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Cloud Computing – die Dampfmaschine für die IT

11 Apr
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Vielseitig einsetzbare Wolken Bild: pixabay.com

Nachdem ich ja jetzt immer wieder mit dem Thema Cloud zugange bin, werde ich von den Nicht-ITlern immer wieder gefragt, was das ist. Dazu habe ich mal einen kleinen Text geschrieben, bei dem ich ursprünglich bei der Dampfmaschine anfangen wollte – aus naheliegenden Gründen. Zum einen wegen des revolutionären Charakters, zum andern wegen der ausgestoßenen Wolken, die mich direkt zum Thema führen.

Cloud Computing – das klingt … nunja, diffus. Und damit ist der Begriff gar nicht so schlecht gewählt. Und auch das aus wiederum zwei Gründen: Zum einen wird sich kaum eine einheitliche, wissenschaftlich scharfe Definition des Begriffs finden. Zum anderen kennzeichnet Cloud Computing eine Art, IT-Dienste zu produzieren ohne recht zu wissen, wo sie denn herkommen. Und da ist die Herkunftsbezeichnung „aus der Wolke“ gar nicht so falsch gewählt.

Schon längst millionenfach genutzt

Dass Cloud Computing aber etwas höchst Reelles ist, zeigt der Alltag von vielen Millionen Menschen, die Apps auf ihren Smartphones und/oder verschiedene Dienste aus dem Internet auf ihren PCs nutzen: Eine Vielzahl dieser basiert auf Cloud Computing. Eines der bekanntesten Beispiele ist der Onlinehändler Amazon, der zufälligerweise auch als Erfinder des Cloud Computing gilt.

Amazon – der Klassiker

Gerade in Onlineshops zeigt der Besucherandrang sehr große Schwankungen. Denken wir beispielsweise an das bald wieder heraufziehende Osterfest. Viele Menschen werden die Gelegenheit nutzen, um für Freunde und Verwandte Geschenke zu kaufen. Nun ist es aber so, dass große Horden von Interessenten bisweilen Webseiten zum Abstürzen bringen. Mit dem Resultat, dass aus dem geplanten Einkauf nichts wird. Ärgerlich für den Onlinehändler. Amazon möchte sich natürlich ungern die Chance auf Umsatz entgehen lassen und hat entsprechend vorgesorgt. In den Rechenzentren des Unternehmens schlummern riesige Farmen von Servern, die nur auf ihren Einsatz warten. Übersteigt die Last der Anfragen die Fähigkeiten der aktuell aktiven Server, werden flugs weitere Server der Farm „aufgeweckt“. Mit dem Resultat, dass alle Kunden eine funktionstüchtigen Bestellservice vorfinden. Geht dann über die Feiertage die Last nach vollbrachtem Kauf wieder herunter, legen die zusätzlichen Server wieder ein Päuschen ein – bis sie wieder gebraucht werden. Beispielsweise an Weihnachten. Das brachte Amazon auf die Idee, ihre überschüssigen Rechenkapazitäten auch in die Angebotspalette aufzunehmen. Sozusagen IT von der Resterampe. Die Idee des Cloud Computing war geboren.

Diese Art, IT-Ressourcen so bereitzustellen, dass sie sich am tatsächlichen Bedarf orientieren, ist die Kernidee von Cloud Computing. Viele der bekannten Unternehmen aus dem Internet betreiben ihre Auftritte und Geschäftsprozesse mittlerweile auf diese Weise: Facebook, Google, Apple, runtastic … die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Aus der Cloud ist noch lange nicht Cloud Computing

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Bild: pixabay.com

Diese Flexibilität ist das entscheidende Kriterium, doch Techniker verlangen noch weitere Kriterien, damit der Begriff Cloud Computing gerechtfertigt ist: Die erbrachten Leistungen sollen aus Speicher- und Rechenpools über Netzwerke zum Nutzer transportiert werden, also nicht auf dem Endgerät laufen. Diese Bedingung führt auch zum Begriff Cloud Computing. Die Dienste kommen aus der Cloud, dem Synonym für das Internet. Damit nicht genug der Bedingungen: Der Endnutzer sollte die Dienste unmittelbar und ohne wesentliche Hürden nutzen können und die Dienste sollten dem Anspruch der Messbarkeit genügen. D.h. wie viel IT wird für die Bereitstellung einer Leistung benötigt?

Den Privatnutzern eines cloudbasierten Dienstes ist das ziemlich egal. Sie halten es mit der Weisheit, dass nur „das zählt, was hinten rauskommt“. Die Messbarkeit und die Ausrichtung der bereitgestellten IT-Kapazitäten sind aber reizvoll für die potenziellen Nutzer in Unternehmen. Cloud Computing wird damit mehr zu einem Bereitstellungsmodell für IT-Leistungen als zu einem technischen Spielzeug.

In der Vergangenheit haben IT-Anbieter nämlich ihre IT-Investitionen auch an Schätzungen für  Höchstkapazitäten ausgerichtet. Mit dem Resultat, dass ein großer Teil der IT-Infrastruktur betrieben werden musste, ohne einen realen Nutzen davon zu haben. Und das musste das Unternehmen dennoch bezahlen. Mit Cloud Computing befreien sich Unternehmen aus diesem Modus. Sie können IT-Ressourcen dann einkaufen, wenn sie sie brauchen. Langfristige Investitionen und die Bindung von Kapital können dadurch vermieden werden. Stattdessen können notwendige IT-Kapazitäten für Centbeträge  von einem Cloudprovider dann gemietet werden, wenn sie gebraucht werden. Das ist betriebswirtschaftlich durchaus bedeutsam. Außerdem verspricht man sich von einer stärker am Bedarf ausgerichteten IT-Bereitstellung auch einen Umweltschutzaspekt, da der Strombedarf sinkt.

Schöne, neue IT-Welt?

Cloud Computing ist kein gänzlich neues Thema. Das hat den Vorteil, dass es nicht mehr nur durch die rosarote Brille betrachtet wird. Eines der ersten Hindernisse ist der hohe Automatisierungsgrad. Das Auffinden eines menschlichen Ansprechpartners bei einem Cloudanbieter kann Kunden nicht wenig Nerven kosten.

Weitere Kritikpunkte an dem Konzept sind, dass es die Anbieter immer noch nicht geschafft haben, einheitliche Standards zu schaffen. Ich als gestern auf einer Folie, dass es mittlerweile 35 Standardisierungsansätze gibt.  Ein Wechsel des Anbieters ist für die Unternehmen mit großen Aufwand verbunden.

Zugleich muss festgehalten werden, dass das Gros der bekannten Anbieter aus den USA stammt. Daten, die bei ihnen verarbeitet werden, verlassen also potenziell den europäischen Rechtsraum, was bedeutende rechtliche Konsequenzen haben kann. Für die man möglicherweise den Anbieter nicht einmal zur Haftung heranziehen kann. Denn auch hier gilt der Grundsatz: Recht haben, ist noch lange nicht Recht bekommen. Und wahrscheinlich haben nur die wenigsten einen erfahrenen Anwalt für IT-Recht in der englischsprachigen Welt an der Hand. Damit entwickeln sich europäische Anbieter, die möglicherweise ihre Heimat in der Unternehmenswelt und nicht im Consumeruniversum haben, zu echten Alternativen.

Zuletzt ist noch zu beachten, dass die Cloudwelt sich nicht unbedingt mit der existenten Unternehmens-IT-Welt verträgt. Das kann bei Cloud-Einführungsprojekten zu großen Aufwänden führen.

Cloud Computing ist ein ziemlich umfassendes Thema, das einen nicht unerheblichen Einfluss darauf hat und haben wird, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt. Und deswegen ist es vielleicht auch nicht ganz unsinnig, zumindest die grundlegenden Aussagen dazu zu kennen. Und das Cloud nicht nur eine wolkige, theoretische Angelegenheit ist, sollte längst widerlegt sein.

 
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Verfasst von - 11. April 2014 in Cloud Computing

 

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