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Social Media: Let the Music Play

06 Dez

Die Überschrift könnte in die Irre führen. Aber im fortgeschrittenen Alter darf man sich ja schon mal an die Jugend zurückerinnern. Und da trällerte eine junge Dame namens Shannon eben jenes Liedchen im Titel. Und neulich traf ich sie zufällig wieder.

Alter schützt vor Social Media nicht – heißt es ja. Viel ist ja schon über die Attraktivität von Social Media gesprochen und geschrieben worden. Erkärungsversuche, warum sich Abermillionen von (nicht nur jungen) Menschen die Nächte und Freitagnachmittage mit Facebook um die Ohren schlagen, gibt es zu Hauf. Und wir kennen natürlich die Argumente, die „die kommunikationshungrigen, technophilen Generationen umtreiben, ihre Beziehungen im virtuellen Raum zu pflegen“ etc.

Der Lockruf der Lust

Ich denke, es gibt noch mindestens einen zweiten Grund, weshalb Menschen erkleckliche Teile ihrer Lebenszeit mit Facebook verbringen: Lust. Und damit meine ich nicht die kontinuierlich eingeblendeten Anzeigen, die ich wegen ihrer „explizit sexuellen Natur“ abwähle, sondern vielmehr den Spaß am Spiel. Facebook ist es gelungen, eine grandiose Armada teilkostenloser Spiele aufzubauen, die im Wesentlichen zwei Zwecken dienen: Den Mitgliedern ein wenig Geld aus der Tasche zu ziehen und gleichzeitig mehr reale Lebenszeit zu rauben; Verzeihung, den Nutzern eine intensivere Kontaktpflege zu ihrem Netzwerk zu ermöglichen.

Sie sagen, F-Commerce funktioniert nicht? Ich sage, diese Spiele sind der bislang cleverste Vertriebskanal des 21. Jahrhunderts. Beispiel gefällig? Ich spiele SongPop – das gibt es natürlich auch als mobile Version, damit man nirgends und niemals ohne Kontakt zu seinen Spielfreunden bleiben muss. Das ist eine harmlose App, bei der es darum geht, im Wettstreit mit Freunden Lieder möglichst schnell zu erraten. (Neulich kam da übrigens anfangs erwähnte Shannon vorbei)

Marketing, Vertrieb – das mach ich für Euch!

Menschen, die sich ein wenig für Musik begeistern können, bleiben dran und fordern natürlich ihre Freunde zum Wettstreit heraus – sie verbreitern im Vorübergehen die Spieler- (und wie wir sehen werden) potenzielle Kundenbasis. Spiele werden belohnt (egal ob Sieg oder Niederlage) und natürlich will die App auch die Pinnwand vollpusten mit gehaltvollen Beiträgen wie „Martin hat Shannon Let the Music Play erraten“ (das nennt man wohl „user generated marketing“).  Gerade auf Pinnwänden der Generation U20 entsteht so auf Basis der Spieleposts ein sehr eigenwilliges Panorama verschiedener Fiktionalexistenzen – vom Bauern über den Bäcker zum Städtebauer, Zoodirektoren und Zeitreisenden, …

Damit ist die erste Zielgruppen-Segmentierung schon gelungen: Musikaffine. Und ich glaube, ich kann auch ohne Studie behaupten, dass ein überwiegender Teil der Menschen sich für Musik in irgendeiner Art zumindest interessiert. Um die Segmentierung zu verfeinern (und das tun die Nutzer selber), kann man über seine kleinen virtuellen Belohnungen neue „Playlists“ kaufen. Dann zeigt sich sehr schnell, für welche Musik ich mich wirklich begeistere (das nennt man dann wohl „user self target group segmentation“) – damit haben sich früher Heerscharen von Marketingmenschen beschäftigt ;-). Es müssen ja nicht immer nur die 80er, 90er oder Love Songs sein. Es könnte ja auch Reggae sein oder Classical oder Industrial oder womöglich Summer 2012 … Theoretisch könnte ich jetzt maßgeschneiderte Werbung serviert bekommen. Aber es geht noch besser …

Wow, und das kenn ich noch nicht?

Diese neuen Listen, die ich von meinem sauer verdienten Spielkapital bezahle, spielen dann plötzlich Musik von Interpreten, die ich nicht kenne. Die ich aber TOLL finde. Ja, kann es denn einen besseren Marketing- und Vertriebskanal für die Musikindustrie geben? Ich werde mit Musik versorgt, die mir gefällt (das habe ich ja zuvor durch die Auswahl der Liste unter Beweis gestellt) und erhalte in Form eines Ratespiels Tipps für unbekannte Musik des passenden Genres. Natürlich werden mir am Ende der Runde Titel und Interpret eingeblendet. Inklusive Plattencover (ja, sowas gab’s früher ;-)) Und natürlich kann ich den Song nicht nur gleich liken, sondern auch direkt KAUFEN.

Willkommen im Strudel des Social Commerce

Möglicherweise möchte ich mir vorher aber mehr als zehn Sekunden des Werkes anhören. Was läge da näher, als ein weiteres Fenster für youtube zu öffnen? Und mal nach dem Interpreten zu suchen: „Vielleicht haben die ja noch mehr interessante Lieder …“? Und neben der Kaufmöglichkeit empfiehlt youtube mir natürlich noch weitere Musiktreibende, die „ähnlich sind“ und dann schaue ich womöglich noch bei Amazon vorbei (für Rezensionen und – achso – Kauf). Ach, da gibt es ja „die anderen Käufer, die zusätzlich zu diesem Interpreten noch jene Musik gekauft haben“.

So wird aus meiner Social Media Zeit über Social Gaming Social Commerce. Und das Ganze geht so furchtbar organisch vor sich. Was wir früher als Marketing- und Vertriebsleute mit viel Aufwand zusammengetragen und konzipiert haben, das machen heute die Nutzer für uns. Wir müssen „nur“ auf den Spielfaktor setzen. Naja, beim Personalrecruiting wird das nicht so einfach funktionieren. Aber wenn ich eine Band wäre oder ein Label, ich würde mit SongPop kooperieren. 13,8 Mio. monatliche Nutzer – das ist schon eine ganze Menge potenzieller Leads … ich frage mich nur, wer die anderen 0,8 Mio. Zugriffe erzeugt? 😉 Upps, zu spät, ich sehe gerade, es gibt jetzt eine Bon Jovi-, eine Alanis Morisette- und eine Whitney Houston-Playlist 🙂

So, muss Schluss machen. Ich kaufe jetzt erstmal die musikalischen Weihnachtsgeschenke. Ich kenne da jemanden, der steht auf Modern Country und jemanden der Canadian Artists mag. Und die Bands, sie so was spielen, kenne ich jetzt ja.

Mit adventlichen Grüßen
Ihr/ Euer Martin/ Reti

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Verfasst von - 6. Dezember 2012 in Social Media

 

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