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Social Media: Modesport – Sag mir, was Google denkt

13 Sep

„Sein oder nicht sein“ – war das nicht Hamlet, der sich diese Frage stellte? Jeder stellt sich die Daseinsfrage, ob er heute etwas ist, wenn er nicht in Web gefunden wird. Naja, vielleicht nicht jeder. Geschafft hat man es wohl, wenn man bei Google gaaanz weit oben steht. Bettina Wulff hat es von diesem Standpunkt aus wohl geschafft.

Googles Autovervollständigung für "Be"

Der Stein des Anstoßes

Wenn es früher gereicht hat, unter den Toptreffern zu sein, so muss es heute schon die Autovervollständigung sein – sozusagen Googles vorauseilender Gehorsam. Der brave Jagdhund geht auf die Jagd, noch bevor sein Herrchen „Fass!“ gerufen bzw. bevor die Anzeigen eingeblendet sind.
Ich tippe also „ma“ ein und – siehe da: Google vervollständigt NICHT zu „martin reti intelligent und visionär“ ;-). Aber mit „be“ funktioniert das ganz gut (s. Bild). Das scheint rekordverdächtig, gibt es doch unzählige Wortkombinationen die sich hier bilden ließen – angefangen bei den Beatles bis hin zur bezaubernden Jeannie.

Sie ist nicht allein. Traute ich Google, dann wäre Philipp Lahm schwul, Hugh Hefner längst tot und Günther Öttinger wäre ein Mafia-Pate. Und dass Dieter Baumann ein Doper ist – ja, das weiß Google natürlich auch. Genauso wie die Tatsache, dass ich unbedeutend bin 😉

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Nachvollziehbar, dass das der einen oder anderen Dame aufstößt. Derlei Verknüpfungen möchte man natürlich gerne loswerden. Besonders wenn sie nicht der Wahrheit entsprechen. Das spielt aber plötzlich keine Rolle mehr. Denn wie durch eine Art Magie werden sie zur Wahrheit oder zumindest zur Realität. Das war früher schon so: Was schwarz auf weiß auf Papier stand, das war die Realität. Ein Telefonat oder ein Gespräch hatten lange nicht die Verbindlichkeit – sie waren flüchtig. Aber mit dem (sozialen) Web, wie wir es heute kennen, kondensieren Gespräche zu „Schriftstücken“, erhalten größere Bedeutung, weil sie archiviert und wieder auffindbar sind. Besonders durch die Maschinen, die uns so serviceorientiert die Arbeit abnehmen und Gehirn und Hände entlasten. Und die Maschinen lassen dann aus dem Informationswust Realität entstehen. Nicht mehr nur digitale Identität, sondern längst auch physische.

Unbekannte Würstchen haben´s manchmal gut

Beim heißen Bemühen um Bekanntheit wird häufig übersehen: Die Medaille hat zwei Seiten. Jeder Mensch und auch jedes Unternehmen möchte aufs Treppchen, aber dann doch bitte nicht mit Attributen wie „doof“ „Flittchen“, „Skandal“ „unprofessionell“ oder „minderbemittelt“ dekoriert werden. Besser sind natürlich „großartig“, „zuverlässig“, „legendär“ und Konsorten. Aber wir leben in dynamischen Zeiten: Selbst wenn wir uns ein Wunschimage erarbeitet haben, so hat jede Unaufrichtigkeit, jede deutliche Abweichung von Wunschbild und Realität das Potenzial, dieses Image zu zerstören. Seien wir ehrlich: Es gibt diese Diskrepanzen – sie sind Bestandteil des Lebens. Und je höher die Diskrepanz, desto tiefer der Fall.

Die Konsequenz könnte sein, sich schlechter zu verkaufen, als man ist. Das wäre mal ein legendär neuer Marketingansatz. 🙂 Oder sich ordentlich zu verstecken. Oder sich damit abzufinden, dass es kein Verstecken mehr gibt. Wir sind öffentlich und wer an die Öffentlichkeit tritt, der Ansatzpunkte für Angriffe bieten. Weil wir den Menschen nicht befehlen können, was sie zu denken und zu reden haben.

Die einzig sinnvolle Konsequenz scheint mir Transparenz. Bei der Wahrheit bleiben, Fehler zugeben und manchmal vielleicht auch Hinnehmen oder aktiv mit den Attributen umgehen. Wie wäre es beispielsweise, wenn Frau Wulff sich für eine Prostituierten-Hilfsorganisation engagierte?

Das Kreuz mit der Wahrheit

„Was ist Wahrheit?“, fragte schon Pilatus. Die Wahrheit ist nie subjektiver gewesen als heute. Was die meisten sagen oder suchen – ist das wahr? Was „Experten“ behaupten, ist das wahr? Was im Konsens der meisten Beteiligten entsteht, ist das wahr? Oder wird Wahrheit vielleicht gerade deswegen „wahrer“ – weil sich Objektivität aus vielen Subjektivitäten zusammensetzt? Aber eben nicht aus den ersten drei Suchergebnissen? Auf was kann man sich noch verlassen? Wie sollen wir Entscheidungen fällen? Mein Kopf schwirrt … 😉

So, Sie suchen jetzt bitte 100-mal auf allen ihren Devices nach „Martin Reti intelligent und visionär“ – damit mein Image endlich mal ansprechend geformt wird und bitte schließen Sie den Suchbegriff „Eröffnung“ explizit aus 😉

Schöne Restwoche noch
Ihr/ Euer Martin/ Reti

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2 Kommentare

Verfasst von - 13. September 2012 in Social Media

 

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2 Antworten zu “Social Media: Modesport – Sag mir, was Google denkt

  1. martinreti

    13. September 2012 at 15:30

    Dann habe ich mich irreführend ausgedrückt. Mir geht es gar nicht so sehr um die Causa Wulff, sondern vielmehr darum, dass Google Realität erzeugt. Eine Realität, die so gar nicht existiert. Und das aus der Suche nach Information vieler Menschen plötzlich eine Sache Fakt ist, die gar nicht existiert. Das finde ich irgendwie schräg und auch faszinierend.
    Selbst wenn wir authentische Videoaufnahmen von jeder Minute aus dem Leben des Bettina Wulff sähen, die direkt belegten, dass die Gerüchte auch nicht im Kern stimmen, wird die Diskussion ihr immer anhängen und Google macht das auch noch amtlich. Beunruhigend, oder?

     
  2. Christian Lutzke

    13. September 2012 at 15:20

    Wahr ist doch immer das was wirklich passiert ist und das wissen immer nur Beteiligte – auch wenn die Erinnerung manchmal verblasst. (was ich durchaus als ein interessantes Thema sehe: ‚Wie sieht es mit der Wahrheit des selbst erlebten über einen längeren Zeitraum aus?‘)

    Die Frage ist also: ‚War Be. Wulff wirklich als Schwälbchen unterwegs?‘ Nur Sie und eventuell einige Kunden und ihre eventuelle Vermitter(in) wissen das, wenn es diese ‚Eventuells‘ nicht gibt, gibt es sicherlich auch diesen Fakt nicht. Ist die Geschichte dann unwahr, weil sich keiner meldet. Oder ist es doch wahr, weil es sich so einfach googeln läßt?

    Oder ist es einfach nur unwichtig, uninteressant und unnötig sich darüber einen Kopf zu zerbrechen?!!!

    Mal ehrlich … wen interessiert das? Wahrheit hin oder her. Es ist soooo unwichtig für mich und – seien wir doch ehrlich – für jeden anderen auch. Ich empfinde dieses ganze Gerede über ‚War sie oder war sie nicht beim Escort?‘ nicht nur überflüssig und nervig, es ist – wie immer – anmaßend von den Medien und selbsternannten Medienvertretern über andere und deren Tun zu urteilen und – natürlich – meist zu verurteilen.
    Widerlich ist dieser Webmob, der sich wie eine Geierschar auf Be. W. stürzt und solche Suchergebnisse erst möglich macht.

    Früher haben wir uns über die ‚weltbewegenden‘ Stammtischgespräche aufgeregt und die über den Gartenzaun lästernden Nachbarn. Heute ist der Gartenzaun die Website und der Stammtisch der Blog und irgendwie machen alle mit und jede versucht sich über die eigene Betrachtung des Themas ein Stück Wichtigkeit zu holen.

    Und es ärgert mich, dass ich mich jetzt schon wieder daran beteiligt habe. 🙂

     

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