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Social Media: Tut er’s oder tut er’s nicht?

25 Jul

Ich behaupte einfach mal, dass 99,9 Prozent der Menschen, die sich im Web tummeln, keine Rechtsexperten sind. Genau wie ich. Aber ich kann leider keine Studie zitieren, die das bestätigt. Sie können das jetzt gerne in Frage stellen, kopfwiegend kalkulieren oder mich im Kommentar der Unwissenheit bezichtigen. Oder mir – einfach so aus dem Bauch raus – zustimmen. Also tun, was wir sonst auch so tun. Aber heute will ich mich mal mit dem Recht beschäftigen – rein amateurhaft, versteht sich. Eigentlich bin ich nämlich nur auf der Suche nach der Wahrheit … (Wenn Sie die gefunden haben, steuern Sie sie einfach als Kommentar bei).

Los ging alles mit einer Aussage von Peter Wippermann im Wallstreet Journal, wonach 64 Prozent der Personaler sich nicht im Web über Bewerber informieren.  Holla, mag man da denken. Und das in Zeiten von Social Recruiting & Co.? Das sei doch wohl einen Tweet wert, meinte ich. Dieser wurde von @Herr_Ziegler retweetet, worauf sich @AlexB_DE einschaltete und konstatierte, dass die Personalabteilungen das gar nicht dürfen. Ergo dürfen sie es auch gar nicht zugeben, dass sie was Verbotenes machen. Logisch.

Die Suche nach der aktuellen Wahrheit

Das ließ mir keine Ruhe. Also habe ich mal ein bisschen im allwissenden Netz nachgeschaut. Und den Kollegen Google drauf angesetzt – den ganz ohne Plus. Da gibt es wohl Kommentare von Experten, aber die stehen auf dem Status 2010 (Carsten Ulbricht) und 2011 (Nina Diercks). Nina Diercks verlinkte sogar dankenswerterweise den damals aktuellen Gesetzesvorschlag. Mit großem Glück stieß ich noch auf eine aktuelle Bestandsaufnahme vom Februar 2012 aus der Süddeutschen Zeitung. Suche ich aber nach einen aktuellen, gültigen Gesetzestext des Bundesdatenschutzgesetzes (BDSG), stoße ich nur auf ein Werk mit den letzten Änderungen vom August 2009. Soll das bedeuten, dass alle Diskussionen, die wir geführt haben, obsolet sind und es gar keine (frische) Regelung bezüglich der Nutzung von Bewerberdaten aus dem Web und Social Web gibt?

WENN DAS SO WÄRE, …

  • wäre das natürlich wieder ein par excellence Beispiel, wie weit die Gesetzgebung hinter den Realitäten hinterher hinkt.
  • Und die Geschichte wäre zudem ein weiterer Beweis, wie sehr wir von Halbwissen, eigenen Erfahrungen und Annahmen leben.
  • Und sie wäre auch ein Hinweis darauf, dass das Netz eben nicht allwissend ist
  • Und deswegen nutzen wir so gerne soziale Netzwerke. Aber bei speziellen Fragen sollten wir auch auf Experten zurückgreifen.

Und das Social Recruiting?

Wenn tatsächlich alles so kommt (oder gekommen ist – je nachdem ;-)), wie der verlinkte Vorschlagtext nahelegt: Dann darf der potenzielle Arbeitgeber Daten über den Bewerber erheben, um seine Stelleneignung zu prüfen. Er soll sie aber direkt beim „Beschäftigten“ holen (der ja im Grunde genommen gar kein Beschäftigter ist ;-)). Daten aus sozialen Netzwerken, sagt §32 (6), dürfen genutzt werden, wenn dort die berufliche Qualifikation dargestellt wird, aber nicht wenn sie der elektronischen Kommunikation dienen. Am besten schauen Sie sich das selber an.

Verwirrend … für mich bedeutet das, dass

a) es davon abhängt, was ich arbeite: im Falle eines – sagen wir mal – Social Media Treibenden dürfte doch auch das Facebook-Profil eine relevante Datenquelle sein, oder?

b) es Netzwerke gibt, die nicht der elektronischen Kommunikation dienen. Ich weiß nicht, ob ich darin eine tiefere Weisheit finden soll oder ob hier einfach per Gesetzestext grundlegende Prinzipien sozialer Netzwerke ad absurdum geführt werden. Und ja – ich unterhalte mich auch auf Xing mit Menschen😉

Und selbst wenn es verboten ist, wird immer noch das Prinzip gelten: Wo kein Kläger, da kein Richter. Natürlich können Personaler sich über Bewerber informieren, aber sie dürfen sich nicht erwischen lassen. Und wie sollten sie das auch? Wenn sie die Fakten im Bewerbungsgespräch nicht verwenden oder den Kandidaten schon im Vorfeld aussortieren? Aber wer will ihnen verbieten zu wissen, was Bewerber öffentlich über sich preisgeben? Ich würde mal sagen, solange Personaler keine Wanzen in den Wohnungen installieren oder die Post öffnen …😉
Der eleganteste Weg mag eine Anfrage bei NSA oder BND oder einem Plattformbetreiber wie Whats App oder Facebook sein. Oder bei Google. Und das wäre wiederum ein mögliches Geschäftsmodell🙂

Es bleibt dabei: Wir sollten nicht vergessen, dass prinzipiell alles, was wir im Web sagen und tun, öffentlich ist. Aber wenn wir etwas tun, dann können wir uns doch auch vernünftige breite Auftritte zulegen, die Personalern helfen, uns und unsere Fähigkeiten besser kennenzulernen, oder?

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

Und noch ein p.s.: Alles ist relativ: Wenn 64% „nicht suchen“ (Wippermann), dann suchen 36%; laut Bitkomstudie von 2011 recherchieren „über die Hälfte aller Personaler“ (sagen wir 52%) – die Fakten liegen womöglich gar nicht so weit auseinander. Es ist immer auch eine Frage des Standpunkts und der Interpretation.😉

p.p.s.: Auf meine Anfrage hin hat Nina Diercks mir Klarheit verschafft. Zumindest was den Status des Gesetzes-Updates angeht: verschoben auf den St.Nimmerleinstag. Vielen Dank dafür😉

und noch ein p.p.p.s. (meine Güte …): Kollege Jochen Schmid wies mich noch auf einen ziemlich aktuellen Artikel von Thomas Schwenke zum Thema hin.

 
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Verfasst von - 25. Juli 2013 in Social Media

 

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