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Social Media: Die Türkei und die Suche nach der Wahrheit

28 Nov
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Zeitlose Frage – in jedem Medium neu

Schon Pontius Pilatus war auf der Suche nach der Wahrheit (Joh. 18,38). Eine Frage, die sich immer wieder aufs Neue stellt. Aktuell stellt Recep Tayyip Erdogan die Frage. Oder besser formuliert – er beantwortet sie auch: Wahrheit ist, was ich denke. Willkommen in der social battle.

Anstatt der 232. Veröffentlichung über den perfekten Post, die ideale Zeit und die besten Tools für Social Media lese ich auch gerne mal was über die Randerscheinungen von Social Media. Zum Beispiel über den Einsatz als Lustkiller oder über markante Bewertungen des sozialen Phänomens. Einer meiner Heroen in letzterer Hinsicht ist der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan. Im Juni muss er wohl festgestellt haben„Es gibt etwas, was sich Twitter nennt – eine Plage. Die größten Lügen sind hier zu finden … für mich sind die sozialen Medien die schlimmste Bedrohung von Gesellschaften“. Das ist mal was anderes als dieses „Ich bin ok, Du bist ok“; das nenne ich eine klare Position. Angesichts einer Person, die vermeintlich auch schon über 2000 Tweets abgesetzt hat, ein wunderbares Paradoxon😉

Wahrheit light

Ich bin geneigt, ihm in seiner Einschätzung zuzustimmen – zumindest teilweise. Denn in der Eile des Mediums und der Kürze der Darstellung wird nicht immer alles richtig und vollständig geschildert, mal ganz abgesehen davon, dass jeder Twitterer tatsächlich nur einen beschränkten (und möglicherweise sehr eigenen) Blick auf die Welt hat. Um nicht zu sagen, dass mancher bewusst die Fakten zu seinen Gunsten „interpretiert“.

Ob die sozialen Medien tatsächlich das gesellschaftliche Übel sind, das er identifiziert hat, wird die Zukunft zeigen müssen. Bis dahin aber wird er mit seiner schnellen Twitter-Eingreiftruppe den social battle im Kampf um die Wahrheit aufnehmen. Wir dürfen gespannt sein, wie das ausgeht. Für mich aber scheint das so, als ob er zumindest die Kraft der sozialen Medien erkannt hat. Und darüber hinaus erkannt hat, dass er mit seinem nicht ganz unbeträchtlichen Einfluss mitspielen kann. Das kennzeichnet damit ganz eindeutig, dass er die sozialen Medien als einen validen Einflussfaktor für die Gesellschaft kennzeichnet, mit dem er sich beschäftigen muss. Vom Teufelszeug zum Instrument – immerhin eine gedankliche Weiterentwicklung. So weit ist in Deutschland noch nicht jeder.

Gedankenwelt im Wandel?

Wer nun denkt, dass sich damit ein fundamentaler Gedankenwandel vollzogen hat, der möge aber mal einen Blick auf sein Twitterprofil werfen, das immer nur mit seinem beständig steigenden Followervolumen wiedergegeben wird. Viel interessanter finde ich die Anzahl der Accounts, denen er selber folgt. Und das sagt doch einiges über sein Verständnis der sozialen Medien:

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 Jogi Löw wäre darüber sicher entzückt: Die Null steht. Nur mal so zum Vergleich das Twitterprofil eines anderen Regierungsoberhaupts

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Austausch oder Megaphon?

Kommunikation lebt nun mal nicht davon, dass alle nur reden, reden, reden. Sondern auch davon, dass zumindest einige zuhören. Mit schierer Masse kritische oder unbequeme Andersdenkende totzubrüllen, war noch nie ein nachhaltiges Rezept für ein gelungenes Miteinander (Sozialirgendwas halt).  Und die Haltung, dass Mittel (oder in diesem Falle: Medien) nur so gut sind, wie sie mir nutzen, ebenso wenig.

Social Media ist – so sehr sich mancher Träumer (wie ich) das wünscht – eben nicht nur eine Haltungsfrage, sondern schlicht und einfach auch ein Terrain der Machtspiele*. Und damit eben auch kein Weltverbesserungsinstrument, sondern lediglich ein Mittel zum Zweck, beispielsweise um den ideologischen Einflussbereich auszudehnen.

East meets west

Außerdem ist unser Verständnis natürlich von unserem westlichen Umgang miteinander geprägt. Diese „Verwestlichung“ trifft nun in anderen Ländern auf andere Kulturen. Und die verstehen das Instrument eben nicht so wie die amerikanischen Erfinder das möglicherweise wollten. Türkisch für Anfänger sozusagen. 

Am Rande Asiens gilt offensichtlich in manchem Kopf noch der Gedanke von einer Welteinteilung in falsch und richtig: „Falsche Informationen aus dem Oppositionslager könnten so durch korrekte und positiv formulierte Informationen korrigiert werden.“ Vielleicht hilft der Disput tatsächlich, die Wahrheit, die ja bekanntlich meist „irgendwo dazwischen“ liegt, zu entdecken. Vielleicht sieht die dann aber nicht so aus, wie der ein oder andere das möchte. Vielleicht gehen die Kontrahenten aufeinander zu. Vielleicht ändert sich dann ja was. Viele Viellleichts – aber man wird ja nochmal träumen dürfen. Denn dann hätten die sozialen Medien doch einem sozialen Zweck gedient.

Mit besten Grüßen
Ihr/Euer
Martin/ Reti

* wobei Macht – und das ist neu – auch durch einen Haufen „Niemande“ entstehen kann😉

 
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Verfasst von - 28. November 2013 in Social Media

 

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