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Nachhaltigkeit als Managementthema

16 Mai

Am Donnerstag, den 8. Mai durfte ich auf dem Symposium der divia an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen eine Keynote zum Thema Nachhaltigkeit beisteuern. Die Folien gibt es auf Slideshare. Und hier zusätzlich ein paar Gedanken zu den Folien. 

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das sich in der gesellschaftlichen Diskussion etabliert hat. Seien es Essgewohnheiten, Heizanlagen, Autos – wenn man mit Freunden und Bekannten länger redet, kommt man früher oder später auf das Thema auf Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit und Management

Nachhaltigkeit – nur der Traum einer grünen Welt?

Nachhaltigkeit ist aber nicht erst ein Thema erst unserer Tage. Homer berichtet in der Ilias, dass die Trojaner neun Tage lang „Wagen der Lust mit unermesslicher Waldung“ nach Troja führen, um Hektor zu bestatten. Und die Griechen bauen später dann bekanntermaßen das trojanische Pferd – aus Holz. Wer heute in Griechenland oder der Türkei Urlaub macht, wird von diesen unermesslichen Waldungen nicht mehr viel sehen. Heute regiert die Macchie, eine Gestrüpplandschaft. Der Schiffbau der Antike hat „nachhaltig“ seine Spuren im Mittelmeerraum hinterlassen: Verkarstung der Landschaft, das einst feuchte, milde Klima ist dem den Mitteleuropäern wohlbekannten Teutonengrill-Ambiente gewichen.

Was die großen Dichter und Denker nicht bedachten, wenn man Homers Ausführungen nicht als politisches Statement werten will, das haben unsere Vorfahren verinnerlicht – zumindest, wenn es um die Forstwirtschaft geht. Dort wurde das Konzept der nachhaltigen Holzentnahme entwickelt. Und wie das bei erfolgreichen Konzepten aus oder im Umgang mit der Natur immer ist: Wir versuchen sie auch auf das Geschäftsleben anzuwenden.

Nachhaltigkeit – nur grüne Träume?

Die meisten Menschen verbinden mit Nachhaltigkeit grüne Träume und assoziieren sie konsequenterweise auch mit der Farbe grün. Und wie man am Titelbild sieht, bin auch nicht gegen diese Verknüpfung gefeit😉. Doch Umweltschutz, Recycling und Rohstoffeffizienz sind nur ein Teil dessen, was Nachhaltigkeit ausmacht (die ökologische Komponente). Meist schnappt sich jeder die Leckereien aus dem Nachhaltigkeitsbuffet, die zu seinem Geschäft und in seine Situation hinein passen. So ist nachhaltiges Mitarbeitermanagement beispielsweise aktuell auf der Agenda vieler mittelständischer Unternehmen, die sich der demoskopischen Herausforderung des Fachkräftemangels gegenüber sehen.

Nachhaltigkeit ist ein ganzheitliches Managementkonzept, das in seiner ökonomischen Komponente auch pure betriebswirtschaftliche Themen wie Effizienzsteigerung, Kostensenkung und Umsatzsteigerung adressiert oder zumindest verheißt. Häufig werden auch die Bedeutung für die interne und externe Reputation damit assoziiert, mit der sich ein Unternehmen differenziert und gleichzeitig langfristigen, stabile Kunden- und Mitarbeiterbeziehungen (soziale Komponente) entwickelt. Daraus können dann Communities entstehen, die helfen, Innovationen zu entwickeln oder Unternehmensrisiken zu reduzieren.

Nachhaltigkeit als Managementdisziplin

Trotz all dieser Perspektiven hat sich Nachhaltigkeit noch nicht auf breiter Ebene in den Unternehmen etabliert – auch wenn Verbraucher das immer häufiger fordern. Bei Gesprächen mit Unternehmen zeigen sich immer wieder dieselben Argumente gegen Nachhaltigkeit: Es gibt keine Kapazitäten dafür, der Mehrwert wird nicht gesehen, stattdessen die zusätzlichen Kosten. Kurz und gut: Das Thema steht auf der Agenda zu weit unten.

Dabei bietet ein strategischer Einsatz von Nachhaltigkeit bedeutende Perspektiven für die Entwicklung eines Unternehmen. Und zwar dann, wenn nicht nur eine Nachhaltigkeitsstrategie aufgestellt wird, sondern dann, wenn Nachhaltigkeit Bestandteil der Unternehmensstrategie wird. Ein Leitmotiv, an dem das Unternehmen seine langfristig-strategischen und aktuellen operativen Fragestellungen spiegelt und bewertet. Nachhaltigkeit wird dann zu einem Managementkonzept oder gar einer –maxime.

Dazu gehört zunächst eine Haltung, die Nachhaltigkeit fördert und fordert, dann eine Bestandsaufnahme über bestehende Engagements und Möglichkeiten für den Einsatz von Nachhaltigkeit – gibt es einen Kristallisationskeim, den das Unternehmen weiterentwickeln kann? Der nächste Schritt führt zu einer Strategie. Das ist der Kern von Nachhaltigkeit: Unternehmen und Menschen, die nachhaltig handeln, denken strategisch, langfristig. Und dann kommt die Kür des Nachhaltigkeitsmanagements: In einem dynamischen geschäftlichen Umfeld, das die Umsetzung nicht erleichtert, setzt das Unternehmen passende Maßnahmen mit Bezug auf die Langfriststrategie um. Begleitet von Messgrößen, an denen das Unternehmen den Erfolg misst. Allerdings verschafft das Unternehmen seinen Mitarbeiter mit den Werten der Nachhaltigkeit auch einen Handlungsrahmen, in dem sie sich sicher bewegen und Entscheidungen fällen können. Das hat der Vortrag von Speick auf dem Symposium eindrucksvoll aufgezeigt.

Sechs Tipps für den Start

Am Anfang eines nachhaltigen Managements steht ein Blickwinkel, der Nachhaltigkeitsprinzipien einen priorisierten Status einräumt. Nachhaltigkeit muss ein Fokusthema werden. Die Festlegung passender Kennzahlen begleitet diesen Ansatz von Vornherein. Ein Verantwortlicher mit entsprechender Durchsetzungsfähigkeit muss das Thema begleiten und dafür sorgen, dass Nachhaltigkeitsziele in der Unternehmensstrategie verankert werden. Dann sind Unternehmen bereit, gemeinsame Werte für sich und ihr Umfeld zu schaffen. Damit werden Beziehungen zu Partnern und Kunden intensiviert. Und damit wird Nachhaltigkeit zu einer Insel der Sicherheit und der Verlässlichkeit inmitten einer ständig dynamischer werdenden Welt.

Wahrnehmung verändern

Nachhaltigkeit ist zwar ein ideell akzeptierter Anspruch, der aber seinen Business-Mehrwert noch nicht mehrheitlich erklären konnte. Es liegt noch einiges an Überzeugungsarbeit vor den Verfechtern der Nachhaltigkeit. Und zwar nicht hinsichtlich des Weltrettungsgedankens, sondern im Hinblick auf die Bedeutung sowie den harten Mehrwert und Nutzen für den geschäftlichen Einsatz eines Nachhaltigkeitsmanagements.

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trend, sondern eine zukunftsorientierte Strategie. Diese Erkenntnis macht Nachhaltigkeit zu einem Thema, das gekommen ist, um zu bleiben. Nachhaltigkeitsmanagement benötigt aber Strukturen im Unternehmen, Prozesse, Verantwortliche, Kennzahlen – dann wird es ernsthaft bestritten. Und die Kalkulation von der Investition zum Gewinn wird für jedes Unternehmen anders aussehen. Je ernsthafter aber die Haltung des Unternehmens, umso geringer die finanziellen Aufwendungen für die Außendarstellung.

Für alle, die die Folien direkt anschauen wollen:

 
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Verfasst von - 16. Mai 2014 in Sonstiges

 

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