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Social Media: Zeigt her Eure Tweets …

13 Jun
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Zeig mir Deine Füße – und ich sag Dir, welche Farbe Dein Hemd hat.
Bild: pixabay.com

„Zeigt her Eure Füße, zeigt her Eure Schuh …“ – ehrlich, ich habe immer noch nicht verstanden, warum die Kinder ihre Schuhe vorzeigen sollen, wenn sie den fleißigen Waschfrauen zusehen. Das sollte mal Gegenstand einer groß angelegten Studie werden. Der Gedanke dahinter bringt uns aber direkt in die Welt der Social Media.

„Wir“ wollen was über „die Anderen“ erfahren. Wobei wir doch sehr schwammig ist. Natürlich möchte ich als Privatmensch auch was über die Menschen erfahren, mit denen ich mich so austausche und dann sehe ich den Musikgeschmack*, Lieblingsfilme, -bücher, Geburtstag, Familienstand, Likes etc. – aber mein Bild von den meisten Kontakten wird doch eher vom realen Hören, Anschauen etc. geprägt.

Noch interessierter sind aber natürlich Unternehmen, die den Menschen was verkaufen wollen. Zunächst mal sind das Facebook & Co., die Plattformbetreiber, die wissen wollen, ob ich Fluch der Karibik schon gesehen habe oder XY kenne oder ob die Werbung XY ausblende, „weil sie meinen Ansichten entgegen steht“ (s.u. rechts)

In der Folge sind das aber die Unternehmen, die mit dem Verkauf ihrer Produkte (und möglicherweise Leistungen – heute wurde mir Online Yoga angeboten ;-)) Geld verdienen. Und die Facebook dafür Werbegelder überweisen.

Der gläserne Nutzer – bitte lächeln

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Sogar beim Wegklicken wird unser Profil verfeinert. Cool, was?

Trotz all diesem Profilgedöns und dem gläsernen Social Media Nutzer – werfen wir mal einen Blick in die Realität. Die so genannten Click Through Raten, die uns potenzielle Käufer zunächst mal in Online-Kontakt mit den Produkten bringen (da habe ich übrigens noch lange nicht gekauft😉 liegen in den astronomischen Größenordnungen von 0,0x%. Also, mein Matheunterricht liegt nun schon eine Weile zurück, aber individuelle Zielgruppenansprache (taylored ads) sollte für mein laienhaftes Empfinden etwas größere Zahlen produzieren. In der Chemie nannten wir sowas früher Millimol-Bereich😉

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Der Beweis: die Top 4 meiner LinkedIn-Jobempfehlungen …

Weg von den Zahlen hin zu einem persönlichen Beispiel aus einem der prosperierenden sozialen Netzwerke: LinkedIn. Da bekomme ich auch bisweilen Jobs angeboten. Ich habe mir die Top 4 aus dem letzten Mailing gerade mal konserviert (s. links). Großartig, nicht wahr? Ich möchte jetzt nicht überheblich klingen, aber ich bin jetzt seit knapp 13 Jahren in verschiedenen Marketing- und Kommunikationsjobs gewesen. Ich könnte mir vorstellen, dass ich nicht nochmal mit einem Praktikum starten möchte. Und ein berufsbegleitender MBA Marketing Manager in dem Unternehmen, für das ich über 10 Jahre als solcher gearbeitet habe, ist auch nicht wirklich mein Ding. Wundert sich da noch jemand, dass ich diese Anzeigen nicht anklicke?😉

Wir sehen: Da gibt es noch ein bisschen was zu tun. Abhilfe verspricht IBM. Eine Vermutung, die ich schon IMMER hatte, seit ich Twitter benutze, wird nun zur Gewissheit. Zeig mir, was Du postest und ich sag Dir, wer Du bist😉 Und dazu muss ich weder eine IT-Evangelistin und Rednerin oder ein Professor für Evolutionspsychologie sein, die mit einem einzigen Post ganze Karrieren ruinieren – vorrangig ihre eigenen. Nein, ich könnte auch ein Autofahrer sein, der sich brüstet, einen Radfahrer „abgeräumt“ zu haben. Vielleicht sollte man mal eine Hitliste der folgenreichsten und dämlichsten Tweets bei zehn.de einstellen😉

Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über (Mt.12,34)

Zurück zu IBM. Klar, wer ein Kunstgehirn herstellen kann, das bei Jeopardy gewinnt, der kann auch eine Software schreiben, die Twitterprofile auswertet. Damit macht das Programm das, was uns auch so durch den Kopf geht, wenn wir über die Tweets fliegen: Die da engagiert sich für die Rechte der Tiere, der da ist ein politischer Akitivist, der ein Menschenfänger, der beschäftigt sich mit Zukunftsthemen, Vegetarier, BVB-Fan, engstirnig, von sich selbst überzeugt, gesprächsoffen, ausgleichend, einladend, vertrauenschaffend … Oder was mache ich wohl, wenn mir ein Account angeboten wird, dem ich folgen soll? Natürlich lese ich die Selbstbeschreibung und die letzten Tweets. Ich mache mir in wenigen Sekunden ein Bild von der Person.

Die Software will das automatisch machen. Die jagen wir dann auf den @martinreti los und dann wird der in die „Big Five“ der Psychokisten seziert: Extraversion, Verträglichkeit, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen. Interessieren würde mich schon, wie ich da abschneide. Und ob ich dann wohl passendere Werbung bekomme? 50 Tweets seien ausreichend für eine Analyse. Ab 200 ist dann alles klar. Ergo (wie Michael Pauly gerne zu sagen pflegt):  Ab 50 Tweets wird aus Spaß Ernst.

Eine willkürliche Auswertung von 200 Tweets – ich kann mir vorstellen, dass da ziemlich schräge Ergebnisse rauskommen. Aber andererseits: Vielleicht verrät die Wahl unserer Worte – und nicht nur der Themen – tatsächlich so viel über uns. Tatsache bleibt: Was wir sagen – im Guten wie im Schlechten, im Affekt wie in der Ruhe – das ist ein Teil von uns. Und die sozialen Medien konservieren das für uns, wenn wir ihnen das anvertrauen.

Trotzdem wäre es irgendwie schade, Menschen auf ihre Äußerungen in sozialen Netzwerken oder gar nur auf ihr Twitter-Alter Ego zu reduzieren. Oder sehen Sie das anders?

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

p.s.: Übrigens stellt das IBM-Team fest, dass Coca Cola Trinker extrovertiert sind, während  Pepsi-Konsumenten introvertiert sind. Ich trinke Pepsi, … weil es etwa die Hälfte kostet. Vorlieben sind nicht alles, was uns bewegt, manchmal sind es auch faktische Realitäten😉

*Ich fühle mich erinnert an eine Diskussion mit Mario Kluge vor einigen Jahren. Damals ging es darum, aus dem Musikgeschmack eines Menschen dessen Persönlichkeit herauszulesen. Bei Bewerbungen solle man stets sagen, man sei ein Fan von Jazzmusik. Das sei das positivste. Sie können ja mal überlegen, wie sie einen HipHopper, einen Heavy Metal-Fan oder einen Klassikliebhaber schubladisieren würden.🙂

 
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Verfasst von - 13. Juni 2013 in Social Media

 

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