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Social Media: Die Geißel des Blogposters

02 Okt
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Vorreiter des Banners
Gerd Altmann auf http://www.pixabay.com

Es gibt kein Entkommen mehr: Sogar beim Erstellen eines Blogposts werde ich jetzt von Werbebotschaften angeschrien: Die „Steroid Alternative Deutschland!“ verspricht mir ein Muskelwachstum um 70%, ergänzt auf der rechten Flanke wird das um „1 Tipp Für Einen Flachen Bauch“ (man beachte insbesondere die kreative Form der Großschreibung). Beides untermalt mit hochästhetischen Bildern – geradezu Körperkunst 😉

Und dazwischen der Partygänger (oder wie Mario Kluge mal treffend formulierte der „Adabei“**) des modernen Webs: Wo auch immer was los ist, ist auch ein iPad. Das wird mir für 25 Angström* angeboten. Zumindest halte ich das Gekröse über dem A für einen Ring – kann aber auch was anderes sein. Meine Augen verfügen nicht mehr über die Auflösung, das zu beurteilen. Zuviel Bildschirm wahrscheinlich – und zuviel kleinformatige Werbung.

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Alles nur, weil sie mich lieben

Worüber Heere von Augenärzten und Optikern wahrscheinlich jubilieren, wird für mich als Blogger und Blogleser die Latte des subjektiven Schmerzempfindens wieder mal eine Kategorie höher gelegt. Wahrscheinlich werde ich eine Weile brauchen (wie bei Facebook auch), um das „target advertising“ ignorieren zu lernen.

Damit fällt eine letzte werbefreie Bastion. Und nur weil ich nicht die 18 Dollar für meine persönliche Domain zahle. WordPress war so ein schönes Ding. Altruismus ist schön, aber irgendwann will man ja auch mal Geld verdienen. Hab ich verstanden. Nur die Argumentationen dafür sind schon … gewöhnungsbedürftig. Werfen wir dazu mal einen Blick auf Pinterest.

Das fühlt sich mit mittlerweile 1 Mio. Nutzern in Deutschland und 75 Mio. weltweit auch stark genug, um Werbung einzublenden (Danke für die Info an Jan Firsching). Aber natürlich nicht irgendwelche Werbung. Nein, niemals! Die Werbung wird immer „tasteful“ sein, verspricht mir Ben Silberman, der Gründer von Pinterest. Ich übersetze das mal mit „geschmackvoll“. Sie wird „relevant“ sein, mir also Dinge bieten, die mich jetzt und aktuell interessieren. Und sie wird „optimiert durch mein Feedback“ (das kenne ich schon von Facebook – funktioniert da ganz prima ;-)) beruhen. Aber urteilen Sie selbst:

werbung_pinterest

Wann fallen die letzten Bastionen?

Neben der Kraft von Katzen, Hunden und Pferden (die man freilich niemals unterschätzen sollte), bleiben Körperkult und – dazu passend – Flirtportale offensichtlich die Themen der Stunde im sozialen Web. Bleibt das soziale Web am Ende nur noch eine Werbeplattform? Eine Industrieruine, deren Mauern nur noch als Basis fürs Wildplakatieren dienen? Natürlich nicht, aber das „Ich gebe Geld für Reichweite“-Prinzip wird immer seinen Platz behalten. Guter Content aber auch – nur gibt es davon wahrscheinlich zu wenig. 😉

Als weitere Geschäftsidee empfehle ich WordPress, den Nutzern einen werbefreien premium-Zugang anzubieten. Das macht die Situation auch nicht schlimmer. Bin mal gespannt, wie viele Blogger zu Blogger abwandern. Gerüchteweise nehmen übrigens Londoner Buchmacher jetzt auch die ersten Wetten auf das Fallen des Werbungs-Abwehrbollwerks Wikipedia an. 😉

Mit besten Grüße für das lange Wochenende, kramen wir schnell den Text der Nationalhymne raus
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

* Das Ångström (eigentlich mit einem „bekreisten“ Å) ist eine Begegnung mit meiner Vergangenheit, eine Maßeinheit in der Chemie. Entspricht 0,000 000 000 1 m und ist benannt nach dem schwedischen Physiker Anders Ångström.

** das, die oder der Adabei – der Duden ist sich nicht sicher – ist eine Person, die immer und überall dabei sein muss oder will („auch dabei“, süddeutsch), ohne einen nennenswerten Beitrag zu erbringen. Insbesondere in Meetings in Großkonzernen ist diese Spezies anzutreffen. 😉

Und weil es so schön war, hier noch ein Screenshot aus dem Preview des Blogposts :
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Ein Kommentar

Verfasst von - 2. Oktober 2013 in Social Media

 

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Eine Antwort zu “Social Media: Die Geißel des Blogposters

  1. martinreti

    8. Oktober 2013 at 17:02

    Und da kommt auch Instagram um die Ecke und verspricht uns unterhaltsame Werbung. Ein gutes hat good old Europe dennoch: Wir sind nicht die Versuchskaninchen 😉 http://derstandard.at/1379293045230/Instagram-verspricht-Nutzern-unterhaltsame-Werbung

     

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