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Social Media: Blau gegen Weiß

19 Sep

„Ach, Sie arbeiten bei einem Personaldienstleister. Haben Sie denn da was für mich?“ – tatsächlich wurde ich bisweilen angesprochen, ob ich denn nicht einen Job einfädeln könnte. Aber meistens war es dann doch so, dass die freien Stellen, die wir in der Jobbörse hatten nicht zu den Anfragenden gepasst haben.Der Unterschied liegt meistens in einer farblichen Diskrepanz begründet, und zwar weil weiß nicht blau ist. Ich bewege mich in der Regel im Umfeld der white collar worker. Das sind die Menschen, die in Büros sitzen und den Löwenanteil ihrer Arbeitszeit in Besprechungen, Telefonaten und am Computer sitzend verbringen. wenn die zum Essen gehen, müssen die sich in der Regel die Hände nicht waschen. Das sieht die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sicher anders, wenn sie sich nicht gerade um Aids kümmert. Aber Sie verstehen, was ich meine.

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Ah, Handarbeit!
Quelle: pixabay.com

Die Jobbörse, in der wir unsere Jobs gebündelt haben, die quillt aber nicht gerade vor Kaufleuten über. Dafür können Sie die Worte Industrie, Service, Elektroniker, Mechaniker, Elektriker nahezu beliebig kombinieren und erhalten auf einen Schlag eine satte Liste von Tätigkeiten: Sie können Läden einrichten, Autos einrichten, Schaltschränke zusammenbauen, Maschinen pflegen … Im traditionellen englischen Sprachgebrauch sind das die Menschen mit dem blauen Kragen, die blue collar workers. Wikipedia definiert als ihn als „working class person who performs manual labor. Blue-collar work may involve skilled or unskilled, manufacturing, mining, oil field, construction, mechanical, maintenance, technical installation and many other types of physical work. Als altgedienter Ferienarbeiter in der Neckarzone weiß ich, dass man sich hierbei die Hände vor dem Esspause wäscht😉.

Ein Blue Collar Xing?

Vor kurzem konfrontierte mich Prof. Peter Wald mich mit dem Twitteraccount @Workhands und der zugehörigen Webseite workhands.us: „Ergäbe das auch in Deutschland einen Sinn? Ein Xing für blue collar worker?“ Knifflige Frage. Denn Tatsache ist: Wer auf Xing nach gewerblichen Facharbeitern sucht, der wird meistens nicht fündig. Xing ist die Domäne der PC-Arbeitsplatz-Menschen. Aber wer eine Studie über die Spielarten deutscher Kaufleute machen möchte, der könnte keine reicheren Fischgründe finden.

Als erstes Resümee bedeutet das für mich: Wer sich als blue collar worker auf Xing registriert, hat einen klaren Vorteil bei der Suche nach einem neuen Job. Er ist ein Sonderling und schon allein deswegen ist er so was wie ein bunter Vogel im Zoo der über 6 Millionen Xing-Mitglieder (DACH). Und das sehe ich als einen klaren Vorteil. Dort zu sein, wo die Wettbewerber nicht sind. Denn die Recruiter suchen natürlich auf Xing und möglicherweise suchen sie auch mal gewerbliche Kräfte.

Aber was wenn tatsächlich jemand auf die Idee käme, ein blue collar-Xing aufzubauen? Wäre das von Erfolg gekrönt? Das bedeutet dann aber nicht – wie das so gerne gemacht wird – eine Plattform aufzubauen, sondern auch die passenden Leute da hin zu bringen und dauerhaft dafür zu interessieren. Und natürlich eine langfristige Finanzierung dafür auf die Beine zu stellen.

Das produzierende Gewerbe und das Internet

Das würde aber als erstes bedeuten, dass ich mir überlegen muss, wie und ob meine Zielgruppe überhaupt im Web unterwegs ist. In der Regel steht eben in so einer Produktionshalle kein PC. Das ist schon immer auch ein Hemmschuh für jede Form der internen Kommunikation gewesen, die auf die modernen elektronische Methoden der Informationsverbreitung gesetzt hat. Der gute alte Aushang hat hier durchaus noch seinen angemessenen Platz. Noch besser – und zeitloser – aber fährt man mit dem persönlichen Gespräch. Aber das nur nebenbei.

Als Beweis für die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft führen wir gerne an, dass gut drei Viertel der Deutschen online sind (Statista zur D21-Initiative). Das bedeutet auf der anderen Seite, dass ein Viertel das nicht ist. Die Frage ist, welches Viertel? Meinen wir wirklich, dass das nur Rentner seien? Nur so als Randnotiz: „Dann schicken Sie uns doch einfach einen Lebenslauf“ „Ich habe keinen PC“ … aber … ein Smartphone …

113,5 Mio. Mobilfunk-Kunden listet der Mobilfunkreport Deutschland im zweiten Quartal. 21,6 Mio. Smartphones wurden 2012 verkauft; für 2013 erwarten die Auguren 26,4 Mio.
Absatz von Smartphones in Deutschland bis 2013

Kritische Masse vorhanden

Bei etwa 41,7 Mio. Erwerbstätigen ist das eine ganz erkleckliche Summe. Die Nachfrage nach qualifizierten gewerblichen Fachkräften ist da. Das bestätigen Gespräche mit Kunden, die sich sogar mehr und mehr mit dem Gedanken anfreunden, auch Ungelernte oder Fachfremde als Quereinsteiger anzulernen. Der Wunsch nach einem blue collar Xing könnte also auch in Arbeitgeberkreisen durchaus seine Interessenten (und womöglich Geldgeber) finden. Denn nicht jedes Unternehmen ist imagemäßig und finanziell aufgestellt wie ein Dax-Konzern. Das könnte dann als Community Cloud Ansatz realisiert werden😉

Von den Erwerbstätigen sind übrigens ca. 25% im sekundären, also produzierenden Sektor. Aber auch im Dienstleistungsbereich finden sich sicher noch ein paar Millionen „Blaukragen“ zusätzlich zu den Arbeitssuchenden. Der Adressatenkreis beläuft sich damit entsprechend der Retischen Bauchschätzung auf 12 – 15 Mio. Erwerbstätige. Begründete Korrekturen nehme ich gerne entgegen.

„Zeitung lesen – wo leben Sie denn?“

Werfen wir zuletzt noch einen Blick auf die Medien. „Wieso soll ich eine Anzeige selbst in einer lokalen Zeitung schalten“, raunt mir ein Freund zu, der einen kleinen Metallbetrieb führt, „die lesen doch sowieso keine Zeitung„. Die tippen höchstens wie wild auf ihren Mobiltelefonen rum“. In der Appwelt sind das Haller und das Hohenloher Tagblatt nicht gerade die bedeutendsten Größen. Allerdings sind die Süddeutsche, Spiegel und Focus sicher auch nicht gerade die am häufigsten genutzten Apps. Eher schon Bild – aber wer schaltet schon Jobangebote in der Bildzeitung? Aber auch hier lasse ich mich gerne belehren.Was für meine Annamhe spricht: Eine Rubrik „Job und Karriere“ konnte ich auf die Schnelle bei bild.de nicht finden😉

Was bleibt? Facebook. Solange das Blaukragen-Xing nicht existiert, ist Facebook die Alternative, die ihm am nächsten kommt. Mit einer Anzeige bei Facebook erreicht man die Zielgruppe am besten – insbesondere, da Facebook auch gerne mal mobil genutzt wird. Für die annoncierenden Unternehmen nur schade, dass die Facebook-Mitglieder nicht verpflichtet sind, ihren Beruf und ihren beruflichen Werdegang anzugeben😉 Das wäre das Alleinstellungsmerkmal von BKING (vielleicht sollte ich den Namen und die Domain schon mal registrieren ;-)) Upps, das klingt jetzt ein bisschen nach Burgerking.

Ob BKING fliegt? Wer kann das schon sagen. Aber ich denke, Interesse daran sollte da sein. Und potenzielle Nutzer gibt es auch genügend. Aber man sollte dran denken, auch eine App anzubieten.

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 19. September 2013 in Social Media

 

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