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Social Media: Geld und Leben!

08 Aug

Im Allgemeinen wird der Kampf um die Vorherrschaft der sozialen Netzwerke zu einer Auseinandersetzung zwischen Facebook und Google hochsterilisiert hochstilisiert. Was auf Basis dieser Überblickgrafiken bei der Gründerszene sicher nicht der Realität entspricht. Aber einmal gefasste Urteile halten sich hartnäckig – das scheint ein Relikt altvorderer Zeiten zu sein, in denen wir um das Lagerfeuer saßen und in aller Ruhe unser Mammutsteak grillten. Abseits des von den Giganten aufgewirbelten Staubs stehen aber weitere Streiter bereit, die es in den Fingern juckt, in bester Wrestlingmanier in den Ring zu steigen und ebenfalls mitzumischen. Oder eben ihr eigenes Kampfterrain abzustecken.

Definitiv wird die Social Media Szene von amerikanischen Konzernen beherrscht (was #PRISM nicht gerade erschwert). Und wenn wir Deutsche als Vertreter der Dichter-und-Denker-Hightech-Nation auf unseren Beitrag angesprochen werden, dann ziehen wir gerne den Kopf zwischen die Schultern. Und nach einer Weile artikulieren wir dann ziemlich kleinlaut: „… aber Xing …“  Xing ist UNSER Odnoklassiki, UNSER nationaler Champion. Aber seien wir ehrlich: Richtig stolz sind wir nicht auf unseren Champion. Milliarden und Abermillionen Nutzer da – ein paar Millionen hier. Genau genommen 6,5 (Deutschsprachige) – auch wenn Xing sich gerne anschickt auf die 13 Mio. Mitglieder weltweit zu verweisen. Ein internationales Erfolgsmodell? Das mag jeder selbst beurteilen. Ja, und dann kam LinkedIn. Und immer wieder kocht die Frage hoch: Wie lange macht es Xing denn noch? Zuletzt hat Natascha Ljubic sie auf ihrem Blog gestellt. „Es kann nur einen geben“, urteilt sie.

„In der blauen Ecke …“

Hier der internationale Business-Network-Champion mit 238 Mio. Mitgliedern, dort der deutsche Meister mit gerade mal einem Siebzehntel des Kampfgewichts. Stephan Koß bereitet so was gerne als Grafiken auf seinem Blog LinkedInsiders auf. David gegen Goliath. Ich will das jetzt nur als Größenverhältnis verstanden wissen und keine moralische Komponente hineingeheimnissen. Nicht, dass ich nachher der Deutschtümelei verdächtigt werde. Sie können auch sagen: Ingos Frittenbude gegen McDonalds, wenn Ihnen das lieber ist😉. Upps, schon wieder passiert … Die Gründe sind sicher vielfältig. So kann ich mir als Allererstes ganz gut vorstellen, dass der sprachliche Vorsprung (Englisch vs. Deutsch) eine beachtliche Bedeutung für die internationale Akzeptanz hat.

We are the world … oder nicht

Nichtsdestoweniger beschäftigt uns das Duell. Denn … Deutschland ist nicht die Welt und Xing hat hierzulande immerhin einen Heimvorteil. Ist es nicht schön, Menus in der Heimatsprache zu bedienen? Und die meisten anderen Besucher aufwandlos zu verstehen? Plötzlich mutiert der deutsche Vertreter mit seinen 6,5 Mio. DACHlern und der internationale Meister schrumpft in sich zusammen – auf 3 Mio. Fans. So zumindest der Status Quo. Das Wachstum spricht momentan aber auf jeden Fall für LinkedIn: Xing verzeichnet monatlich ziemlich konstant 70.000 Neuzugänge, LinkedIn liegt konstant über 100.000 (im Mai 2013 sogar über 140.000). Bei etwa 50.000 Nutzern Mehrzuwachs pro Monat, sind das fünf bis sechs Jahre, bis LinkedIn die Größenordnung von Xing in DACH erreicht. Immer unter den aktuellen Voraussetzungen. Oder Sie rechnen sich ihre eigenen Zahlen aus. Und dann ist Xing tot?

Momentan sieht es für mich nicht danach aus: Xing wächst – mal verhalten, mal stärker. Und immerhin kann man beachtliche schwarze Zahlen vorweisen (Umsatz 20,9 Mio.€, 2,7 Mio. Gewinn in Q2/2013, LinkedIn hat bei einem Umsatz von 364 Mio. Dollar 4 Mio. verdient). Mit der Akquise von kununu unter dem Dach des Burdakonzerns und dem Ausbau der Unternehmensangebote hat das Netzwerk seinen Fokus dahin verschoben, wo das Geld ist: in den Unternehmen. Das genau hat Facebook vorexerziert. Es bleibt zu hoffen, dass die Werbung demnächst nicht genauso über die Nutzer hereinschwappt wie beim blauen Riesen.

Ein wichtiges Pfund für Xing ist der Status als erster und regionaler Anbieter. Die Mitglieder sind vertraut mit den Funktionen und der Plattform. Mittlerweile sind auch Türen in andere Netzwerke vorhanden. Und ich glaube nicht ernsthaft, dass die Mitglieder auf LinkedIn aktiver sind als auf Xing. Auch wenn natürlich bloggende Meinungsmacher und Vordenker wie Richard Branson eine coole Idee sind, um einem Businessnetzwerk zusätzlichen Schub zu geben. Vielleicht könnte Xing das adaptieren. Oder ein paar Inhalte aus dem Medienkonzern, dem es angehört, nachnutzen.

Kommt alle mit

Was ich aber für das stärkste Argument pro Xing halte: Zumindest einige der 6,5 Mio. Nutzer werden ansehnliche Mengen von Kontakten in ihren Netzwerk verwalten. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die so mir nichts, Dir nichts sagen: „Ach, lass mal mit Xing. Ich denke, ich geh zu LinkedIn“. Denn das hieße: Zurück zum Start und alles von vorne. Nun könnte man natürlich LinkedIn-seits auf die Idee kommen (wie vor Kurzem beim meinem Wechsel von Google Reader zu Feedly), die Kontakte einfach rüberzuimportieren. „Wechseln Sie mit Ihrem Netzwerk zur Nummer 1“ oder so ähnlich könnte der Werbespruch lauten. Technisch lässt sich das, wie Stephan Koß darlegt, bewerkstelligen – allerdings offenbar mit einigen Tücken (gerade bei Personen mit einem großen Netzwerk), indem man das LinkedIn-Adressbuch verwendet. Vielen Dank für die Info.

Allerdings ist natürlich Adressbuch-Eintrag noch nicht genau dasselbe wie Netzwerk. Denn dazu gehören zumindest immer zwei. Und die Frage des Datenschutzes will ich gar nicht anschneiden (Habe ich das Recht personenbezogene Daten auf eine andere Plattform zu überführen? Was sagt denn der Umgezogene dazu?) Die Umzugsquoten würden mich wirklich interessieren. Vielleicht setzt ja jemand so ein Projekt auf. Dann bitte her mit den Infos. Ein 1:1_Umzug oder gar eine verbesserte Netzwerk-Abbildung auf Knopfdruck in LinkedIn scheint mir illusionär. Ich werde auf jeden Fall momentan nicht umziehen. Und ich sehe auch keinen Grund, der dagegen spricht, in beiden Netzwerken zu leben.

Mehrwert und Lebendigkeit entscheiden

Relevant für die Qualität eines Netzwerkes ist seine Lebendigkeit und sein Mehrwert für den Nutzer. Vertrautheit, Unterhaltungswert, Nutzerfreundlichkeit und niedriger Nervfaktor folgen auf den Plätzen. Die Vertrautheit spricht für Xing, Nutzerfreundlichkeit und „Unterhaltungswert“ sind bei den beiden Kontrahenten gleich. Beim niedrigen Nervfaktor sehe ich Xing leicht vorne (aber das ist natürlich höchst subjektiv). LinkedIn ist besser in die großen (amerikanischen) sozialen Netzwerke integriert. Es wird um die Mehrwerte und die Lebendigkeit gehen. Und um Angebote für Unternehmen, die Geld in die Kassen spülen. In den nächsten Jahren sehe ich keinen Untergang von Xing. Und was habe ich davon, dass ich den herbeirede?😉 Wie sagt der Kaiser noch schnell? „Schau mer mal …“ – ich lasse mir in fünf Jahren meinen Post gerne um die Ohren hauen😉

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 8. August 2013 in Social Media

 

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