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Social Media: Aladin und die Plunderrampe

27 Sep
Aladdin in the Magic Garden, an illustration b...

Aladin auf Reisen – doch sind die Blumen beim näheren Hinsehen aus Plastik? Sollte der Reisekatalog gelogen haben? Photo credit: Wikipedia)

„Es muss ja nicht immer Rotkäppchen sein“, dachte ich mir und durchsuchte den Wühltisch nach Kinder-DVDs. „Ah! Warum nicht mal Aladin und die Wunderlampe.“ Das erweitert den Horizont und ist mindestens ebenso spannend wie der Wolf, der die Großmutter frisst. Und dann noch der Preis – nur ein Euro! Spätestens in diesem Moment hätten bei mir die Warnleuchten angehen sollen.

Beim Auspacken und Starten vor erwartungsfiebrig glänzenden Kinderaugen stellte sich nämlich schnell heraus, dass der Film keineswegs das erfüllte, was ich mir vorgestellte hatte. Eben Zeichentrick, so richtig mit bewegten Figuren und laufenden Hintergründen – wie bei Disney eben. Stattdessen wurde mir eine Aneinanderreihung statischer Szenen präsentiert, in denen sich lediglich die Münder der Protagonisten asynchron zum gesprochenen Text bewegten. Ein Flop – und der Papa schämt sich.

Nun könnte man sagen: Hätte man sich nur vorher mal informiert, dann wäre den lieben Kleinen die Enttäuschung erspart geblieben. Aber ich will an dieser Stelle nicht auf mangelnde Qualitätskontrolle hinaus …

Wie die Faust aufs Auge: Das schlechte Produkt im sozialen Web

Jeder von uns kennt „schlechte“ Produkte und Dienstleistungen*. Auf die fallen wir einmal rein und nie wieder (hoffentlich!). Vielleicht steckt hinter all diesen Errungenschaften der modernen Produktions- und Vertriebslehre ja ein Bahamas-Geschäftsmodell: Der Verkauf macht den Initiator schnell reich und der setzt sich mit dem eingenommenen Geld schnell in südliche Gefilde an, wo ihn keiner zur Rechenschaft ziehen kann 😉

Aber spinnen wir den Faden mal weiter und der Unternehmer entschließt sich – in Verkenntnis** oder Ignoranz der Situation – dazu, sein Produkt oder seinen Dienst „breit zu vermarkten“. Weil er davon so begeistert ist – als einziger. Dann wird die Marketingmaschinerie angeworfen und das Produkt mit schönsten Attributen wie „großartig“, „nie dagewesen“ oder „einzigartig“ geschmückt. Und das funktioniert freilich.

Aber weil der Unternehmer umfassend denkt  (und möglicherweise sparsam ist), entdeckt er die kostenlose Möglichkeit, das soziale Web für seine „Vermarktungskampagne“ zu nutzen.

Im Gegensatz zum klassischen Marketing kann man in Social Media sehr wohl seine „Kernbotschaften“ absetzen, aber was daraus wird, muss nicht unbedingt dem wünschenswerten Ergebnis entsprechen. Sehr schnell werden sich die Menschen, die das Produkt ausprobiert haben, zu Wort melden und ihre Meinung kundtun. Man stelle sich nur die Situation vor, man hätte Kontakt zu einem prominenten passenden Blogger, der das Produkt testet und für schlecht befindet. Und ich meine jetzt: richtig schlecht (was es de facto ist!). Der Produzent redet dann noch auf ihn ein, um seine Rezension zu „optimieren“ („Das kann doch gar nicht sein“). Schittstorm, ick hör Dir trapsen.

Denn der Sender/Produzent bestimmt nicht mehr wie in der Vergangenheit über die entstehende Meinung und Wahrnehmung, sondern die vielen Unzufriedenen oder Unbeeinflussbaren, die sich zu Wort melden. Bei einem guten oder ausgewogenen Produkt kann man damit leben, aber bei einem schlechten – ist man dann logischerweise mit den „Social Media Verantwortlichen“ unzufrieden („Es ist nicht gelungen, das Produkt angemessen in den sozialen Medien zu positionieren“). Der Kopf des Boten rollt 😉

Freunden wir uns besser mit dem Gedanken an, dass wir im sozialen Web die Kontrolle abgeben. Transparenz entsteht sehr viel schneller als in der Vergangenheit (und das ist gut für Verbraucher!). Die Konsequenz kann doch nur sein, „schlechte“ Produkte oder Dienste nur klassisch zu vermarkten und nicht aktiv in Social Media zu positionieren. Ob sich das vermeiden lässt, sei mal dahingestellt.

Was für ein Quatsch!  Die richtige Konsequenz muss lauten: Man sollte schlechte Produkte überhaupt nicht „vermarkten“, also – im wahren Sinne des Wortes – auf den Markt bringen. Das dient allen – sogar der Umwelt, denn unsere Mülltonnen werden entlastet. Und wenn Social Media die Produzenten allen Schunds zu dieser Reaktion bewegen, dann werden sie für immer einen Platz in meinem Herzen haben 😉

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer Martin/ Reti

p.s.:

Das Geschriebene gilt natürlich nicht nur für Aladin DVDs, die im Disneygewand daherkommen, sondern auch für weniger theroetische Fälle

* Die Bewertung von „schlecht“ überlasse ich dem geneigeten Leser. Ich bin sicher, Ihnen fällt was ein. Und wenn es nur der Wein sein sollte, für den das Leben zu kurz ist.

** Das scheint mir ein Neologismus zu sein, der sich selbst erklären müsste 😉

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Verfasst von - 27. September 2012 in Social Media

 

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