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Social Media: Big-Data-Nachschub

22 Feb
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Eine Katastrophe?
Bild: pixabay.de / Hans

Man könnte meinen, im Februar 2014 sei die Welt zusammengebrochen. Die Gemüter erhitzen sich an der Übernahme von WhatsApp seitens Facebook.Da ist das „gute“ WhatsApp, das mit einer minimalen jährlichen Nutzungsgebühr schwarze Zahlen schreibt und da ist die „böse“ Datenkrake Facebook, die kein Geld verlangt und uns dafür zielgruppenorientierte Werbung einblendet.

Fakt ist: Beide Dienste sind höchst erfolgreich mit dem, was sie anbieten. Und wenn man die deutschen Nutzerzahlen zugrunde legt, ist WhatsApp mit 30 Mio. monatlichen Nutzern erfolgreicher als Facebook (27 Mio.), dessen Wachstum seit Kurzem etwas schwächelt.Theoretisch könnte damit Facebook zumindest auf deutschem Boden Reichweite gewinnen. Wobei es natürlich interessant wäre zu erfahren, wie viele Nutzer ohnehin schon beide Dienste nutzen. Die Zahl wird nicht ganz unerheblich sein. Immerhin unterhält WhatsApp auch eine ansehnliche Facebook-Präsenz mit knapp 6 Mio. Fans (allerdings weltweit).

Alles rennet, rettet, flüchtet

Eine Stimmung wie kurz vor dem Einsetzen der Sintflut macht sich breit. Facebook kommt und alles rennt davon.

Das wird natürlich kaum die Realität sein. Aber plötzlich schießen WhatsApp-Alternativ-Apps wie die Pilze in einem warmen, feuchten Herbst aus dem Boden. Threema, bislang nur einer eingeschworenen Gruppe von Sicherheitsfreaks bekannt, wird zum sicheren Hafen und verdoppelt innerhalb weniger Tage seine Nutzerzahlen auf immerhin 400.000. Es ist aber schwer vorstellbar, dass Facebook nur um Threemas willen 19 Mrd. Dollar ausgegeben hat.😉

Warum also?

Geht es wirklich nur darum, einen „Konkurrenten aus dem Weg zu räumen“ (Lobo) oder „die Welt noch besser zu vernetzen“ (Zuckerberg). Die Wahrheit liegt dazwischen und hat sicher von beidem etwas. Von der Papierform her ist Zuckerberg vielleicht sogar näher an der Wahrheit. Was auch immer unter „Vernetzen“ zu verstehen ist.

WhatsApp und Facebook haben durchaus unterschiedliche Ansätze für unterschiedliche Kommunikationssituationen: WhatsApp – das ist primär die schnelle E-Mail unter persönlich Bekannten, Facebook – das ist meine eigene Vernissage für öffentliche Besucherscharen. So richtig konkurrenzmäßig erscheint das nicht. WhatsApp ist viel intimer, aber auch viel flüchtiger, was sich daran zeigt, dass bei WhatsApp die Zahl der Rechtschreibfehler die von Facebook nochmals dramatisch toppt😉 (Was kümmert mich mein Post von gestern?)

Wofür also 19 Milliarden? WhatsApp ist wegen dreier Größen sicher ein guter Kauf (nicht nur für Facebook): Die immense Größe mit etwa 450 Mio. aktiven (!) Nutzern, die hohen Wachstumsraten und ein positives Betriebsergebnis. Weiteres Wachstum vorausgesetzt (so wird halt immer gerechnet) – fließen WhatsApp’s kontinuierlich steigende Abogebühren an Facebook. Wie viel das genau ist, wird sich ja irgendwann mal in Facebooks Quartalsberichten zeigen.

Und ob die Aussage des Ex-Geschäftsführers in spe und frisch von Facebooks Gnaden gebackenen Multimilliardärs, Jan Koum, in zwei Jahren noch gilt: „Werbung auf WhatsApp wird es nicht geben“? Wir werden sehen …

Weitere Datenquelle für Big Data

Einen weiteren Mehrwert bringt WhatsApp aber über seine Brautgabe: Die Daten der Nutzer, die auf einem intimeren Kommunikationskanal viel freizügiger reden als öffentlich. Und das macht natürlich die Profilierung von Nutzern viel realistischer. Immerhin sind beide Dienste nicht gerade Vorbilder, was Datenschutz und Datensicherheit angeht – das werden gerade die deutschen Zeigefingerheber nicht müde zu erklären. Und wer annimmt, das die NSA nur Facebook ausspäht, während sie WhatsApp-Nutzer ungeschoren lässt, weil die ja eine jährliche Gebühr bezahlen, nunja …

Ein besseres Targeting für Nutzer in einer „vernetzten Welt“ ist immer noch eher ein Versprechen oder eine Vision ist als eine Realität. Das will ich an einer kleinen Episode aus dem Paralleluniversum Google/Youtube erläutern:

In Ermangelung meines Interesses an Kanälen hat Youtube sich entschlossen, mir einfach einmal ein paar wichtige Kanäle als Abos angedeihen zu lassen. Unter anderem „Rock“ (was angesichts meiner angeschauten Videos gar nicht so falsch ist). Ich weise allerdings auch auf den etwas höher positionierten Andre Rieu hin – knapp unterhalb von Hammerfall-Sänger Joacim Cans😉 und ich gebe darüber hinaus hier offiziell zu Protokoll, dass ich in der Regel weder Katzen- noch Hundevideos anschaue.

demilovato_empfehlung

Auf diesem Abo gab es dann eine Dame namens Demi Lovato, die zwar adrett aussieht, mir aber ansonsten (Asche auf mein Haupt) nicht das Geringste sagt. Also klicke ich mal in diese Aboempfehlung rein …

demilovato_nogo

Ah, das kenn ich doch irgendwo her? Also ganz ehrlich: Wäre das in Zeiten von targeted Dingsbums nicht möglich, diese grundlegende Frage vor einem Vorschlag zu prüfen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich als Deutscher auch in Deutschland ins Web gehe, scheint offenbar dafür zu niedrig zu sein.

Also ein genauerer Blick auf den Kanal „Rock“:

kanal nicht verfügbar_demilovato

Ja, holla … (ohne Worte)

Mit besten Grüßen
Ihr/Euer
Martin/ Reti

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 22. Februar 2014 in Social Media

 

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Eine Antwort zu “Social Media: Big-Data-Nachschub

  1. martinreti

    24. Februar 2014 at 09:02

    Verweis auf einen Artikel, der zwar artikuliert, dass die Nutzer WhatsApp treu bleiben, aber die Kommentare zeichnen ein anderes Bild. Wird spannend sein zu sehen, wie sich das einpendelt, wenn die Wogen sich erstmal wieder glätten. http://derstandard.at/1392686077389/Nach-Kauf-durch-Facebook-Nutzer-bleiben-WhatsApp-treu

     

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