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Social Media: Oben ohne

27 Sep
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Oh Backe, Tasche leer – handylose Zeiten

Die Hand greift in einer tausendfach geübten Bewegung zur Hosentasche. Zehn Minuten an der Bushaltestelle. Die dürfen doch nicht ungenutzt verstreifen. Schließlich sind wir always on, das Netz am zentralen Omnibusbahnhof in Schwäbisch Hall ist ausgezeichnet. Was geschieht in der Welt? Erstmal „Mails checken“ oder lieber den Twitterstream anschauen oder folge ich zuerst den quengelnden roten Zahlen von WhatsApp oder Facebook Messenger?

Doch wo ist mein digitaler Tropf? Achso, ich habe ihn zurückgegeben. Komisches Gefühl. Schlimm? Irgendwie schon. Ich fühle mich ausgegrenzt. Bin nicht mehr Teil der digitalen Welt. Always on ist Geschichte – zumindest für den Moment. Gestern Abend konnte ich noch ganz stolz vor dem Vortrag in Öhringen kokettieren: „Bevor ich loslege, muss ich noch ein bisschen geschäftig an meinem Smartphone rumfummeln. Ich darf das, ich bin Social Media Manager ;-)“ Und heute der Sturz in die Steinzeit der Informationsgesellschaft. Zeitung lesen wäre eine Alternative für die Busfahrt.

Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt?

Herzrasen? Leichter Tremor? Unkontrolliertes Sabbern? Gehirnkrämpfe? Erhöhter Blutdruck? Zu Ihrer Beruhigung: nichts von alledem. Weder Kälte- noch Hitzewallungen, wie Katharina Gabel im digitalen Leben der Südwestpresse ihre Entzugserscheinungen über den Verlust von Kontakten und Daten schildert.

Die Revolution, die das Smartphone ausgelöst hat, ist nicht zu unterschätzen. Unter dem Schlagwort Mobilität haben schon klügere Geister darüber geschrieben. Dass man mit Mobilität plötzlich nicht mehr das Auto, sondern das Telefon verbindet, sorgt für einen unausgeglichenen Magensäurehaushalt in den  Marketingabteilungen der Automobilhersteller ;-) Gerne erinnere mich an eine schon etwas ältere Studie, in der Jugendliche allen Ernstes angeben, dass Internet und Handy ihnen wichtiger sind als das Auto. In anderen Studien schneidet sogar die Wohnung unwichtiger ab.😉

Unsere Mütter wären dafür dankbar gewesen: „Jetzt geht doch endlich mal raus. Wie kann man bei diesem Wetter vor dem Computer hocken?“ Das Smartphone war die Lösung für alle Seiten. Der Kompromiss für den freiheitsliebenden Computerhocker. Menschen, die sich keinen PC leisten können, gehen mobil ins Web, ein unkomplizierter Echtzeit-Austausch von mehr oder minder relevanten (aber immer beziehungsbildenden und -erhaltenden) Informationen ist Bestandteil unseres Lebens geworden. Es geht die Mär, dass manch Wohnungssuchende ihre neue Bleibe auch nach der Qualität des Netzes auswählt. Aber das sind nur unbestätigte Gerüchte😉

Das Smartphone ist aber vor allem eines: Es ist ein Instrument, das uns die Zeit des Abschaltens raubt. Es ist der Meuchler der Langeweile. Es gibt keine fünf oder zehn Minuten Pause mehr. Ständig mahnt es uns, dass wir was tun sollen. „Hier bin ich. Mach was! Du hast eine Flatrate. Nutz Sie aus“.

Der Rückfall in die Stationarität

So muss ich mich gedulden, bis ich wieder am heimischen PC bin. Bis dahin habe ich die Hälfte der Gedanken wieder vergessen, weil mein elektronisches/r Gehirn/Notizzettel nicht mehr verfügbar ist. Aber ich habe Gedanken. Ideen, Formulierungen, Bilder strömen auf mich ein. Ich glaube, ich nehme künftig ein Notizbuch mit😉.

Und so schaue ich jetzt einfach durch die Gegend, spinne Gedanken, beobachte Menschen und Spatzen, komme mit dem Busfahrer ins Gespräch und entdecke die Leichtigkeit des Lebens wieder, Schön isses.  Ein bisschen weniger Abhängigkeit und Bevormundung ist vielleicht gar nicht so schlecht. Lässt uns mehr Möglichkeiten, wir selbst zu sein.

Trotzdem freue ich mich auf den Nachfolger. Aber bis dahin schnaufe ich durch und bestimme wieder selber, wann ich einschalte😉

Beste Grüße
Ihr/ Euer Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 27. September 2013 in Social Media, Uncategorized

 

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