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Social Media: Was ist Wahrheit?

14 Feb

Fiel nicht im Zusammenhang mit Ostern die Frage: „Was ist Wahrheit?“ Eine Frage, die ich mir angesichts meiner täglichen Dosis Social Media auch stelle. Vielleicht bin ich der Einzige, aber vielleicht auch nicht. Ein Beispiel:
„Führt ein Shitstorm zu Umsatzeinbrüchen?“
„Nein“, sagt die Fachwelt.
„Warum?“
„Naja, das geht ja vorbei und dann ist alles so wie vorher“
„Gibt es Zahlen, die das bestätigen?“
„Nein“.

Gerade in Social Media Zeiten müssen wir täglich, wenn nicht gar stündlich oder minütlich Sachverhalte bewerten und Entscheidungen treffen. Und wir wollen ja die RICHTIGEN Entscheidungen treffen. Und das gilt keineswegs nur für Social Media oder PR-Fragen, sondern für jegliche Entscheidung – sei es geschäftlich oder privat. Wäre doch gut, wenn man da eine Entscheidungsgrundlage hätte …

Wenn die Wahrheit eine Suppe wäre …

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Ok, das ist keine klare Suppe, aber vielleicht passt was Undurchsichtiges auch besser zum Text 😉
Bild: (c) Christa Nöhren/ http://www.pixelio.de

… dann wäre die erste Zutat die eigene Erfahrung. Wir scannen unser Hirn auf unsere Erlebnisse. Dann ziehen wir die Erfahrungen von Freunden und Bekannten hinzu. „Ah, Paula hat dies und das erlebt oder Kuno hat mir diese Geschichte von der Schwester der Freundin des Schwagers seiner ehemaligen Friseurin erzählt“.

Vielleicht sehen wir an dieser Stelle noch ein, dass das noch nicht ausreicht als faktische Entscheidungsgrundlage. Es sind Erfahrungsberichte. Die kann und sollte man je nach Glaubwürdigkeit der Quelle akzeptieren und stehen lassen. Wenn sie genügend Unterhaltungswert haben, dann kann man sie an passender Stelle zum Besten geben. Die Steigerung davon ist die Expertenaussage: Mehr Erfahrung (?), höhere Wichtigkeit. Damit hätten wir schon mal ein paar Markklößchen.

Der Retter naht: die Studie

Die zweite Zutat ist zum Xing-Volkssport geworden: die Studie. „Ich arbeite gerade an meiner Bachelorarbeit zum Thema <<Der Einfluss der sommerlichen Stechmückendichte auf den Absatz von Repellents in Social Sales>> und habe dazu einige Fragen zusammengestellt … dauert nur 10 Minuten und Sie können auch was gewinnen …“

Nicht nur auf diesem Wege entstehen dann „Studienergebnisse“ – verstehen Sie mich nicht falsch: Ich sammle diese Studien gern, lege sie ab und versuche, das Wesentliche zu memorieren. Aber man sollte sie nicht überbewerten. Eine Befragung von 50 oder 100 Personen zumal aus einer bestimmten Gruppe genügt weder den Ansprüchen von Repräsentanz noch der Formulierung einer allgemeinen Wahrheit. Wie wohltuend, dass unsere Provinzzeitung wenigstens immer dazu schreibt: „an unserer nichtrepräsentativen Umfrage beteiligten sich …“

Ergebnisse sind das eine, ihre Interpretation das andere: Was nicht sein darf, das kann auch nicht sein. Die Interpretation von Ergebnissen folgt häufig einem Standpunkt oder Weltbild. Und wo Offenheit fehlt, leidet auch das wissenschaftliche Arbeiten. Das Glas muss ja nicht halb voll sein, es darf auch schon mal halbleer sein … oder womöglich ist es sogar noch etwas leerer … Einem guten Kellner fällt sowas natürlich sofort auf 😉 „Darf ich Ihnen was Frisches bringen?“

Geben wir den „Studien“ also ebenfalls den Stellenwert, den sie verdienen: ein Mosaiksteinchen, ein Fingerzeig, ein Augenmerk, eine tendenzielle Interpretation oder aber, um zu unserem Bild zurückzukehren: Eine Handvoll Nudeln in der Suppe der Wahrheit. Die Brühe haben wir immer noch nicht angerührt. Wenn Sie mehr Nudeln wollen, greifen Sie am besten zu einer passenden Infografik, dem Cat Content der Profis 😉

Praxisbeispiele – der Puls der Realität?

Am meisten berühren uns Beispiele. Die sind echt. Dem Puls der Realität abgefühlt. Das Problem mit Beispielen ist aber, dass sie zu plakativ sind (und vorausgewählt). Sie bringen eine emotionale Saite zum Klingen und sollten deswegen mit Vorbehalt genossen werden. Denn ihr Verallgemeinerungsgehalt dürfte eher gering sein. Aber wenn es Ihnen gelingt, dieses Moment herauszuextrahieren, dann haben Sie eine ordentliche Dosis Liebig´s Fleischextrakt.

Studien hin, Erfahrungen her: Ich möchte doch sagen können: Ich weiß es, ich fühle mich gut informiert und mich dann entscheiden können. Woher kommt denn jetzt meine Brühe? Die Antwort liefert eine Studie (!): Es ist der Bauch, auf den wir hören. Und die Kollegen. Damit schließt sich der Kreis. Die Wahrheit bleibt rätselhaft und wir schneiden uns unser Stückchen aus. Früher hieß das Wirklichkeitskonstruktion. Wir gehen (heute) noch einen Schritt weiter und beschenken mit diesen Erkenntnissen nicht nur uns selbst, sondern neigen auch dazu, unsere persönliche Erfahrung zu verallgemeinern 😉

Ich weiß nicht, ob die Welt schon immer so war. Aber definitiv wird sie immer mehr so. Die Suche nach der Wahrheit wird auch durch unser Social Media Universum nicht einfacher. Sie wird umfangreicher, aber nicht richtiger. Wäre gut, wenn wir uns öfter die Frage stellten: Was ist Wahrheit? Und dann vielleicht ehrlich sind und zugeben: Wir glauben, dass das die Wahrheit ist. Aber wissen tun wir´s nicht 😉

Ihr/Euer
Martin/ Reti

 
2 Kommentare

Verfasst von - 14. Februar 2013 in Social Media

 

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2 Antworten zu “Social Media: Was ist Wahrheit?

  1. Wachtmeister

    15. Februar 2013 at 06:30

    Wahrheit ist eine Behauptung, die unwidersprochen bleibt.

     
    • martinreti

      15. Februar 2013 at 08:23

      Das könnte eine Erklärung für die vielen aktuellen Wahrheiten sein 😉
      Danke

       

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