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Social Media: Konzertiertes Geflüster

20 Sep

Was die sich wohl mitzuteilen haben?
Simon Hauner – pixelio.de

„Der andere Bäcker um die Ecke ist besser. Die Bedienung ist freundlicher“. „Das Fest vom Gesangverein war ziemlich langweilig – da muss ich nicht nochmal hin“. „Die thailändische Masseurin ist ein echter Geheimtipp – mit der kann man sich zwar nicht unterhalten, aber dein Kreuz fühlt sich hinterher super“ – das nennt man wohl Empfehlungs“marketing“ 😉

Immer wieder diskutiere ich mit Menschen darüber, was Social Media denn eigentlich ist. Und immer wieder bin ich – so als ausgebildeter Naturwissenschaftler – ein wenig desillusioniert, dass man den Begriff nicht einheitlich definieren kann. Aber ich bin ja abgehärtet: Mit dem Cloud Computing ging es mir schon genauso. Einige greifen sich einen Aspekt heraus und versuchen, das Wesentliche aus einem bestimmten Blickwinkel darzustellen – meist möglichst plakativ. Andere versuchen sich an einer GUT (great unified theory): alle Aspekte müssen eingefangen werden – entsprechend sperrig gestaltet sich dann die Aussage.

Die Anzahl der Definitionen ist Legion: thesocialmediaguide hat sich mal das Vergnügen gegönnt, 50 englische Definitionen zusammenzutragen. Dazu kommen noch einige deutsche, die sicher nicht nur übersetzt sind. Einen Versuch, Social Media als Tweet zu beschreiben, hat sich  hat Chris Beyeler gegönnt: „#SocialMedia ist die Förderung von on- sowie offline Dialog, wodurch beispielsweise Vertrauen oder nutzergenerierter Inhalt entstehen kann.“

Todesstoß der Definition

Aber wer lernt so was schon auswendig? Und vor allem: Wer entscheidet, was denn nun richtig ist? Wir leben in einer Gesellschaft der Meinungsäußerung – deswegen blogge ich hier ja auch. Unterschiedliche Meinungen und Erfahrungen prallen aufeinander und – mit etwas Glück und gutem Willen – gelangen wir am Ende durch eine Diskussion zu einem Kompromiss. Oder aber wir müssen gemäß der Maxime des alten Fritz die unterschiedlichen Meinungen stehenlassen – was natürlich der Todesstoß für unseren definitorischen Anspruch des 20. Jahrhunderts ist ;-).

Ist das neu? Nein, das ist es nicht. Das gab es natürlich schon früher. Genauso wie viele andere Elemente, die wir als Kernpunkte sozialer Medien verstehen – nutzergenerierte Inhalte? Feedback-Möglichkeit? Kundenmitsprache? Vertrauensaufbau? Alles schon dagewesen, wenngleich vielleicht alles ein bisschen weniger dynamisch.

Aus Mundpropaganda wird „Word of Mouth“

Aber vielleicht gibt die Beschäftigung mit der Vergangenheit auch eine Möglichkeit her, sich dem Phänomen der Social Media zu nähern: Auch vor den Zeiten des Internet, die ich durchaus noch am eigenen Leibe erfahren habe, war ich bisweilen begeistert oder (vorsichtiger Ausdruck) „tief enttäuscht“ – von Menschen, Musik, Sport, Unternehmen und, und, und. Und das habe ich natürlich unter der Rubrik „Was gibt´s Neues?“ meinen Freunden gerne weitererzählt. Mundpropaganda hieß das damals. Wenn ich das vielen Leuten erzählt habe, war ich sogar ein Meinungsführer. Oder – wenn es um „Fachthemen“ ging – ein „Experte“.

Heute nennen wir das „Word of Mouth“ und wir hoffen, dass es ein Resultat unseres Wirkens in den sozialen Netzwerken ist. Wir versuchen, das zwischenmenschliche Geflüster zu konzertieren, zu instrumentalisieren. Menschen zu gewinnen, dass sie für unsere Dienste, unser Unternehmen Zeugnis ablegen. Was früher ausschließlich „offline“ geschah, das verlagerte sich in die „sozialen Netzwerke“, um von dort wieder in die „offline“-Welt getragen zu werden. Doppelt genäht hält besser. 😉

Das Thema, mit denen sich die sozialen Medien-Schaffenden also beschäftigen ist: Wie kann ich mit Inhalten und Diskussionen im (sozialen) Web meine (Unternehmens)themen in die reale Welt bringen? Mit dem Ziel, Befürworter zu gewinnen und mein Image von fremder Hand aufpolieren zu lassen. Und wie bringe ich noch mehr Menschen dazu, mir zumindest zuzuhören oder meine Inhalte sogar weiterzugeben. Auf einer Party können wir nicht fliehen – im (sozialen) Web können wir in allergrößter Not noch einen Netzausfall vortäuschen und unserem Provider die Schuld zuschieben 😉

Social Media ist in diesem Sinne nur ein Hilfsmittel, um in der physischen Welt präsenter zu sein. Auch wenn unser Leben, der Informationsaustausch, der Geldfluss sich mehr und mehr in den virtuellen Raum verlagert: Die prägenden Erfahrungen, die Menschen mit anderen Menschen und Unternehmen machen, bleiben in der Mehrzahl physisch. Ich bin zuversichtlich, dass auch unser Gehirn und unser Herz immer physisch bleiben werden. Zumindest hoffe ich das … 😉 Immerhin kann man ja schon online knutschen 😉

Ihr/ Euer
Martin/ Reti

 
2 Kommentare

Verfasst von - 20. September 2012 in Social Media

 

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2 Antworten zu “Social Media: Konzertiertes Geflüster

  1. Chris Beyeler ♫♪ (@chrisbeyeler)

    21. September 2012 at 07:25

    Hi Martin

    Danke für die Erwähnung in deinem Blog. Mittlerweile arbeite ich an einer neuen Definition, da sich herausgestellt hat, dass noch viel mehr dazu gehört.

    Du schreibst es richtig, was früher offline war findet nun online statt. Dies zeigt auf, dass uns technologischen Fortschritte die Möglichkeit bieten unsere Kommunikation nun auch in digitaler Form weiter zu führen. Betrachtet man das als Gesamtes wird das Verständnis für den Paradigmenwechsel um einiges klarer. Somit bin ich der Meinung, dass Social Media den technologischen Fortschritt beschreibt, der es uns ermöglicht unsere Kommunikation orts- und zeitunabhängig zu tätigen, ohne dabei Abstriche machen zu müssen. Es ist weniger ein „Tool“ oder irgendwelche Plattformen sondern nur eine Beschreibung eines – irgendwie – unfassbaren Themas. Und du hast recht, Social Media wird die physische Kommunikation nicht ersetzen, sie kann sie aber ergänzen oder evtl. sogar optimieren, indem durch die technischen Hilfsmittel effizienter werden kann.

    Aber eben, ich möchte das gerne etwas weiter ausformulieren und mal darüber schreiben 🙂

     
    • martinreti

      21. September 2012 at 12:59

      Hallo und vielen Dank für den Kommentar. Social Media ist halt eine Wundertüte, in die alles Mögliche gepackt wird. Und mit Sicherheit ist es nicht Facebook 😉
      Was ich sagen wollte: vielleicht ist es ein gesellschaftlicher Umbruch, vielleicht wird aber auch manches nur wieder entdeckt. Aber wir müssen ein gesundes Verhältnis zu Social Media entwickeln – als Menschen und als Unternehmen – um ihm den passenden Raum zu geben.

      Beste Grüße
      Martin

       

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