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Social Media: Der dressierte Fan

13 Dez
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„Und hopp – spring, Fan!“
Bild: meyertobi/ pixelio.de

„So, hier sind fünf Euro. Werde jetzt mein Fan“. Das Gegenüber schaut überrascht, zieht die Augenbrauen hoch und  antwortet: „Ok, und was soll ich dafür tun? Für 10 Euro schreibe ich sogar eine Empfehlung …“

Schon Charles Dickens schilderte, wie das so ist mit großen Erwartungen. Große, (aber wahrscheinlich auch kleine) Erwartungen und Hoffnungen ziehen sich durch unser ganzes Leben. Und warum sollte es bei Unternehmen, die sich sozial-medial betätigen, anders sein? „Haben Sie sich Ziele gesetzt?“, lautet daher einer der Beratungsklassiker, der vielseitig adaptierbar ist.

Während das Ziele setzen noch ein recht simpler Akt ist, steht das Erreichen auf einem anderen Blatt. Und die Erfassung auf einem weiteren. Das gilt ganz besonders für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, wenn wir die Wirkung unserer eingesetzten Arbeitskraft, -zeit und Budgets ermitteln wollen. Früher war das nicht ganz so einfach, da bemühten wir Mediadaten und beauftragten spezielle Agenturen, die Clippings aus Zeitungen schnippelten (die Vorläufer der heute so beliebten und heiß diskutierten Snippets ;-)). Wir fertigten Imageanalysen, befragten Mitarbeiter, Kunden und Unbeteiligte, um dann irgendwann festzustellen, dass wir mit unserem Budget nicht zu einem realistischen Ergebnis kommen. Und deswegen auf unseren Bauch als Berater zurückgriffen.

Kinderleichtes Monitoring für Social Media?

Heute in den Zeiten von Social Media, ist das viel leichter: Facebook & Co. liefern uns auf Knopfdruck haufenweise Informationen über unsere Wahrnehmung in den Weiten des sozialen Raums. Und so legen wir ganz einfach eine Zahl von Followern, Fans, Freunden, Kontakten fest. Futurebiz hat das sehr anschaulich am Lidl-Beispiel aufgezeigt. Jessica (das muss der Lidl-Robert-T-Online sein) hat dort die Latte ziemlich hoch gelegt: 1,777777 Mio. Fans. Das ist theoretisch ungefähr so viel Reichweite wie Spiegel (1,1 Mio.) und Zeit (0,63 Mio.) – das sind aber Wochenzeitungen, während sich die Lidl-Fans jeden Tag (Edgerank mal ausgeblendet) bombardieren lassen können.

Herr der Karteileichen

Aber welche Erwartungshaltung hat das Unternehmen an seine Fans? Reicht es, Dominator über Hunderttausende von Karteileichen zu sein? Natürlich kommt es gut, wenn man mit Monsterzahlen hausieren gehen kann: „Wir haben jetzt 1,5 Millionen“ – „Pah, wir haben schon 11 Millionen“ – ehrlich: das hat doch ein bisschen Schulhofniveau. Aber womöglich ist manches Unternehmen damit schon zufrieden. Potenzielle Reichweite ist ja auch rein sprachlich schon eine Form von Potenz.

Eigentlich – da ist es wieder dieses Unwort – eigentlich will ich doch noch viel mehr von meinen Fans. Oder? Ich will Markenbotschafter heranziehen, Mitgestalter oder meinetwegen Claquere oder wenigstens „Stimmvieh“ ;-). Die sollen doch was für mich tun – und sich im Übrigen möglichst nicht beschweren. Obwohl ja Kritik durchaus auch als ein Zeichen von Interaktion, Lebendigkeit und Gestaltungswille verstanden werden könnte.

Klarer Auftrag an die Fans

Wäre doch nicht schlecht, wenn wir die Anforderungen an unsere Fans auch als Ziel formulieren und dann ab ins Impressum: „Sie dürfen hier nur Fan werden, wenn Sie sich aktiv an der Seite beteiligen. Wir haben ein Monitoringtool aufgesetzt, um ihre Aktivitäten auf unserer Seite nachzuverfolgen. Wenn Sie nicht mindestens einmal pro Woche einen Like vergeben, dann sind wir geschiedene Leute. Dies ist eine Kommunikationsplattform und kein Club der halblebendigen Konsumenten“. 😉

Oder wir probieren es andersherum – über die positive Motivation. Fans, die eifrig kommentieren und teilen, kommen am Ende des Jahres in eine große Lostrommel. Einer wird Fan des Jahres. Er erhält eine exklusive Fan-Incentivereise nach Mauritius. Ich höre schon das Aufheulen der Datenschutzbeauftragten. Aber das wäre doch wahre und nachhaltige Identifikation mit der Fanseite – allerdings gekaufte 🙂

Wie sieht der Deal aus?

Auf der anderen Seite darf dann aber auch die legitime Frage gestellt werden: „Was tut Ihr denn für uns Fans?“ Ich glaube, wir haben eine Schieflage im Verständnis des „Vertrags“: Unternehmen denken: „Ihr seid unsere unentgeltlichen personifizierten Multiplikatoren, damit wir was sind in der Welt der Social Media.“ Fans denken: „Ob ich wohl was gewinnen kann?“ 😉

Also kommen wir zurück zum Anfang: Wieviel ist mir als Unternehmen ein Fan wert? Wieviel wäre ich bereit, einem Fan „zu bezahlen“, damit er das tut, was ich von einem Fan erwarte? Hupps, und schon haben wir wieder eine ROI-Diskussion.

Mit besten Adventgrüßen
Ihr/ Euer Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 13. Dezember 2012 in Social Media

 

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