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Arbeit: Allein unter Natives

11 Okt

So sehen die Natives ja ganz harmlos aus
Bild: Lothar Henke / pixelio.de

Als vor Jahren eine Kollegin mal den Begriff „Digital Natives“ fallen ließ, dachten wir zuerst an Eingeborene, die in Baströckchen über schneeweiße Strände tanzen, Ananascocktails aus Kokosnüssen trinken und des Nachts geheimnisvolle Riten an flackernden Lagerfeuern praktizieren – vorzugsweise das Kochen oder Grillen von unvorsichtigen Digital Immigrants. Und das Wort Kannibalisierung mutierte plötzlich wieder zurück in seine ursprüngliche und archaische Dimension 😉

Glücklicherweise stellte sich – zumindest letzteres – als Irrglaube heraus. Obwohl … der Punkt mit den geheimnisvollen Riten … da ist schon ein bisschen was dran. Heute sind wir einen Schritt weiter und bezeichnen unsere Digitalnativen als Gen Y, was mich regelmäßig an Gentechnik denken lässt.

Eine volle Breitseite Generation Y, Millenials, Digital Natives oder wie die im digitalen Zeitalter Aufgewachsenen etwa ab Jahrgang 1980 sonst so heißen, bekam ich letzte Woche in München. Dort besuchte ich das Social Business Forum von Intraworlds. Der Tenor aller Vortragenden: „Jetzt sind sie da und jetzt kümmere Dich angemessen um sie“.

Die Retter des Standorts Deutschland

Als Millenial wäre ich mir vorgekommen wie ein Prinz. Denn – ich bin ja derjenige,

  • der die deutsche Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten retten wird,
  • dem jederzeit Dutzende von Stellenoptionen offen stehen,
  • für den sich Unternehmen auf eine Veränderungsreise machen.

Christoph Fellinger von Beiersdorff typisierte die GenY als gut ausgebildet, selbstbewusst, leistungswillig, hinterfragend, Bedingungen stellend, vernetzt und kooperativ, technikaffin, nachhaltigkeitsorientiert und flexibel. Gleichzeitig aber schnell gelangweilt, auf den eigenen Vorteil bedacht und mit einer hohen Sicherheitsdenke ausgestattet. Probleme muss man nicht mehr selbst lösen, sondern man beauftragt das Netzwerk. Womit wir direkt bei der Bedeutung von Facebook und Co. wären.

Ganz Gallien?

Schubladen sind was Feines, gerade aus Unternehmenssicht. Wer aus Effizienzgründen Kampagnen machen muss, der tut sich natürlich leichter, wenn er seine Zielgruppe kennt. Und wenn er sie passend ansprechen kann. Aber die Verallgemeinerung: „Die nach 1980 Geborenen sind halt so“ – ich dachte, Stereotypen hätten ausgedient. Doch es zeigt sich immer wieder, dass wir leichter in Schubladen denken.

Diese ganze Haltung erinnert mich an den Fußballplatz vor 20 Jahren zurück: Tauchte da ein Ramon Ballinho mit brauner Haut auf, dachten alle: Oho, ein Brasilianer, der kann bestimmt super kicken. Genauso wie ein Schachmattowitsch für Schrecken am Schachbrett sorgt. Jetzt mal ganz ernsthaft: Denken wir wirklich, dass alle Menschen einer Generation gleich sind? Identische Leistungsfähigkeit, Haltungen, Perspektiven?

Nur die Besten

Natürlich nicht: Was ich gehört habe, war ein Ausschnitt der Wirklichkeit. Der der „Talente“ oder wie es so schön in Men in Black heißt: „Die Besten der Besten der Besten“. Was ist mit den anderen? Den Guten, den Durchschnittlichen, den Schwächeren? Wo sind ihre Perspektiven?

Es ist natürlich einfacher, den Rahm abzuschöpfen, denn der schwimmt obenauf. Aber was ist mit der Milch? Und brauchen nur Großunternehmen mit starken Marken die Besten? Und wollen alle Millenials in die großen Unternehmen?

Ja, der Arbeitsmarkt muss sich dem Umbruch stellen. Und die kleineren Unternehmen können von den Größeren lernen, mit welchen Mitteln das geht. Dass eine Präsenz in sozialen Netzwerken zur Markenbildung dazu gehört, ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Dass man sich als Unternehmen um (alle) Mitarbeiter bemühen muss, ein zweiter. Dass man das Unternehmen vielleicht verändern muss, ein dritter. Und das man frühzeitig Beziehungen aufbauen muss – schon bevor die Mädels und Jungs die Schule oder das Studium abschließen. Aber das haben wir ja längst gewusst.

Wie kommt denn das bei den etablierten Mitarbeitern an, wenn sie nun Veränderungen für die Gen Y einführen wie flexible Arbeitszeiten und -orte? Kommen Sie da nicht in eine Schieflage?“ „Nein, die finden das gut. Das wollten die auch schon immer …“

Talente zu finden und zu binden und vielleicht sogar das Unternehmen weiter zu entwickeln, ist gut. Doch ein bisschen Fokus und Wertschätzung für die aktiven Generationen und den richtigen Platz für die Nichtüberflieger zu finden, kann auch nicht schaden. Eine Kannibalisierung wird es kaum geben. Dafür gibt es zu viel Arbeit für die wenigen Millenials. So, Zeit fürs Mittagessen 🙂

Ihr/ Euer
Martin/ Reti

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Verfasst von - 11. Oktober 2012 in Arbeit

 

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