-)) zu emotionalisieren. Ein Wunschbild, dass sich die Werbebranche bei jeder Kampagne verfolgt. Bis dato über 400 Kommentare direkt auf den Beitrag sprechen ein ziemlich klares Bild.

Über die Beweggründe kann und mag ich gerne mutmaßen: ein Späßchen, ein PR-Manöver, um sich in die Schlagzeilen zu bringen oder digitales Image zu gewinnen oder glaubt er womöglich wirklich, was er schreibt? Letzteres würde mich ein wenig erschrecken. Nichtsdestoweniger nötigt es mir auch ein bisschen Respekt ab, wenn der Hase den Fuchsbau nur mit seiner spitzen Zunge bewaffnet betritt*.

Erstmal – ich finde, es war prima geschrieben. Glückwunsch an den Redenschreiber! Das war zumindest von der Tonalität her kein prollig-trolliges 08/15-Stück. Ich konnte quasi das Blut fließen sehen und die Pulverdampf-Schwaden riechen. Aber alles in allem ging das über einen Aufruf zur Diskussion weit hinaus. Das war – und die Überschrift bestätigt das – eine Kampfansage, wenn nicht gar eine Kriegserklärung. Vielleicht hat er ja begriffen, dass man heute mit markigen Worten mehr erreicht als mit ausgewogener Darstellung.

Die Netzgemeinde, die Ansgar Heveling so schön zu einem Eintopf rührt – wer ist das? Ich habe den Eindruck, dass die Netzgemeinde in zwei Gruppen zu unterteilen ist. Und das reicht natürlich immer noch nicht, um der Realität gerecht zu werden. „Denn auch der Bravste wird zum Troll, wenn der böse digitale Nachbar …“ Ok, Scherz beiseite – bleiben wir bei zwei Typen – der Einfachheit halber.

Da sind die einen, die denken, mit Web 2.0, mit offenen Diskussionen und Transparenz erreichen wir eine höhere Daseinsstufe. Wir evolutionieren uns nach oben. Wir pflegen den inhaltlichen Diskurs, philosophieren, teilen altruistisch unser Wissen, wir pflegen Netiquette, einen anständigen Umgang, wir müssen auf unseren Facebook-Seiten das Hausrecht durchsetzen. WIR SIND ZIVILISIERT. Wir sind ein Volk von gutsituierten, wohlerzogenen Krawattenträgern.  Wie in den alten Tagesschau-Sendungen. Glauben wir wirklich, dass wir in einem anderen Medium einen Schritt zurück machen und tatsächlich bessere Menschen werden?

Und dann sind da DIE ANDEREN, die stehlen, lügen und betrügen. Die die Anonymität ausnutzen, endlich mal ihren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Eine Art digitale Urschrei-Therapie. Tu, was Du nicht lassen kannst. Fühle die Freiheit, nimm, was Du kriegen kannst, mach das schnelle Geld! Huch, was schreib ich denn da? Solche gibt´s doch hier gar nicht. Hmmm, da muss ich wohl nochmal drüber nachdenken … 😉

Wie seriös ist denn das Web? Seine Geschwindigkeit und seine Möglichkeiten faszinieren mich immer wieder aufs Neue. Aber „need for speed“ erzeugt Fehler auch bei denen, die ihre Themen ernsthaft betreiben – besonders wenn wir auf x Plattformen zugleich tanzen. Sind wir ehrlich: Jeder ist gegen etwas. Die Frage ist, ob ein Krieg draus werden muss. Und wem der Krieg letzten Endes was bringt.

Zum Krieg führen gehören immer zwei. Die Netzgemeinde ist offenbar bereit für den Kampf. Das hat sie bewiesen. Da begegnen sich zwei Kontrahenten, von denen jeder denkt, er säße am längeren Hebel und der dem anderen das demonstrieren will. Muckis zeigen. Also ehrlich – hier geht´s zu wie auf dem Schulhof und nicht wie in der Stoa ;-).

Vielleicht sind wir noch gar nicht bereit, so viel Möglichkeiten zu haben oder vielleicht bleiben wir einfach die, die wir schon immer waren – auch mit den vielfältigen Möglichkeiten, die die Technik uns bietet. Wir schaffen es nicht, über unseren Schatten zu springen. Ohne zu sehr religiös werden zu wollen: Gandhi hat mit einer anderen Strategie mehr bewirkt. Vielleicht ist manchmal die linke Backe hinzuhalten und zu schmunzeln der richtige Weg. Und eine feste Meinung zu haben, die man ruhig äußern darf. Aber David ist nicht immer der Gewinner, nur weil er Goliath erschlägt.

Das Leben bleibt kompliziert und ich freue mich über jeden, der einen kühlen Kopf behält wie Christian Henne oder – wieder mal – Daniel Brückerhoff.

Ihr/Euer

Martin Reti

* Sorry, mir fiel grad kein besseres Bild ein. Und die Männer/Frauensauna würde uns jetzt zu weit wegführen, auch wenn sie angesichts der Temperaturen vielleicht die verlockendere Wahl gewesen wäre 😉

 
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Verfasst von - 2. Februar 2012 in Social Media

 

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