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Arbeit: Leben wie vor 10000 Jahren – Modell für die Zukunft?

24 Jun
Sebastian Spörer

Leiter des ersten Zentrums für Leistungsmanagement und Burnout-Prävention

Am 2. Juli ist es soweit: Dr. Sebastian Spörer vom Zentrum für Leistungsmanagement und Burnout-Prävention startet seine Feldstudie Metabolic Lifestyle. Eine Woche lang kehren einige Freiwillige der Zivilisation den Rücken. Mit Dschungelcamp in den Allgäuer Alpen hat das recht wenig zu tun. Die Teilnehmer begeben sich auf die Tour, um zu erfahren, welche Auswirkungen eine Umstellung des Lebensstils hat – auch und insbesondere im Hinblick auf Stressfaktoren. Weil ich das Thema so spannend finde, habe ich den Leiter der Studie interviewt, um ein bisschen mehr zu verstehen, worum es geht.

Dr. Spörer, wie kamen Sie auf die Idee für das Projekt – Bierlaune?

Keineswegs. Es gab vielmehr einen konkreten Aufhänger. Tim Mälzer, der berühmte Fernsehkoch, hat vor einigen Monaten gemeinsam mit der Uni Heidelberg für die ARD eine Studie gemacht. Darin wurde untersucht, ob sich das Essen auf die Gesundheit auswirkt. Sein Resümee: Tut es nicht! Davon bin ich nicht überzeugt. Wir wollen den Gegenbeweis antreten.

Sie haben ihrem Experiment den Titel Metabolic Lifestyle gegeben. Warum?

Wir versuchen damit aufzuzeigen, dass der Lebensstil einen extremen Einfluss auf den Stoffwechsel hat. Nahezu alle Zivilisationskrankheiten sind Stoffwechselkrankheiten. Mit der Woche in den Bergen wollen wir zeigen, dass sich der Stoffwechsel innerhalb kurzer Zeit so verändern lässt, dass das Risiko für Krankheiten deutlich sinkt.

Aber das ist doch nicht nur eine Frage der Ernährung …

Richtig! Daher der Titel „Lifestyle“ – wir kombinieren eine geänderte Ernährung  mit viel Bewegung und einem Lebensrhythmus, der sich an den natürlichen Rahmen anpasst. Alles in allem wirkt das dann so wie in einer Welt ohne Uhren, ohne Kunstlicht, ohne verarbeitete Nahrung  und eben ohne Zivilisationskrankheiten.

Auf was werden Ihre Teilnehmer sich einstellen müssen?

Das Gepäck wird auf jeden Fall kein Problem sein – wir haben ein Dutzend Mitreisende dabei, die einen zweiten Satz Kleidung mitnehmen, eine Seife und Zahnputzsachen – und das war´s im Wesentlichen. Unsere Packliste ist nicht sehr umfangreich. Wir werden insgesamt ca. 65 bis 70 Kilometer wandern und dabei die Augen offenhalten für Nahrungsmittel, die am Wegrand wachsen. Schade, dass wir uns mit Jagen strafbar machen …

Ihre Intention ist es ja aufzuzeigen, dass ein Lebensstil mit „archaischen“ Elementen gesünder ist und Burnout verhindern kann. Woran messen Sie das?

Wir werden mehrere physiologische Werte erfassen. Die Basis bildet eine Vorher/Nachher-Messung von LDL- und HDL-Cholesterin, des Entzündungsparameters CRP (C-reaktives Protein), des Eiweißspiegels und des  „Stressmoleküls“ Lipoprotein A. Dazu werden wir zu Beginn unserer Tour in der Klinik Füssen vorstellig werden und uns Blut abnehmen lassen. Die Auswertung übernimmt das angesehene Analyselabor Dr. Gärtner.

Während unserer Tour werden wir zusätzlich täglich den Blutzucker, den Blutdruck und die Herzfrequenzvariabilität über einen Polar-Relax-Text messen.  Drei 24-Stunden-EKGs runden das Erfassungsprogramm ab. Zu guter Letzt werden wir noch den SF 36-Fragebogen für psychische Gesundheit ausfüllen, um auch Veränderungen in der Psyche aufzunehmen.

Was werden Sie persönlich von dem Projekt mitnehmen?

Nun zuerst bin ich sehr gespannt auf die Ergebnisse. Ich bin ziemlich sicher, dass das Stressniveau durch die konsequente Umsetzung eines metabolischen Lebensstils sinkt und damit natürlich auch die Anfälligkeit für Burnout. Für mich persönlich. Ich bin sicher, dass mir diese Erfahrung helfen wird, gelassener durch den Alltag zu gehen und dass ich weitere Impulse bekomme, wie ich meine Nahrung optimieren kann.

Welche Tipps geben Sie Ihren Mitreisenden auf den Weg?

Einfach entspannt an die Sache rangehen – das wird eine Erfahrung, von der man gerne weiter erzählen wird.
Weitere Infos über die Arbeit des Zentrums für Leistungmanagement und Burnout-Prävention bietet eine Serie von vier Podcasts.

 
7 Kommentare

Verfasst von - 24. Juni 2012 in Arbeit

 

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7 Antworten zu “Arbeit: Leben wie vor 10000 Jahren – Modell für die Zukunft?

  1. E. Gulk

    24. Juni 2012 at 21:35

    Sicherlich ein spannender Ansatz. Wobei „Leistung“ in diesem Experiment verhältnismäßig einfach zu definieren ist und die Grundsituation kaum adaptierbar scheint. „Burnout? Kann nicht an der Arbeit liegen, Mann. Sie ernähren sich einfach falsch und haben zu wenig Bewegung, Sie Minderleister.“

     
    • martinreti

      25. Juni 2012 at 09:35

      gut beobachtet – die Studie fokussiert auf diese beiden Elemente. Aber den Lebensstil umzustellen, umfasst noch ein wenig mehr. Ich denke, es kommt auch wesentlich auf eine gelassene Grundhaltung an – und auf ein Nicht-Alles-tun-wollen/müssen. Dass diese Haltung durch Vorgesetzte nicht immer gefördert wird, zeigt das reale Beruflseben bisweilen. Wesentlich wird sein, welche Elemente man nutzen kann, um vielleicht durch Ernährung und Bewegung tatsächlich das Stressniveau zu senken und zu mehr Gelassenheit zu kommen.

       
  2. lebenstattponyhof

    24. Juni 2012 at 19:17

    viel Erfolg!

     
    • martinreti

      25. Juni 2012 at 09:31

      tnx – im Blog burnoutpraevention.wordpress.com wollen wir tagesaktuell berichten

       
  3. lebenstattponyhof

    24. Juni 2012 at 19:17

    Ich bin gespannt, was man nach sieben Tagen feststellen wird und …. was es am Ende bringt…

     
    • martinreti

      25. Juni 2012 at 09:30

      Ich bin auch gespannt. Sebastian Spörer ist sich ziemlich sicher, wie die Ergebnisse ausfallen. Aber wir werden ja die medizinischen Daten haben. Und dann kann man immer noch urteilen.

       

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