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Social Media: Perfektion durch Formalismen

18 Apr
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That´s Life!
Bild: Dieter Schütz/ pixelio.de

Ich wollte schon immer ein sensationeller Postmann sein. Und ich vermute, dass es vielen anderen Social Media Menschen genauso geht. Davon leben wir schließlich: Vom Informationen verbreiten, wahrgenommen werden und kommunizieren und Beziehungen knüpfen. Nicht zwangsläufig in dieser Reihenfolge.

Zum Glück gibt es immer wieder Tipps aus den Weiten des Web, die mich zu einem erfolgreichen Postmann machen. „Der perfekte Facebook Post„, „So machen Sie einzigartig erfolgreiche Tweets“, „Werden Sie ein Superkontakter“, „Wie Ihr Blog in Suchmaschinen den Weg nach oben findet“ usw.

Vor einiger Zeit hatte Twitter wieder mal die Nase ganz weit vorn. Fusenetworks publizierte eine Grafik (auf Basis einer Buddy Media Studie), in der uns der perfekten Tweet vorgestellt wird. Und wir geben diese Tipps natürlich in Legion weiter, so dass nachher niemand mehr ohne dieses Geheimwissen leben muss. Allerdings bezieht sich die zugrunde liegende Studie auf Tweets von Markenunternehmen. Übertragbar? Wen schert´s …

Gib mir mehr Engagement

In Kürze: Tweets am Mittwoch und Donnerstag sind sinnlos. Der perfekte Tweet geht am Wochenende (bringt 17% mehr Engagement) zwischen 7 Uhr morgens und 8 Uhr abends raus (+30 Prozent). Er hat weniger als 100 Zeichen (plus weitere 17% Gewinn) und enthält ein bis zwei Hashtags (nochmal 21% plus).

Macht unter dem Strich für einen Tweet Sonntag morgens um 7:10 Uhr  „Schönen #Sonntag #Euch“ oder „#Trink Coca Cola zum Mittagessen“ 85 % Gewinn an Engagement, also Wahrnehmung, Weitergabe, Antwort etc. Und nun die Krönung: Wer seine Fans auffordert („pls RT“), die Informationen weiterzugeben, bekommt nochmal 1100 Prozent dazu. Yeah! So einfach kann das (Social Media) Leben sein.

Ich dachte immer, das Leben sei kompliziert. Aber Studien wie diese bescheinigen und bestärken uns in dem Glauben, dass alles eine Frage des Formalismus ist. Seien wir ehrlich: Wir gieren wie der Durstige nach dem Schluck Wasser nach Patentrezepten, die uns Social Media Erfolg bringen. Handbuch Schema F. Neben der Frage: „Wenn das alle so machen, wie hebe ich mich dann noch ab?“ bewegt mich noch viel mehr: „Warum sehen 99,9% der Tweets in meiner Timeline anders aus?“🙂

Ich glaube nicht, dass Formalismen allein den Erfolg verantworten. Viel wertvoller sind Inhalte mit Relevanz für Fans/Follower. Und möglicherweise Mehrwert für mich als Follower. Möglicherweise … Wie viel Prozent zusätzliches Engagement das wohl brächte?😉

Nur was ich messen kann, zählt?

Das Problem: Relevanz können wir nicht messen, wir Datenwütigen. Wir Zahlenschergen. Wir können alles zählen, bei dem mal ein Mensch auf eine Taste oder eine Maus gedrückt hat: Fans, Follower, Mausklicks, Zeichen, Hashtags. Und dann entsteht aus diesen Zählungen von vielen, vielen Tastendrücken die Realität.

Wie ich meine, eine recht hohle Form der Realität. Ist mir zu mechanistisch und erinnert ein bisschen an den Golem, der Prag unsicher machte oder den Dr. Frankenstein. Dass – nur – aus Formalismen Erfolg entsteht, das wirkt mir ein wenig zu seelenlos. Dass handwerkliche Fertigkeit einen Teil von Erfolg ausmacht, will ich wohl anerkennen. Aber irgendwo muss doch auch ein bisschen Esprit, ein wenig Substanz herkommen, oder nicht? Oder besteht das Leben nur aus Zahlen?

Mit besten Grüßen

Ihr/ Euer Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 18. April 2013 in Social Media

 

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