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Social Media: Neues aus Toolistan

04 Jul
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Autsch – gut zu wissen, ob der Schwarm mich anfallen will.

Endlich ein kreatives neues Geschäftsfeld: Vielleicht inspiriert durch US-amerikanische Krimiserien etabliert sich IBM immer häufiger als Profiler. Sie wissen schon: Das sind die Leute, die auf Basis eines 30-sekündigen Erpresseranrufs oder eines 2-zeiligen Bekennerschreibens den kompletten Lebenslauf eines Täters erstellen – inklusive Lieblingsgericht, Kontostand und Sozialversicherungsnummer des Großonkels😉.

Jetzt darf ich’s ja sagen: Ich mag IBM. Das Unternehmen hat unbestritten Großartiges für die Computerwelt geleistet, wie wir sie kennen. Und einen Watson bei Jeopardy zu platzieren – das ist schon ganz großes Kino. Aber nicht jede Woche fällt halt ein Watson vom Himmel. Die Realität ist die Pressemitteilung. Und die hat ja traditionell ihren eigenen Charme, mit dem sie versucht, den Leser für sich einzunehmen.

Vor einigen Wochen schrieb ich über die IBM Wissenschaftler, die mein Persönlichkeitsprofil über meine Tweets schonungslos aufgedeckt haben. Und heute kommt die große Lösung hinterher: IBM Social Media Analytics„Damit können Marketingverantwortliche eigenständig Verhalten und Stimmungen ihrer Kunden auf Facebook und Twitter oder in Blogs und Foren analysieren.“ Wenn ich es richtig verstanden habe, weiß das machtvolle Monitoringtool tatsächlich ALLES über mein Unternehmen, meine Produkte und die Weiten der (sozialen) Webwelt sowieso. Also so eine Art Prism für Einsteiger🙂

Wissen ist Macht

Freilich wäre es blauäugig, Monitoring als Kinderkram zu verurteilen. Ein guter Spürhund, der in der Lage ist herauszufinden, wo es im Web brennt oder wo womöglich positiv über Produkte/Dienstleistungen gesprochen wird, ist Gold wert. Aber Maschine ist Maschine, oder? Und jeder, der schon mal was programmiert hat, wird bestätigen können, dass Maschinen sehr eigen sind, wenn man mal ein Komma, ein Semikolon oder eine Klammer vergisst.;-)

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Ok, nicht ganz fair – aber Beispiele für echten Buchstabensalat gibt es auch im deutschsprachigen Kerngebiet. Ich nehme gerne welche auf😉

Und Sprache – sowohl die gesprochene als auch die niedergeschriebene – folgt nicht immer den klaren Regeln, die Konrad Duden und Kollegen niedergeschreiben haben. Bisweilen entsteht auf Facebook eher Buchstabensalat mit Interpunktionssauce. Twitter ist höchstwahrscheinlich einfacher zu beherrschen, weil ja schon allein durch die Hashtags auf die notwendigen Schlüsselworte geachtet wird – auch wenn ganze Zusammenhänge sich in den 140 Zeichen kaum umfassend darstellen lassen. Also #Scheiß #FirmaXY oder #ilike #UnternehmenZ – das kann Watsons Kollegenschar sicher gut verstehen.

„IBM Social Media Analytics hilft Unternehmen zu verstehen, welche Diskussionen zu ihrer Marke und ihren Produkten in den Sozialen Medien geführt werden, wie das allgemeine Stimmungsbild ist, welche Themen vorherrschen und wer die wichtigsten Meinungsmacher dabei sind. Auch können die Marketingentscheider die Social-Media-Akteure nach bestimmten Verhaltensmustern wie Nutzer, Fans oder Kritiker kategorisieren und individuell ansprechen.“ Klar ist: 1. Es bedarf einer bestimmten kritischen Masse, um die Ergebnisse derart auszuwerten. Wenn zehn Menschen web-öffentlich (oder halböffentlich?) über mich reden, reicht das? Das Bild, das sich aus einer solchen Faktenlage ergibt, kann ziemlich schräg sein. 2. „Marketingentscheider können …“ die Frage ist eben nicht, ob sie’s können, sondern ob sie’s tun. Monitoring hin oder her – das Wesentliche ist der Austausch mit Menschen, die Reaktion auf die (vom Tool als wahrhaft erkannte) Stimmung. Und dann wünsche ich entsprechend viel Spaß, die verschiedenen Kampagnen für die identifizierten Gruppen mit der beispielweise „ambivalenten“ Stimmung aufzusetzen.

Aber was mich am meisten bewegt, ist die Tatsache, dass eine Maschine mich und meine Meinung in eine Schublade steckt. Ich sehe ein, dass ich als Individuum in den Weiten des Webs nicht mehr  bedeutsam bin, aber durch Social Media hatte ich gerade die Hoffnung wieder gewonnen, dass das so sein könnte. Und nun … kommt es, wie es kommen musste … ich bin nur eine Sardine … Wohl werde ich gefragt: „Wie fühlst Du Dich, Eliza?“ aber in Wirklichkeit ist es unbedeutend. Wieder einmal mehr bestimmen die Maschinen, was ich denke. „Meister, ich bin unwürdig …“😉

Letzten Endes ist das Tool nur so gut wie seine Fähigkeiten und der Nutzen für den Anwender. Um die Fähigkeiten voll auszureizen, möchte ich nun alle Leser auffordern, zukünftig klar und eindeutig zu kommunizieren, damit unsere Stimmungen richtig erfasst werden können. Verwenden Sie am besten #Hashtags. Sehr #praktisch, dass #Facebook diese auch eingeführt hat. Hüten Sie sich vor #Ironie und #Sarkasmus. Und hüten Sie sich noch mehr vor Maschinen, die Ironie und Sarkasmus erkennen können😉 Und zuletzt: Bitte nutzen Sie eine saubere Orthografie und Interpunktion. Wir wollen doch mit unserer Meinung wahrgenommen werden. Dann lassen Sie uns auch was dafür tun. Denn nur die Meinung derjenigen, die sich verständlich machen können, wird wahrgenommen. Das wäre doch ein #gutes Ergebnis😉

Für heute nehmen wir mit: Drum prüfe, wer sich an Maschinen bindet. Sie sind gute Helfer, die immer intelligenter werden. Aber ein ergänzender, abwägender menschlicher Blick kann nicht schaden – im sicheren Wissen, dass ein Tool eben doch keine endgültig gesicherte Wahrheit liefert.
Bin gespannt, ob der Service aus der Cloud mich identifiziert. Das wäre tatsächlich eine Demonstration der Macht (Kommentar erbeten). Als Hinweis habe ich ja immerhin einen Link gesetzt. Das sollte dem Profilerservice helfen. Ich lasse mich überraschen😉

Mit besten Grüßen
Martin/ Reti

p.s.: Für alle, die sich mit dem Thema Monitoring beschäftigen wollen (und einen Blick z.T. auf wohlklingende, kostenlose Tools mit geringem Nutzen werfen wollen), seien drei Links empfohlen:

190 Tools bei der Karrierebibel

Die Liste von Tim Krischak und Christiane Heller

und eine Handvoll von der Computerwoche

 

 
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Verfasst von - 4. Juli 2013 in Social Media

 

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