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Social Media: Teilen könnte so schön sein

25 Feb
Deutsch: Sommer 2005, das ist von mir aufgenom...

Bildbeschreibung: "Das ist von mir aufgenommen als Geschenk an Wiki. Ich erhebe keinen Anspruch darauf" - like it! Image via Wikipedia

Einen nicht unwesentlichen Teil seines Charmes bezieht das Internet daraus, dass man in Sekundenbruchteilen Informationen bekommt, die man (vielleicht sogar dringend) braucht. Und wenn das Netz mal darnieder liegt, dann bricht bisweilen der Stress aus oder Entziehungssymptome machen sich breit.

Eine universale Bibliothek mit freiem Wissen für alle – immer wieder kommt dieser Ansatz auf die Tagesordnung. Und es ist ein schöner Gedanke. Ein Gedanke, der so alt ist wie das Internet selbst, vielleicht sogar älter. Und dabei so futuristisch wie visionär wie kaum ein anderer. Das beweisen die gegenwärtigen Diskussionen um ACTA et al.

Viele verstehen heute schon das Internet als einen 24/7-Supermarkt, der ein breites Angebot kostenlos bereithält. Dass man schon bei einfachen Entnahmen als Dieb gebrandmarkt werden könnte, ist Ihnen nicht bewusst. Und das keineswegs erst seit den aktuellen „Abschreckungsdiskussionen“ einer Industrie, die schon lange nicht mehr der Verbreitung ihrer Erzeugnisse Herr wird. Es ist nun Tatsache, dass das Netz kein rechtsfreier Raum ist. Die einen fordern das Festhalten am Etablierten (auf dem Weg zum Netz der Juristen?), die anderen nutzen Argumente, die häufig dem Fortschrittsglauben einer neuen Generation entsprechen für eine Modernisierung des (Urheber)Rechts.

Dabei sind sich auch die an der alten Ordnung Festhaltenden über die Vorteile im Klaren, die sie durch Präsenz im Web erzielen. Die dort angebotenen Daten-Häppchen sind wegen ihrer Professionalität natürlich das Objekt derer, die nach guten Inhalten suchen. Und damit wir das Ziel der Anbieter erreicht: Prominenz zu erzielen, Nutzer zu binden oder gar Käufer zu gewinnen. Doch wo endet beim Teilen/Weitergeben die Symbiose und wo beginnt das Schmarotzertum?

Die Geister, die ich rief

Es ist (hoffentlich) jedem Anbieter von Fotos, Videos, Zeichnungen, Texten etc. klar, dass er mit dem Feuer spielt, wenn er Inhalte in das Netz trägt. Denn die so genannte Netzgemeinde ist sehr wohl in der Lage, Qualität der Inhalte zu erkennen. Sie sieht sich einem verlockenden Angebot gegenüber. Eine Schaufensterscheibe ist weit und breit nicht in Sicht und so empfindet man die ausgelegten Waren eben als kostenlose Probeverkostung. Dass der Metzger die Hände über dem Kopf zusammenschlägt, wenn plötzlich mehr Menschen verkosten als kaufen, dürfte doch klar sein. Darf er dann aber gleich mit der juristischen Keule drohen? War es ein Mundraub oder ein planvoll angelegter Diebstahl? Definitiv  ist es eine Anerkennung des Angebotenen.

Wenn ich´s recht weiß, war zu biblischen Zeiten das Abrupfen von Ähren zur Wegzehrung erlaubt und toleriert, während das planmäßige Abernten für den kommerziellen Nutzen verboten war. Wer vermag die Grenze zu ziehen in einer One Click Sharing Gesellschaft, die das Teilen doch so einfach macht?

Viele nehmen sich mittlerweile die Freiheit, ihr Wissen und ihre Werke zu teilen – und zwar sowohl diejenigen, die sich der altruistischen Sache des Teilens verschrieben haben als auch diejenigen, die direkt oder indirekt damit Geld zu verdienen suchen. Von wem welche Information kommt, ist zudem nicht immer so klar ersichtlich. Wenn man das nämlich wüsste, dann könnte man auch sehr erfolgreich abschätzen, ob man sich einer potenziellen Strafverfolgung aussetzt oder ob man dem virtuellen Gegenüber womöglich sogar einen Gefallen tut.

Dem einen oder anderen ist es womöglich sogar recht, wenn Texte, Bilder oder Informationen wegen ihrer Attraktivität weitergegeben werden. Man denke da nur an die Marketingabteilungen der Unternehmen. Oder haben Sie schon mal erlebt, dass ein Automobilunternehmen sich beschwert hat, wenn Fans Bilder der neuesten Karosse auf ihrer Pinnwand ausstellen – womöglich ergänzt mit einem „Boah, geile Karre!!!!!!!“ ? 😉

Auf der anderen Seite sind da Unternehmen und Privatpersonen, die sich sicherlich zu Recht darüber Gedanken machen, warum andere ihre Erzeugnisse verwenden, ohne ihnen den gebotenen Respekt in Form einer Entlohnung zu gönnen – und sei es nur mit einer Erwähnung des Urhebers. Jeder Fotograf, der sich mit einem Auszug seiner Bilder bei Flickr präsentiert und seine Werke dann auf Webseiten ohne Nutzungseinverständnis wiederfindet, wird sich wohl etwas verschnupft zeigen.

Erschwert wird das Ganze dadurch, dass, wie ich lesen musste, selbst erworbene Rechte nicht immer und für jede Plattform gelten. Es ist und bleibt verzwickt – allzumal sich nur die Wenigsten die Zeit nehmen und die Mühe machen, die Gesetzestexte zu studieren. Wir leben schließlich in einer Welt 2.0 mit der Verheißung von Geschwindigkeit und Einfachheit. Die Allermeisten dieser „Verbrecher“ führen gar nichts Böses im Schilde. Sie stimmen mit den Füßen ab über die schönsten Bilder, die witzigsten Cartoons und die inspirierendsten Texte und drücken dies durch Weitergabe aus. Leider stammen die besten Werke in der Regel von Profis, die womöglich damit Geld verdienen wollen 😉

Die Nachfrage nach „guten“ Inhalten bleibt ungebrochen. Das macht den Konflikt aus, in dem wir uns gerade befinden. Mir wäre es am liebsten, wenn ich wüsste, was ich darf und nicht nur, was ich nicht darf. Für mich erscheint es so, als ob vor dem Buchstaben des Gesetzes so gut wie alles verboten ist: „You can look, but you don´t touch!“ Aber wenn ich Glück habe, werde ich durch den Bestohlenen entlastet und nichts geschieht.

The Whitebook

Die Lösung ist ein neues wirklich großes ;-)) soziales Netzwerk: The „Whitebook“. Eine Liste aller ins öffentliche Netz hochgeladenen Medien. Jeder, der ein Bild ins Netz wirft, einen Text erstellt, ein Video oder eine Gafik, setzt einen Haken, in dem er sein Werk für allgemein verfügbar und selbst hergestellt erklärt. Das Werk wird dann in der Whitelist vorgehalten und wer es dort herunterlädt, kopiert etc. darf dies guten Gewissens tun. Und er darf natürlich die Qualität kommentieren, wie sich das für ein soziales Netzwerk gehört 😉 Ich würde vermuten, dass alle, die ihre Werke dort einstellen, per se einen Sympathievorsprung erhalten, der womöglich in einem Wettbewerbsvorteil münden könnte. Denn die bereitgestellten Daten würden sich weiter verbreiten als verbotene. Der Faktor des reinen Gewissens 😉

Ich werde als gutes Beispiel vorangehen. Meine Bilder könnte ihr haben – ok, die Qualität ist vielleicht nicht so berauschend, aber he, ich habe eine Digikam. Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn. Bei 10.000 Bildern wird doch wohl eines dabei sein, das sich zu teilen lohnt 😉 Ich suche das mal raus und bebildere diesen Text damit. Und das DÜRFT IHR ALLE TEILEN 😉

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mit besten Grüßen

Ihr/ Euer

Martin/ Reti

p.s.: Und auch dieser Text darf natürlich geteilt und zitiert werden 😉

p.p.s.: Ich habe bei diesen Betrachtungen natürlich den Fal außen vor gelassen, in dem existente Medien elektronifiziert und gegen den Willen des Urhebers dem Netz hinzugefügt werden. Das steht nochmals auf einem anderen Blatt Papier.

 
2 Kommentare

Verfasst von - 25. Februar 2012 in Social Media

 

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2 Antworten zu “Social Media: Teilen könnte so schön sein

  1. Anja

    9. März 2012 at 08:57

    Moin, moin,

    habe diesen interessanten Beitrag gleich mal getwittert. Von dem Whitebook hatte ich bis dato noch nichts gehört. Was nichts heißen muss, denn ich bin im Gegensatz zu anderen Netz-Nutzern ein relativer Laie. Jedenfalls ein guter Hinweis. Wenn ich mir auch niemals Bildmaterial einfach von irgendwo holen würde, so ist es schön zu wissen, dass es ein paar Quellen gibt die man ohne Angst und Sorge anzapfen kann 😉
    Schöne Grüße von der immer noch kalten Nordsee, Anja

     
    • martinreti

      9. März 2012 at 10:23

      Hallo Anja,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Pah, Laie 😉 Ich behaupte einfach mal, dass niemand alles wissen kann, was im Netz passiert. Das ist unmöglich. Wir kennen halt alle nur einen Teil der Welt. Und jeder hat Erfahrungen, die sich zu teilen lohnen.
      Aber ich habe da wohl missverständlich geschrieben. Sorry, dass ich Dich da enttäuschen muss: „The Whitebook“ wäre was sehr schönes. Aber das gibt es meines Wissens leider nicht. Mit den Creative Commons Lizenzen geht es schon eine ersten Schritt in die Richtung, aber die Verunsicherung ist mit Händen zu greifen „Darf ich jetzt oder darf ich nicht?“
      Sam von seobloggerei hat dazu einen netten Post geschrieben. http://seobloggerei.de/rechtliches/so-verhindert-ihr-probleme-mit-dem-urheberrecht-copyright
      Ansonsten bleibt gerade bei WordPress das Zemanta-Tool oder wir machen alle ein ### an die Sachen ran, die frei geteilt werden dürfen. das ist ja bei Twitter jetzt Usus 😉

      Liebe Grüße aus dem sonnigen Süden
      Martin

       

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