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Social Media: Umdenken gefragt

11 Feb
King chess

Das Ende der Monarchie? Image via Wikipedia

Unilever erklärt das Kapitel Social Media für beendet, knapp zwei Drittel der Social Media Verweigerer haben einfach keine Lust auf Social Media* und Fans sind noch lange keine Käufer. Ist das der vorgezogene Weltuntergang im Jahr 2012? Götterdämmerung für die Social Media? 😉

Wie dicke Hagelkörner fallen die schlechten Social Media-Nachrichten aus einem winterlichen Webhimmel. Wenn man die Meldungen so durchliest, könnte man meinen, das Ende der sozialen Netzwerke steht kurz bevor. Die großen Erwartungen zerstieben eine nach der anderen wie Seifenblasen. Und was kommt jetzt?

Die große Ernüchterung. Wobei ich das durchaus positiv verstanden wissen will. Denn ich finde es
1. wohltuend zu sehen, dass große Engagements auch nicht immer den erwünschten Erfolg bringen müssen. Ich denke, dass
2. auch in modernen Zeiten, in denen einfach jeder drauf los schreiben kann (so wie ich gerade) immer noch der Grundsatz gilt: Bad news is good news. Vielleicht ist es ja nur eine voyeuristische Lust am Scheitern (der anderen) oder auf gut Deutsch pure Schadenfreude, die uns angesichts der „Epic Fails“ der Goliaths erheitert. Und ich meine
3. dass hinter jedem Scheitern nicht eine schlechte Social Media Strategie steckt, sondern viel mehr die Unvereinbarkeit – oder schwächer formuliert: die Diskrepanzen – von Social Media mit den bestehenden Unternehmensstrukturen und -haltungen.

Social Media ist eben nicht nur ein Teil des Marketing-Mix, sondern zwingt Unternehmen (jeglicher Größe) sich mit den Implikationen einer neuen Kultur der Transparenz und Kommunikation auseinander zu setzen. Und das ist die wahre Vorausetzung: nämlich die Prozesse und Haltungen zu schaffen, die kompatibel sind mit einer 2.0-Denke. Und das geht natürlich weit über die Einsetzung eines Social Media Managers hinaus.

Es geht um die 2.0-Kultur „dahinter“ – sie fordert beispielsweise, dass man Feedbacks kanalisiert und tatsächlich prüft, dass man bereit ist, Unternehmen umzugestalten, dass man Mitarbeitern vertraut, dass diese als Repräsentanten des Unternehmens fungieren können (was diese ja de facto schon seit Jahrhunderten tun ;-)) und dass man sie gar ermutigt, dass sie das auch tun. Und das man zur Transparenz bereit ist sowie andere Meinungen aushalten oder gar gewinnbringend akzeptieren kann. Wobei gewinnbringend jetzt sehr weit zu verstehen ist. Denn es geht (s. 1. Absatz) nicht immer nur darum, Geld zu machen.

Die Realität zeigt: Es gibt Vorbehalte auf beiden Seiten. Sowohl beim Unternehmen, das die „Kommunikation“ aus guten Gründen gerne kontrollieren möchte, aber auch auf Seiten der Mitarbeiter, die Angst haben, das Falsche zu sagen oder eben sich gar nicht mit dem Unternehmen oder ihrer Arbeit identifizieren. Sie arbeiten womöglich nur, um Geld zu verdienen 😉

Um die anfänglichen Thesen wieder aufzunehmen: Social Media steht mitnichten vor dem Ende. Vielmehr sind wir mitten in einem Evolutionsprozess, in dem wir lernen, dass Social Media eben mehr ist, als die „neuen“ sozialen Plattformen zu erobern, sondern der Impuls für ein Umdenken in Unternehmen. Und wem das gelingt, der wird sehr viel erfolgreicher in der Welt 2.0 unterwegs sein als alle iPad-Verloser dieser Welt zusammen 😉

Mit besten Wünschen für ein erholsames und bereicherndes Wochenende

Ihr/Euer
Martin/ Reti

*War für mich die erheiternde Meldung der Woche. 36% der Onlinenutzer nutzen Social Media nicht. Auf die Frage „Warum?“ antwortete ein großer Teil: „Interessiert mich nicht“ – was ich für eine stichhaltige, aber nicht gerade offenbarende Antwort halte. 😉 Es bleibt, wie es immer wahr: Nicht jede Zahl hat eine tiefere Bedeutung, manche sind einfach das, was sie sind 😉

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9 Kommentare

Verfasst von - 11. Februar 2012 in Social Media

 

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9 Antworten zu “Social Media: Umdenken gefragt

  1. Christian Lutzke

    20. Februar 2012 at 10:36

    Und hinter den Unternehmen stehen immer einzelne Manager. Somit ist nicht das Unternehmen unvereinbar mit SocialMedia, sondern die Manager scheitern. Scheitern an Ihren (Verlust)Ängsten, scheitern daran Macht zu teilen oder in Teilen aufgeben zu müssen, scheitern daran zu starr zu sein, um sich mit SoMe zu verändern. Kein gutes Zeichen für den sich ständig verändernden Markt, denn genau die gleichen Manager agieren auch hier allzuoft zu starr und ängstlich vor dem Neuen. Verhindern hiilft nicht, denn die Veränderung kommt sicher – die Frage ist nur, wen die Veränderung mitnimmt.

     
    • martinreti

      20. Februar 2012 at 13:03

      Weiß jetzt nicht, ob das per Mail rausgeht. Nein scheinbar ist es tatsächlich eine Antowrt auf den Kommentar. So, jetzt weiß ich das auch 😉

      Du hast natürlich völlig Recht: Das ist jetzt die interne Seite der Medaille. Unter dem Strich bleibt: Umdenken ist nötig und dazu braucht man auch Menschen, die nicht am hierarchischen Standesdenken festhalten, sondern auf gemeinsame Ziele hinarbeiten – durchaus auch im Sinne des Unternehmens 😉

       
  2. mahrko

    11. Februar 2012 at 15:07

    Mit der selben Begründung könnte man auch die komplette Plakatwerbung einstellen.
    „Plakatangucker sind noch lang keine Käufer“. 🙂

    Und trotzdem hängen die Dinger jetzt seit gut 100 Jahren überall. Sowhat…

     
    • martinreti

      11. Februar 2012 at 15:41

      yep – auf den Punkt zusammengefasst. Mal schauen, wie es mit Unilever weitergeht. Geld genug für Experimente haben die bestimmt. Naja, und Multiplikatoren zu gewinnen ist bestimmt nicht der falscheste Gedanke. Aber das geht ja wohl auch mit SoMe, oder? 😉

       
  3. Stefan Pfänder

    11. Februar 2012 at 12:21

    Sehr schöner Artikel der wirklich gut zu meinem Post passt (http://bit.ly/yoeGlf). Ich danke dir für deinen Kommentar und den Hinweis auf deinen Blog. Schönes Wochenende!

     
    • martinreti

      11. Februar 2012 at 13:16

      Ich danke auch für den Kommentar. Aber die Warum-Frage kann man natürlich mit quasi allem verknüpfen 😉
      Ich wünsche Dir ebenfalls ein schönes Wochenende mit einer warmen Stube 😉

       
  4. uwehauck

    11. Februar 2012 at 11:45

    Sehr guter Artikel, spricht mir aus der Seele. Es genügt nicht, sich in Social Media einfach zu engagieren, wenn das Unternehmen selbst das nicht lebt.

     
    • martinreti

      11. Februar 2012 at 13:17

      richtig – das gerät dann irgendwie in Schieflage. Und das Resümee des Unternehmens ist dann: „Dieses ganze Social Media Zeug bringt doch nichts“ 😉

       

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