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Social Media: ich bin jetzt mal dein freund

28 Feb

freund KopieDie Augen des auf Abwege geratenen Akademikers mit dem wilden Haar funkeln gleichermaßen irre und triumphierend. Eine Träne der Glückseligkeit stiehlt sich aus seinem rechten Auge. Nur noch kurz einen USB-Anschluss implantiert, die Verabreichung einer großen Spritze Hormone, die selbst Soziopathen in Gastgeber von Kindergeburtstagen verwandelt und sein großes Werk ist vollendet – der Homo klickeritus relatio automatica lebt.

Ich bin scheinbar nicht der Einzige, der das beobachtet: Kerstin Hofmann fühlte sich genötigt, einen Post abzusetzen, Oliver Gassner erstellte eine Guideline und Jochen Mai beleuchtete eine spezielle Seite in der Karrierebibel. Wie entstehen Beziehungen im Zeitalter des sozialen Web?

Click-Relationship

Die Antwort lässt sich mit einem kurzen Geräusch widergeben: Klick! Nicht nur der- oder diejenige, die die verlinkten Beiträge angeschaut hat, sollte jetzt heftig mit dem Kopf schütteln. Aber dennoch begegnen wir immer häufiger diesem Phänomen, dass Menschen denken, eine Kontaktanfrage oder ein „Freund hinzufügen“ lässt eine Beziehung entstehen: Du klickst mich, ich klick Dich – jetzt sind wir Freunde.

Nunja, Beziehungen entstehen so schon. Immerhin können ja sogar Buchstaben und Zahlen Beziehungen zueinander (wenn nicht gar miteinander) haben – das wird jeder Mathematiker bestätigen können. Aber der Transfer dieses doch sehr mechanistischen Weltbilds auf lebende weit entwickelte Organismen wie den Menschen zu übertragen, erscheint mir doch etwas vermessen.

Die Macht des Netzwerks?

Das ist das größte Versprechen der sozialen Plattformen, Facebook allen voran: „Finde Freunde“. Xing ist da etwas dezenter: Hier finde ich nur Kontakte, während ich bei Twitter immerhin eine Schar von Anhängern generieren kann („Follower“). Kontakte sind eine Währung, die wir bei Klout eintauschen können. Und die sozialen Plattformen stimmen natürlich in diesen Jubel schnell ein: Ihre x Kontakte verbinden Sie mit einem Netzwerk von x Mio. Menschen. Die Botschaft: DEIN NETZWERK VERLEIHT DIR MACHT p.s. grenzenlsoe Macht). 😉

xing linkedin

Fragen Sie mal einen von den 1,9 Millionen, ob er Ihnen 1.000 Euro leiht oder das Auto borgt oder eine neue Stelle für Sie hat. Schon 1 Prozent negative Rückmeldungen können Sie als Erfolg verbuchen. Wir schwenken ein in eine Welt der Beziehung light – noch nie haben wir uns so schnell bekannt gemacht und noch nie haben wir so viele Karteileichen im Freundespool generiert. Wir brauchen Zusatzfunktionalitäten, die uns helfen, uns zu erinnern, woher wir die Menschen kennen, mit denen wir verknüpft sind.

Nur Emotion schafft Beziehung

Das chinesische Sprichwort bringt es nicht ganz auf den Punkt, aber es passt dennoch ganz gut: Ein einfacher Freund in meinem Dorf ist mehr wert als 16 Brüder am Kaiserhof.

Um es ganz klar zu sagen: Das Versenden eines Links in die Ferne des virtuellen Universums ist nicht das Schaffen einer Beziehung. In einer Beziehung reden wir miteinander, wir lachen und wir weinen miteinander. Wir trinken Bier, Wein, Limo und Kaffee (nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge). Wir reden, wir beten, wir stehlen Pferde gemeinsam, wir ärgern die bösen Nachbarn, wir siegen und verlieren auf dem Bolzplatz und wir schweigen über eingeschossene Scheiben (oder wahlweise: wir helfen einander den Schaden wieder gutzumachen). ABER wir klicken NICHT auf irgendwelche Buttons.

Oder eben: nicht nur. Wir können unsere realen Beziehungen in die virtuelle Welt verlängern. Und wir können neue Menschen kennenlernen. Aber tragfähige Beziehungen, die Menschen, die zu uns stehen und für uns einstehen oder uns helfen, mit denen müssen wir im physischen Leben umgehen – jahrelang.

Aber wir lernen Menschen nicht kennen, weil wir von ihnen etwas wollen, beispielsweise Wissen oder Aufträge. Wir sollten interessiert sein, Menschen um ihrer selbst willen kennenzulernen. Beziehungen entstehen, wenn wir ein gehaltvolles Miteinander pflegen, ein Geben und Nehmen.

Das Miteinander im sozialen Netzwerk hat seine guten Seiten. Nie war es einfacher Gemeinsamkeiten zu finden oder eben Kontakte zu knüpfen. Da spielt für mich auch eine Rolle, wie sich jemand präsentiert und ob er/sie beispielsweise auch Großbuchstaben kennt. Da bin ich eigen 😉 Aber echte Beziehungen, geschweige denn Freundschaften, dazu müssen wir uns auch mal die Hand geben und in die Augen sehen – mehr als einmal.

Viel Erfolg beim Gestalten der Beziehungen
Ihr/ Euer Martin/Reti

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Verfasst von - 28. Februar 2013 in Social Media

 

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