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Social Media: Im Lande des Mad Max

21 Feb
madmax

Nur keine Angst: Es wird zwar hart, aber Max schafft das schon
Quelle: youtube/ moviestunter_uk

Sand am Boden – eine kreisförmige Arena, außenherum ein Gitter und frenetisch geifernde, halb wahnsinnig blickende schmutzige Gestalten, die Blut sehen wollen. Wenn ich mich im fortgeschrittenen Alter noch richtig erinnern kann, befindet sich Mel „Mad Max“ Gibson im dritten Teil der Trilogie auch in so einer unangenehmen Lage. Ein Hüne mit dem niedlichen Namen Master Blaster walzt auf ihn zu und versucht, ihn um die Ecke zu bringen …

Das Leben kann manchmal ganz schön gefährlich sein – vielleicht ist das der Grund, dass manches Unternehmen Angst vor den sozialen Medien hat: „Da draußen lauert das Böse und wenn ich einmal in der Arena stehe, dann komme ich da auch nicht mehr raus.“

Ich halte das für einen Irrtum. Am nächsten Dienstag darf ich in Bad Mergentheim auch erklären, warum. Für alle, die nicht dabei sein werden, gibt es hier die Erklärung in Kurzversion.

Tatsächlich befinden wir uns mitten in einer Zeitenwende: Aber die sozialen Plattformen sind nicht der Eisberg selbst, sie sind nur die Spitze. Sie sind eines der Kinder des digitalen Wandels. Und der ist nun schon einige Jahre im Gange. Ich glaube, das haben die meisten Menschen in Europa bemerkt.

Versuchen wir uns zurückerinnern an die – wie Michael Pauly so gerne sagt – Prä-Webzeit: Wären damals Unternehmen auf die Idee gekommen, sie würden sich nicht auf dem Markt positionieren wollen – als Marke und mit ihren Produkten bzw. Dienstleistungen? Natürlich haben sie das getan, sie wollen ja was verdienen. Und zwar gerne – auch wenn das Marketing bis heute noch den schmeichelhaften Ruf eines „Cost Centers“ genießt. Die Einsicht, dass Image aktiv geprägt werden muss, ist laut einer Eigenanalyse von mir bei 99% der Unternehmen angekommen.

In den Zeiten von Print vor – sagen wir – 40 Jahren, lebten Unternehmen in der Welt der gefühlten Informationskontrolle. Freilich plauderten auch damals schon Mitarbeiter, Partner, Angehörige aus dem Nähkästchen. Aber bedeutende Auswirkungen ergaben sich nur, wenn die Printmedien oder noch besser das Fernsehen Themen aufspießten (und das hat sich bis heute nicht geändert). Dennoch war das Image, das von einem Unternehmen entstand, maßgeblich durch das gezielte Marketing und natürlich die Qualität der Produkte/Dienste geprägt. Aktiv beeinflussbar.

Zu Beginn des Webzeitalters waren die Vorbehalte gegenüber den „neuen Medien“ entsprechend groß. Mittlerweile sind 80% der deutschen Unternehmen im Web zu treffen. Wieder hat sich das Gefühl durchgesetzt, dass der eigene Webauftritt ein sicherer Raum ist, den Unternehmen nutzen können/sollen/dürfen/müssen.

Das Web ist aber – wie der Name im Übrigen schon andeutet – keineswegs nur eine kleine Insel der Unternehmens-Glückseligkeit. Es ist vielmehr ein Archipel vieler Mehr-oder-weniger-Glückseligkeitsinseln. Und nur auf die wenigsten dieser Inseln habe ich als Unternehmen Einfluss. Da soll es sogar Inseln geben, auf denen über mich geplaudert wird, ohne dass ich das erlaubt hätte. Unfassbar!

Was ich damit anzudeuten versuche: Der Eindruck, mein Image im Web sei komplett kontrollierbar, ist eine Illusion. Und das war sie auch schon in der Vor-Facebookzeit. Und der Grundsatz „Was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ schützt mich keineswegs. Deswegen gibt es so viele Social Media Monitoring-Anbieter 😉

Für Unternehmen bedeutet das unter dem Strich, dass sie sich in einer Phase des Umbruchs befinden, in der das Image nicht mehr hauptsächlich durch eigene Marketing/PR-Arbeit geprägt wird, sondern zusehends durch das Web und mehr noch durch das Web 2.0, das als Diskussions- bzw. Interaktionsinstrument angelegt ist. Das Reden der vielen über mich wird zu einer bedeutsamen Komponente des Image. Das könnte man wohl Crowd Image Design nennen.

Unternehmen haben vier prinzipielle Möglichkeiten, sich dieser Entwicklung zu stellen:

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Eigentlich sieht das eher so aus, als ob er den Überblick behält 😉
(c) Silke Schellenberger/ pixelio.de

1. Natürlich kann ich mich nach dem Vogel Strauß Prinzip* verhalten und mich dem Trend komplett verschließen. Damit lasse ich mir die Chance entgehen, Diskutanden einzuladen und mein Diskussionsscherflein beizutragen.

2. Ich kann den eklektischen Ansatz wählen und zumindest bestimmten Abteilungen das (streng regelementierte) Mitspielen erlauben. So bekomme ich zumindest einen Überblick und kann mich möglicherweise strategisch positionieren

3. Auf der anderen Seite des Pferdes liegt vielleicht der Reiter mit dem euphorischen Ansatz. Schnell in alle möglichen Plattformen, ohne zu wissen, was da wartet und wie groß der Aufwand ist. Ohne Spielregeln, Erfahrung und Pläne.

4. Und zuletzt natürlich ein durchdachter Ansatz, der zum Unternehmen passt – mit Zuhören, einem Plan und vielleicht sogar einer Perspektive.

Tatsache ist: kein Unternehmen wird der sozialen Lok einen Bremsklotz auf die Gleise werfen können. Ich denke, der beste Ansatz ist, es sportlich zu sehen und das Training aufzunehmen. Mit offenen Augen der „neuen Welt“, die gar nicht so viele neue Elemente enthält, begegnen und das Beste draus machen.

Mit besten Grüßen
Ihr/Euer Martin/ Reti

*Übrigens wurde in den Jahrzehnten der Beobachtungen der afrikanischen Tierwelt noch nie ein Strauß dabei gesehen, wie er seinen Kopf in den Sand steckte 😉

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Verfasst von - 21. Februar 2013 in Social Media

 

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