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Social Media: Die soziale Nacht der langen Messer

05 Apr

Mercedes Benz Museum StuttgartSozial – das klingt doch sehr … positiv. Gemeischaftlich, verbindend, potenziell freundlich. Und weil sozial ein Trendwort ist, schmücken wir alle Dinge gerne damit wie früher mit den Attributen „Extra“ oder „Super“ oder „Hammer“. Medien und Netzwerke sind sozial, der Einkauf wird sozial, die Mitarbeitersuche wird sozial, ja ganze Unternehmen werden sozial. Bestimmt haben wir auch bald „soziale“ Seife oder „soziales“ Benzin – von sozialen Taschentüchern bleibt aber weiterhin abzuraten 😉

Seien wir ehrlich: Bei einem Wort wie „sozialer Innovation“ da schlagen unsere Herzen doch gleich höher. Dass das Soziale auch seine Schattenseiten hat, verdrängen wir allzu gern. Denn schon in der Schule galt: Dabei sein oder nicht dabei sein. Die passende Gruppe finden oder ausgestoßen werden. Nur weil es soziale Medien gibt, bedeutet das nicht, dass unsere angeborenen Verhaltensweisen damit außer Kraft gesetzt würden.

Ich war gestern einer der Glücklichen, die ein Ticket für die Social Media Night in Stuttgart ergattern konnten. Nicht etwa, weil ich sozial war, sondern weil ich mich in Kenntnis des Windhundprinzips frühzeitig angemeldet habe 😉 Dort wurden zwei höchst unterschiedliche Vorträge geboten: Ralf Mager von Lodenfrey berichtete über den Weg eines Traditionsunternehmens in die Welt von eCommerce und Social Media, Anke Reuter-Zehelein von Zieltraffic stellte eine Studie aus ihrem Haus vor, die Mitarbeiter-Rekrutierung und -Bindung thematisierte.

Wieso eigentlich „die dunkle Seite der Tracht“?

Lodenfrey testet mit seinem Social Media Engagement auch einen Shop innerhalb Facebook. Dieser hat ein interessantes Gimmick: Nachdem der virtuelle Käufer sich seine Kleidungsstücke vom Haken genommen hat („aber bitte nur vier Teile in die Umkleide mitnehmen“ ;-)) kann er diese gezielt seinen Freunden vorstellen und jene um guten Kaufrat bitten. Eine Übertragung des „Ich geh mit meiner besten Freundin einkaufen“-Prinzips in die virtuelle Welt. Gelungen! Mager (@RalfMager) berichtete zudem von traumhaften Konversionsraten von neun Prozent. Allein – warum eCommerce und Social Shop den stationären Verkauf stärken sollen, erschließt sich mir nicht 😉

Schau niemals auf die Twitterwall

Gut, der zweite Vortrag war nicht ganz so launig und die Folien waren voll und es war deutlich zu merken, dass der Vortrag nicht auf die Referentin zugeschnitten war – aber dass man sich auf der öffentlichen Twitterwall neben der Präsentationszone über den Vortrag lustig macht, ist nicht ganz so die feine Art. Das Ganze dann euphemistisch als „Shitstorm“ zu bezeichnen, zeugt eigentlich eher von einer gewissen fehlenden Sensibilität.Social Media Night als Haifischbecken … viel Spaß beim Schwimmen.

Das war eigentlich – aus meiner Sicht – schongrenzwertig genug, aber mancher Referent schaut halt mal hinter sich auf die Twitterwall und sieht dann, was „hinter seinem Rücken“ über ihn gesprochen wird. Ich kenne kaum jemanden, der so abgebrüht ist, das einfach wegzustecken. Und dann bekommt man einen echten Synergieeffekt: Die Gefälligkeit der Darbietung sinkt augenblicklich. Schade, dass die fleißig Twitternden nicht in der nachfolgenden Diskussion versucht haben, die Unklarheiten zu beseitigen. Die Ergebnisse der Studie wären auf jeden Fall eine intensive inhaltliche Diskussion wert gewesen. Das wäre doch der soziale, der kooperative und wertschätzende Weg gewesen, oder?

Und das ist doch die Hoffnung, die wir mit Social Media verbinden, oder nicht? Wertschätzung für den anderen – auch wenn der anders ist, auch wenn der was „falsch“ sieht, auch wenn der Schwächen offenbart. Eine Anti-Cybermobbing-Petition hätten wir wohl alle unterschrieben. Vielleicht bei der nächsten Social Media Night? Aber gleichzeitig praktizieren wir Livemobbing mithilfe sozialer Plattformen – keine sehr reflektierte Haltung.

Weil´s Spaß macht oder weil wir nicht aus unserer Haut können? Wir Menschen werden nicht besser, nur weil wir mehr technische Möglichkeiten haben. Und Wertschätzung des Gegenüber ist für mich der erste Schritt auf dem Weg in die sozialen Medien – da können wir alle noch ein bisschen was lernen. Und vor allem könnten wir ALLE dabei gewinnen. Vielleicht könnte man hier eine Schulungsnische besetzen? 😉

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Mit besten Ostergrüßen

Ihr/Euer
Martin/ Reti

p.s.: Höre schon die Kommentare: Das war doch gar nicht so schlimm, wir wollten doch nur spielen. Dann kommentiert ruhig. Ich fand´s schlimm .

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3 Kommentare

Verfasst von - 5. April 2012 in Social Media

 

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3 Antworten zu “Social Media: Die soziale Nacht der langen Messer

  1. Ralf Mager

    10. April 2012 at 11:26

    Vielen Dank für den Artikel. Ich freue mich wenn wir Euch mein Vortrag gefallen hat. Noch schöner wäre natürlich wenn ihr meinen Namen richtig schreibt: Ralf Mager @ralfmager. Lieben Gruß aus München.

     
    • martinreti

      10. April 2012 at 13:08

      Darauf hat jeder Mensch ein Grundrecht 😉 korrigiere das gleich – sorry

       
    • martinreti

      10. April 2012 at 13:11

      Meine Ohren werden scheinbar immer schlechter – danke für den Hinweis

       

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