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Und nun auch ich: eiskübel-gechallengt

29 Aug

emperor-penguin-62982_640Und da dachte ich nun, der Kelch bzw. der Eimer ginge an mir vorbei. Aber wozu hat man Freunde … Ich wurde eiskübel-gechallengt – sagt man das so? Die Latte liegt ja hoch. Nach einer durchwachten Nacht, in der ich mir den Kopf zerbrochen habe, wie ich möglichst kreativ auf die Ice Bucket Challenge reagiere – Sprung vom 3er in ein Schwimmbad meiner Wahl oder vom 10er in einen eisgefüllten Putzeimer, alternativ Verteilung eines Eimers Eis am Stiel in einem Waisenhaus – bin ich nun so weit, dass ich auf symbolische Gesten verzichte, an denen die Umwelt vielleicht ihren Spaß hat, aber ansonsten kein weiterer Nutzen entsteht.

Ich wollt, ich wär ein Misanthrop

Da mache ich das mal wie der Christian Buggisch und werfe mal zwei unterschiedliche Blicke auf die Icebucket Challenge. Fangen wir mit der Verweigerungsseite an. Es fühlt sich ein bisschen an wie „Geld oder Leben“. Es stört mich ungeheuerlich, dass ich gezwungen werden soll, mir kaltes Wasser über den Kopf zu gießen (was angesichts des derzeit herrschenden „Sommers“ kein großes Vergnügen ist) oder meinen Geldbeutel aufzumachen. „Ach komm, lass uns Volkslieder singen, schunkeln und Bier bis zur Besinnungslosigkeit trinken“, „Ach, jetzt hab Dich nicht so. Das machen doch alle“. Die Situationen kennen alle von uns, in denen wir uns, um der Gemeinschaft zu dienen, entblöden sollen. Bomm! Und das nächste Ice-Age-Video in meinem Newsfeed! Der soziale Druck kann dann ganz erheblich werden, wenn man nicht gerade ein völliger Misanthrop ist.

Shitstorm – ick hör Dir trapsen

Und dann die potenziellen Gefahren. Ich sage nur: totale Rufvernichtung durch Shitstorm. Das beherrscht ja heute schon jeder 14-Jährige. Überschrift in der Bild: „Diesem Mann ist es egal, dass tausende hilfloser ALS-Opfer sterben“. Das Argument: Sei dabei, weil es alle tun, sollte gerade in Deutschland zweimal überdacht werden. Ich jedenfalls muss nicht dabei sein, nur weil es alle tun. Owei, ich sehe schon eine gewaltbereite Menge militanter Icebuckler vor meiner Tür stehen …

Warum Eiswasser? Warum ein Kübel?

Und ich möchte wenigstens wissen, warum ich mir einen Eimer Eiswasser über den Kopf gießen soll? Ist das so eine Art Symbol oder Zeichen, ein heidnisches Klärungs-Ritual, ein Erkennungszeichen? Oder soll ich einen Moment lang nachempfinden, wie sich ALS anfühlt? Es scheint, als ob keiner genau weiß, woher der „Brauch“ kommt. Startschuss für den aktuellen Hype war aber die Golf Channel Morningshow vom 30. Juni 2014. Dort wurde wohl der Eiseimer das erste Mal instrumentalisiert. Klar, dass das nur die ersten paar Male richtig lustig ist. Irgendwann nutzt sich der Effekt ab und dann muss man sich was Besonderes einfallen lassen. Und so finden Menschen natürlich ihren eigenen Moment des Ruhms. Youtube und Facebook machen’s möglich. Egal wohin,wir gehen mit …

ALS – was ist denn das?

Ok, zweite Frage: Warum ALS? Was ist das? Warum nicht Hilfe für Irak, Syrien, die Ukraine, Krebs, Hunger, Naturkatastrophen? Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine ziemlich seltene Krankheit. Von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr etwa ein bis drei neu, drei bis acht pro 100.000 sind erkrankt. In den USA gab es einige ziemlich prominente Opfer wie Pete Frates oder zumindest Opfer, die prominente Angehörige aus der Sportwelt haben. In Europa ist wohl Supermind Stephen Hawking der bekannteste ALS-Kranke, in Deutschland der Maler Jörg Immendorf. Bei ALS wird das Nervensystem zerstört, das die Muskeln steuert. Bis auf die Augenmuskulator können praktisch alle Muskeln betroffen sein. Häufige Folgen sind die Unfähigkeit zu essen und richtig zu atmen. Dazu kommt die Unfähigkeit sich noch richtig bewegen zu können. Alles in allen keine schöne Aussichten für die Erkrankten. Und es ist es wert, sich für den Kampf gegen die Krankheit zu engagieren. Wir vergeuden ohnehin zu viel Zeit mit unwichtigeren Dingen.

Weil die Krankheit recht selten ist, steht sie auch nicht im Fokus der Forschung. Das würde die geringe Budgetierung erklären. Die Ice Bucket Challenge ruft diese seltene Krankheit nun in das öffentliche Bewusstsein und will gleichzeitig noch über eine Art Crowdfunding Forschungsgelder einsammeln. Die ALS Association in den USA berichtet, dass mittlerweile 80 Mio. Dollar an Spenden zusammen gekommen sind. in Deutschland sind 450 Spenden an die Charité eingegangen. Das berichtet der verlinkte Artikel aus dem Handelsblatt, der auch die Angst des deutschen promis vor dem Eiswasser aufspießt. Ich bin also nicht allein. Tatsache ist: Ich rette kein Leben damit, dass ich mir einen Eiswsser-Kübel über den Kopf kippe. Also: nein!

Spart das Wasser, gebt das Geld

Wie viele Leute nun wegen des Bewusstmachens oder des Spendens zum Eimer greifen, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist es ja auch nur der pure Spaß. Ein Trainer früher empfahl für den individuellen Thrill einen nächtlichen einsamen Waldspaziergang. Der lässt sich aber nur schlecht mit dem iPhone festhalten. Ein Hinweis an alle Icebucket-Challenger sei mir jedoch noch erlaubt: Ihr könntet noch ein bisschen am Ton arbeiten. Und eine Diskussion, dass die nächsten Kriege um das Wasser geführt werden, will ich hier auch nicht aufmachen.

Die Adresse der Charité habe ich hier reingenommen. Denn ich denke, es kommt viel mehr auf die Freiwilligkeit an, als auf den sportlichen Wettkampf. Aber wer’s braucht – naja, besser als gar nicht spenden.

Kasse der Charite
Berliner Sparkasse
IBAN:  DE53100500001270005550
BIC: BELADEBEXXX
*Verwendungszweck: Ice Bucket/89751010

Interessanterweise bringt es der Postillon mit seinem Beitrag auf den Punkt. Ich dachte nicht, dass ich das jemals schreiben würde. Aber man lernt nie aus. Hmm, … eigentlich wenn ich’s bedenke, müsste auch ein Sprung ins Riedener Freibad reichen, um den Anforderungen der Ice Bucket Challenge zu genügen. Wenn mein Herz dabei nicht stehen bleibt. Achso – ich habe gespendet. Aber nächstes Mal lasse ich mir die Pistole nicht mehr auf die Brust setzen.

Und weil es so schön war, habe ich gleich noch was an Campus für Christus gespendet für Flüchtlinge im Irak, die alles verloren haben. Denen kann man nämlich jetzt, direkt und gleich helfen.

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Verfasst von - 29. August 2014 in Social Media, Sonstiges

 

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