RSS

Social Media: Sehr geehrte Frau Algo

05 Dez
waiter-175124_640

Foto: Romy auf pixabay.com

Maschinen waschen meine Wäsche, sie kochen meinen Tee, sie mähen meinen Rasen – vielleicht zerlegen sie mich oder meine Kinder irgendwann mal in Atome und transportieren uns vom heimischen Sofa in den Urlaub und zurück von der Laufbahn direkt in die Dusche oder schlafen für mich. Fürs Erste übernehmen sie schon mal mein Dasein im sozialen Web.

Social Media – Wo war da nochmal der Vorteil? Achso, in Zeiten, in denen Maschinen uns alles abnehmen (z. B. in den allseits beliebten Hotlines und jetzt auch schon beim Autofahren) konnten wir endlich wieder mit echten Menschen reden, die nicht nur vorgefertigte Algorithmen und Satzfragmente nachkauen, um den Anschein von Intelligenz zu erwecken, sondern wirklich Zeit für uns haben und uns zu helfen versuchen. Und das Beste daran: Manchmal funktioniert das sogar. Das hängt natürlich wesentlich vom Verständnis der sozialen Medien im Unternehmen bzw. bei den betreuenden Menschen ab. Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier bzw. einer anderen Storagepartition.😉

klauseck tweet

Ursprünglich war es nur ein kleines Twitter-Bonmot von Klaus Eck über Algorithmen als Gatekeeper, das meine Gedanken anstieß. Aber dann fiel mein Blick auf den Stammvater der automatisierten Kommunikation: „Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig„. Die Maschinen nehmen uns die Kommunikation ab. Und im digitalen Zeitalter entscheiden sie auch darüber, was wichtig ist (was das Geschäftsmodell von Google begründete).

Digitale Präsenz als Währung

Dazu kommt die Tatsache, dass sich digitale Präsenz immer mehr zu einer Art Währung entwickelt. Es ist wichtig, (hohe) Aktivität auf allerlei Kanälen zu zeigen, um wahrgenommen zu werden. Es erscheint mir ein wenig wie ein ewiger Kreislauf: Immer wenn die Technik (meist in Form der IT) uns neue Erleichterungen und Möglichkeiten bereit stellt, sind wir irgendwann überfordert und … benutzen wiederum technische Lösungen, um mit den Möglichkeiten Schritt zu halten. Insofern ist es tatsächlich konsequent, den nächsten Schritt zu gehen und Maschinen nun auch unsere Kommunikation anzuvertrauen:

Fremdposten ist angesagt😉

Das ist nichts Neues, wird aber in Mountain View sicher noch professioneller angegangen als bei den bisherigen Ansätzen. Da gab es die eher klassische Lösung des menschlichen Social Media Butlers, Verzeihung der Butlerin, und den deutschen Social Sitter, der uns im Urlaub vertritt und wild „liket“ und „sharet“. Google aber wird wohl noch einen draufsetzen mit einem Dienst, der automatisch Statusposts absetzt. Ob der das auch bei Facebook wir tun können, wollen wir mal dahin gestellt lassen.😉

Vorteile en masse

Der Vorteil liegt auf der Hand: Wir müssen nicht mehr selber Zeit investieren, um unsere Spuren im Web zu hinterlassen, die unsere „Online Reputation“ steigern. Das nervige Reden mit anderen Menschen überlassen wir unseren elektronischen Butlern und unser Kloutscore erklimmt ungeahnte Höhen. Na also😉

Letzten Endes unterhalten sich dann unsere „Vertretungsmaschinen“ mit den Maschinen, die über unseren Wert in der algorithmischen Onlinewelt entscheiden. „Der spielt nicht fair“, mag der eine rufen, „Beschiss“, der andere. Das ist nur ein kleines bisschen wie Bitcoins stehlen. Strafbar sicher nicht, anstößig vielleicht. Wirkungsvoll – aber sicher.

Insofern mag der Versuch Googles, das beste Tool für das automatische Posten (vermutlich kostenfrei) auf den Markt werfen zu wollen, ein Befreiungsschlag sein, der dafür sorgen soll, dass „soziale Signale“ echt bleiben. Was wäre einfacher, als die automatisch generierten Posts vom Google-eigenen Tool herauszurechnen?😉  

Überdies hinaus ist das eine erfreuliche Entwicklung, weil die NSA von den so abgegriffenen Informationen nicht den geringsten Nutzen hat oder sie aber wahlweise in einem Google Rechenzentrum vorbeischaut, um die entsprechenden virtuellen Maschinen zu verhaften, die meine Befehle verwalten.😉

Handwerk hat goldenen Boden

Digitale Prominenz auf Knopfdruck – na, das klingt doch. Natürlich haben wir es gerne einfach und kostengünstig, aber warum – nochmal – freuen sich Eltern über die unprofessionellen und ungelenken Bastelprodukte ihrer Kinder, gehen Menschen zur Landmetzgerei statt in den Supermarkt, in ein Restaurant statt zur Pommesbude? Ich vermute, weil sie Industrialisierungsansätze (so effizient für alle Seiten sie sein mögen) satt haben.

Deswegen sehen wir auch gerne mal einen Fehler  – weil wir sehen, dass es Handwerk ist. Individuell. Persönlich. Auch wenn die Maschinen unsere Kommunikation verwalten, ist doch der Wert von Kommunikation immer noch der der Begegnungen von Menschen. Davon bleibe ich zumindest überzeugt. Und man sollte auch damit leben, eben nicht alles tun zu können, alles wissen zu wollen und überall aufzutauchen zu müssen.😉

Ab und zu einen Butler einzusetzen, der mir ein wenig Arbeit abnimmt, um brachliegende Facebook-Profile zu beleben und darbende Twitter-Accounts zwangszubeatmen kann sinnvoll sein. Aber eine Maschine meine Beziehungen pflegen zu lassen – ganz ehrlich – das ist doch ein bisschen daneben. Wichtiger wäre doch zu überlegen, was ich mit meiner Zeit anfangen will. Was Bedeutung für mich hat und auf was ich verzichten kann. Ich verspreche: Wir können den Verzicht überleben😉

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

 
Hinterlasse einen Kommentar

Verfasst von - 5. Dezember 2013 in Social Media

 

Schlagwörter: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

 
%d Bloggern gefällt das: