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Social Media: Zwischen den Stühlen

24 Jan

„Seit dem Börsengang kümmert sich Facebook mehr um das Wohl seiner Werbekunden als um seine Nutzer“, urteilt Holger Schmidt im aktuellen Focus. Als jemand, der gerade gestern versucht hat, eine Werbeanzeige bei Facebook einzustellen, sehe ich das anders. Es folgt also ein keineswegs verallgemeinbarer Einblick in die Welt der Kleinwerbetreibenden bei Facebook 😉

Facebook ist ja mittlerweile fb_adwie ein Fußballstadion. Die Bandenwerbung zieht bei langweiligem Mittelfeld-Ballgeschiebe alle Aufmerksamkeit auf sich. Die Entrüstung über die Anzeigenbelästigung an der Bande und auf dem Spielfeld selbst („Messi wurde gefoult und benutzt jetzt Ultracool-Eisspray, um wieder auf die Beine zu kommen. Was sein Sponsor adidas wohl dazu sagt …“) nimmt langsam, aber beständig zu. Wie es scheint, bekommt Facebook das jetzt auch noch ganz erfolgreich mobil hin. Vor diesem Hintergrund leiste ich allen Lesern und Facebooknutzern hier Abbitte: Auch ich habe jüngst meinen Teil dazu beigetragen.

Hofierung des Anzeigenkunden

Hofiert kam ich mir dabei aber nicht vor. Gut, Facebook verfügt mittlerweile über einen beachtlichen Katalog an Anzeigenformaten, aber die Beschränkungen, denen Unternehmen allein beim Bildeinsatz unterliegen, sind schon beachtlich – auch wenn sie immer wieder unterlaufen werden. Warum wir bei Facebook auftreten MÜSSEN? Ein Riesenpublikum erwartet uns: eine MILLIARDE – ich schreibe es hier mal aus: 1 000 000 000 – Menschen. Uns wird vorgegaukelt, wir dürften die Hauptrolle beim größten DSDS aller Zeiten spielen. Da muten 25 Zeichen Überschrift, 90 Zeichen Anzeigentext und ein Bild, in der Größe von 100×72 Pixeln nicht gerade adäquat (bitte mit maximal 20% Text ;-)). Das entspricht etwa der Behausungsgröße, in der sich so ein durchschnittliches Silberfischchen wohlfühlt. Ich konnte mich im Vertrieb von passenden Lupen versuchen 😉

„Sozialversicherungsfachangesteller – bitte ohne Bindestrich“

Aber es kommt noch besser: Versuchen Sie mal mit dem schönen deutschen Wort „Sozialversicherungsfachangestellter“ eine Überschrift zu erzeugen (35 Zeichen ;-)). Da gehen schnell alle AGG-Vorgaben über Bord. Für ein (m/w) ist da schon längst kein Platz mehr. Also platzt der schöne Traum einer zielgruppenspezifischen Überschrift wie eine Wärmeflasche unter der Lungenkapazität des Herkules von Niederösterreich. Wenn ich dann versuche, das bewusste Wort im Anzeigentext zu platzieren (über ein Drittel des zur Verfügung stehenden Raums!) erfahre ich, dass Zeilumbrüche nicht erlaubt sind. Ach, und auch bitte keine Sonderzeichen. Ich glaube, das Verfassen einer Facebook-Anzeige könnte tatsächlich mal einen Lehrstuhl an einer Universität beschäftigen. (Zum Vergößern auf das Bild klicken)

zum Vergößern klicken

Über die Handhabbarkeit von Facebook haben wir uns schon des öfteren lustig gemacht. Aber wenn man dann so am Optimieren des Anzeigentextes ist und der Cursor nach dem Einfügen eines Zeichens ständig an das Ende springt, dann erscheint das doch wie das Editieren in den Kindertagen des Computerzeitalters. Oder es ist eine versteckte Botschaft nach dem Motto: Wer das Zeichen nicht ehrt, ist die Anzeige nicht wert 😉 Der Höhepunkt einer Anzeigenschaltung komnt aber erst noch, wenn ich eine halbe Stunde mit dem Prüfen der Anzeige beschäftigt bin. Aha, Underliner und Zeilenumbrüche sind auch nicht erlaubt.

Facebook zwischen Baum und Borke?

Hofierung von Werbekunden stelle ich mir – mit Verlaub – anders vor. Aus meinem Blickwinkel denkt Facebook momentan nur an einen: an sich selbst. Werbekunden werden in standardisierte Raster gepresst, die US-amerikanischen Mustern entsprechen. Die Freiheit über die Inhalte, die Unternehmen veröffentlichen dürfen, ist längst schon beschnitten. Auf der anderen Seite fühlen sich die Nutzer, die ja den eigentlichen Wert des Geschäftsmodells ausmachen, veralbert: Weil ihnen klar wird, dass sie nur ein Vehikel dafür sind, dass Facebook Geld verdienen kann. Es ist aber vorstellbar, dass Mom und Dad, die ihre Kids nach Facebook begleiten, auch die interessantere Werbeklientel sind.

Möglicherweise reibt sich Facebook tatsächlich zwischen seinen Geldgebern, den Werbekunden, und seinen Nutzern auf. Aber das wussten wir ja schon vor langen Zeiten: Man kann es nicht allen recht machen. Wenn nun die Unternehmen und die Nutzer den Aufstand probten, das wäre natürlich echte soziale Interaktion. Momentan kaum vorstellbar, aber wer weiß – man wird ja nochmal philosophieren dürfen. Und dann wiederholt sich das Spiel bei Tumblr 😉

Beste Grüße in die Welt
Ihr/ Euer Martin/ Reti

p.s.: Und natürlich noch vielen Dank an @ethority für das Focus-Abo. Mitraten bei Adventsrätseln lohnt sich doch 😉

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Verfasst von - 24. Januar 2013 in Social Media

 

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