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Social Media: Superposition des Marketing

24 Okt
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Foto: Gerd Altmann auf pixabay.com

Superposition – allein schon der Klang des Wortes klingt ein bisschen nach Beschützer der Galaxis. Allein – nur die wenigsten können mit dem Physikkram was anfangen. Wird unsere Welt immer abstrakter? Schrödingers Katze – ja, das war noch ein Bild, mit dem wir was anfangen konnten.

Ich habe neulich meiner Tochter ein Buch geklaut. Und durchgelesen. Darin beschreibt die Physikerin Sonia Fernandez-Vidal in einer Fantasiegeschichte Effekte und Theorien der Relativität und der Quantenmechanik. Unter anderem eben jene Superposition. Und die hat tatsächlich ein bisschen was mit Social Media zu tun. Aber erstmal zur Superposition. Für alle, die es nicht schon längst gegoogelt haben, hier die Wikipedia-Erläuterung – erfreulich wissenschaftlich korrekt (ja, das ist was anderes als in der Social Media ;)):

„Superposition in der Quantenmechanik ist vergleichbar mit der aus der klassischen Wellenlehre, da quantenmechanische Zustände ebenfalls durch Wellenfunktionen beschrieben werden. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass die quantenmechanischen Wellenfunktionen, im Gegensatz zu den klassischen, noch keine „reale“ Bedeutung haben. In der dazu äquivalenten Darstellung mit Zustandsvektoren bedeutet Superposition einfach die Addition (oder Linearkombination) von Vektoren.“

Gott würfelt anscheinend doch😉

Ich versuch’s mal so: Superposition ist wie Mäxle. Dabei wird mit zwei Würfeln verdeckt gewürfelt und das Gebot muss immer höher sein, als das des Vordermanns. Wer das schon mal gespielt hat, der weiß genau, was Superposition ist: Solange ich den Becher noch nicht gehoben habe, ist alles möglich. Erst wenn der Becher gehoben wird, wird eine der vielen Möglichkeiten Realität. Erst dann weiß ich, dass ich keinen 6er-Pasch habe. Physiker gehen also so weit zu behaupten, dass vor dem Abheben so viele Realitäten gleichzeitig existieren, wie es Würfelergebnismöglichkeiten gibt. Und nennen das Superposition.

Social Media vs. klassisches Marketing

Und jetzt ein großer Sprung – in die Realität. Verzeihung, in die nachvollziehbare Realität unseres täglichen Social Media Lebens. Gestern lief über unseren divia-Twitterkanal (den ich hiermit aufs Wärmste empfehle) ein Link auf eine Gegenüberstellung zwischen dem klassischen Marketing und Social Media. Mir ist die, ehrlich gesagt, ein bisschen zu platt. Hier ist natürlich im Social Media Universum alles gut oder zumindest besser als im „klassischen Marketing“. Beispiel gefällig?

„Im klassischen Marketing werden eine bestimmte Sprache sowie eine klare Botschaft definiert. Oftmals besteht die Kommunikation aus klaren, langen Sätzen. Beim Social-Media-Marketing hingegen fehlen diese vorformulierten Floskeln und ausschweifende Beiträge“ – aha.

Wer will, darf sich die Liste gerne anschauen und möglicherweise klingt das ja im englischen Original gar nicht mehr so schlimm. Aber hier werden künstlich Gegensätze aufgebau(sch)t. Auch wenn zwischen Social Media und der klassischen Marketingdenke definitiv Unterschiede bestehen: Die Textlänge und Sprache ist mit Sicherheit nicht das wesentliche Unterscheidungskriterium. Bullshit-Formulierungen – lange wie kurze – gibt es hüben wie drüben. Die Bewertung darüber hängt vom Standpunkt ab. Und vom Wunsch der Abgrenzung …

Mulitple Realitäten

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Möglichkeiten über Möglichkeiten
Foto: Sandra Probst/pixelio.de

Apropo Standpunkt: Wahrheit ist ja etwas höchst Subjektives. Eine Sache, ein Umstand oder sagen wir: ein Unternehmen oder ein Produkt wird ja von jedem Menschen anders wahrgenommen. Für den Mitarbeiter ist es Brötchengeber, Sinnvermittler, Sozialkontaktvermittler, Coole-Produkte-Macher, aber auch Ausbeuter, Drangsalierer, Überstunden-Aufdrücker. Sollen wir mit den Kunden und den Angehörigen, der Geschäftsleitung weitermachen? Ich denke, Sie haben verstanden, auf was ich raus will: Superposition ist doch etwas sehr Reales. Fazit: 100 Menschen, 200 Wahrheiten. Übrigens kann man – wenn man so will – die Dreifaltigkeit auch als Superposition verstehen. Nur dass da noch niemand den Becher gehoben hat😉 Wozu die Physik nicht alles gut ist.

Meine Erfahrung ist: Das klassische Marketing sieht das Sollimage, die eine Wahrheit, das eine Bild, das nach außen transportiert werden soll. Das geht dann bisweilen so weit, dass man sich weigert, andere Realitäten oder Betrachtungsweisen zu akzeptieren und Ihnen Irrealität vorhält. „Wir haben hier doch ein Mäxle!“. Und diese Einstellung hat durchaus auch ihren Sinn und ihre Berechtigung😉

Akzeptanz der Superposition

Die Social Meda akzeptiert hingegen das Superpositionsprinzip, die verschiedenen Wahrheiten und stellt sich auf sie ein. Und versucht im Idealfall Brücken zwischen ihnen zu bauen. Social Media Menschen müssen erkannt haben, dass das Universum komplex ist und dass diese Komplexität spezifischer Pflege bedarf. Und die relevante Realität entsteht, wenn der Becher gehoben wird. Nur, dass ihn allenthalben jemand anderes herumdreht und möglicherweise auf eine Facebookseite, dass „… hier nur Idioten arbeiten …“.😉

Unternehmen, die Social Media aus der „Perspektive der einzigen Wahrheit“ betreiben, machen aus meiner Sicht einen grundlegenden Fehler, weil das Wesen der Social Media mit dem Auftreten des klassischen gelebten Marketing (noch) nicht zusammenpasst. Und überhaupt: Warum sollte man das klassische Marketing gegen die Social Media ausspielen wollen? Wäre es nicht viel cleverer, das Beste voneinander zu lernen?

Mit besten Grüßen
Ihr/Euer
Martin/ Reti

p.s.: Obwohl es ja heißt, dass Cat Content immer zieht, habe ich Schrödingers Katze zugunsten des Würfelbechers geopfert. Sehen Sie’s mir nach. Alle Physiker bitte ich ohnehin um Verzeihung. Und alle anderen sowieso.

 
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Verfasst von - 24. Oktober 2013 in Social Media

 

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