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Social Media: Von Vögelchen und Seehunden

10 Okt

Auch heute noch soll es Leute geben, die gerne ihr Geld unter der Matratze horten. Ob sie den Banken misstrauen oder es einfach gerne durch ihre Finger rieseln und auf ihre Glatze prasseln lassen oder darin herum schwimmen wie ein Seehund – ihre Beweggründe kennen nur sie. Sicher aber kann man einen gewissen Hang zum „Echten“, zum „Realen“ diagnostizieren. Für die meisten anderen von uns erscheint diese Attitüde doch sehr antiquiert, unternehmen hie und da sogar ganz Experimentierfreudige Versuche, auf Scheine und Münze komplett zu verzichten (#nocashsummer).

Nicht erst im Windschatten ist das Geld virtuell geworden. Im Grunde genommen macht das Geld mit Kredit- und EC-Karte schon seinen mindestens dritten „Virtualisierungsschritt“ durch: Schon vor der Zeit der Computer gab es Schecks und Wechsel, die auf Basis von Unterschrift und gutem Namen Geldwert darstellten und man sollte auch nicht aus den Augen verlieren, dass Geld selbst schon der Ausdruck von Virtualisierung ist: ein allgemein gültiges Tauschmittel, eine Abstraktion von „echtem Wert“. Denken Sie nur mal an das Material eines Geldscheins. Dennoch war es immer begehrt und leicht zu verlieren – wie uns nicht nur die Postkutschenüberfälle im Wilden Westen lehren. 😉

Virtuelle Sphären verschmelzen

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Ob das Vögelchen auch an der Börse fliegt?
Bild von pixabay.com

Das an virtuellen Werten nicht gerade arme Umfeld der Social Media ist da immer für ein neues Kapitel gut. Im lange währenden Traum der Menschheitsgeschichte, nämlich aus Nichts echtes Geld zu machen, versucht sich aktuell Twitter. Das hat vor dem Hintergrund des eben Geschriebenen fast was Philosophisches oder Musisches, wenn sich sich die zwei Sphären der Virtualität in solche vollkommener Weise vereinen ;-). Aber um es ganz profan auszudrücken: Twitter will an die Börse und dort eine Milliarde Dollar erhalten.

Nur haben weise Regulatoren vor das virtuelle Abkassieren die schöne Tradition der Offenbarung gesetzt. Da wird dem schönen Schein der Spiegel der Realität vorgehalten. Du hast – „wow“ – 2,1 Milliarden Suchanfragen, wächst um 135.000 Accounts pro Tag, gibst 218 Millionen Nutzern Obdach, die Dich zumindest einmal im Monat besuchen und hast während Deines Lebens bereits 419 Millionen Dollar verbrannt, ohne jemals Gewinn gemacht zu haben … mea culpa: Einen Teil dieses Geld habe ich mit meinen gut 3.000 Tweets mitverbrannt. Ich tröste mich damit, dass es schwerere Nutzer gibt, die umsonst 140-Zeichen-Weisheiten in die Welt pusten 😉

Reichweite = Geld?

Dass Reichweite Geld wert ist, wissen wir spätestens, seit wir die Mediadaten diverser Zeitschriften und Zeitungen gelesen haben. (Potenzielle) Reichweite war schon immer ein „Zahlungsmittel“. Twitter versucht nun, die erzielte Reichweite zu monetarisieren, wie das Facebook schon vorexerziert hat. Die Huffington Post, gegen die mancher Blogger derzeit zu Felde zieht, geht den umgekehrten Weg: Sie bezahlt mit Reichweite für die Mitarbeit. Vielleicht kann man eines Tages ja tatsächlich einen Haarschnitt oder eine Tankfüllung mit Reichweite bezahlen.

Das könnte man jetzt ganz prima weiter fabulieren und ein paar absurde Anwendungsbeispiele erfinden. „Geld oder Leben!!!“ – „Äh, ich habe jetzt grad nichts da, aber sie dürfen zwei Tweets an meine 10.000 Follower absetzen.“ „Wow …“ Aber wir sollten bei all dem nicht vergessen, dass diese Währung nur Menschen was bedeutet, die Reichweite auch benötigen. Und vielleicht gibt es da außerhalb der Politik und der Zunft der Marketiers gar nicht so viele. 😉

Reales tut gut

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Aber rechtzeitig anhalten
Bild von Gerd Altmann auf pixabay.com

Irgendwie bleibt schon ein schaler Nachgeschmack bei dieser Total-Virtualisierung. Ich glaube, ich stopfe mal ein paar Scheine unter meine Matratze oder schüttele mein Sparschweinchen. Oder fülle wenigstens meinen Keller mit selbstgemachter Marmelade. Oder ich versuche es alternativ mit bleibenden Werten, die nicht kaputt gehen können. Dazu gibt es ein paar Impulse in Mt 6,19-21. 😉

Falls Sie sich nun immer noch für einen Einstieg bei Twitter interessieren („Vorzugsaktien für alle Tweeter mit mehr als 1000 Followern“ – das wäre mal eine Werbeidee), schauen Sie am besten bei Jeff Bullas vorbei, von dem ich die ganzen Zahlen gestohlen habe. Rein virtuell, versteht sich. Andererseits – vielleicht hat es ja auch Charme, irgendwann behaupten zu können: „Tipp mal twitter.com ein. Siehste, das gehört mir …“ 😉

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

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Verfasst von - 10. Oktober 2013 in Social Media

 

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