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Cloud Computing: Das persönliche Recht auf geschützte Nacktfotos

03 Sep

legs-393263_640Promi-Nacktfotos! Früher war das Codewort dafür, alles stehen und liegen zu lassen noch „Freibier“. Ob es kriminelle Energie ist oder doch nur der Wunsch, auf effizienteste Weise einer technikhörigen Generation den Spiegel vorzuhalten, wird sich wohl nie recht herausfinden lassen. Die Veröffentlichung von einem ordentlichen Paket Nacktfotos weiblicher Promis hat nicht nur den Datenverkehr aufs Neue angekurbelt, sondern auch ein vielfältige Echo im Web und in den Social Media ausgelöst.

Die Unschuld vom Lande

Zweifelsohne – das will ich voranstellen – sind die Damen zu Recht entrüstet und pochen feste auf das Recht am eigenen Bild (und seien sie noch so entblößt). Aber andererseits offenbart das für mich frappierende Ähnlichkeit zu einem Vorfall meiner Jugend. Da hatte ein Freund auf dem Fahrrad ein stehendes Auto (irregulär) rechts passiert. Und wurde durch die geöffnete Tür vom Rad geschleudert. Bei der Gerichtsverhandlung erhielt er 40 Prozent Schuld für den Vorfall, der Autopassagier 60.

Was ich damit sagen will: Eine Überschrift wie „Keine Nacktfotos sind auch keine Lösung„, die x-fach widergekäut wurde, symbolisiert für mich einen dramatischen Mangel an Durchblick. Oder eben wieder nur eine stillschweigende Akzeptanz der Tatsache, dass es völlig normal ist, sich nackt abzulichten und dann die Bilder einer unpersönlichen Cloud anzuvertrauen – im 100%igen Vertrauen darauf, dass schon nichts passieren wird. Wir erwarten ja nur, dass alles so funktioniert, wie wir uns das wünschen. Eine weitere Auseinandersetzung mit dem technischen Brimborium ist nicht nötig. Eine Haltung, die Apple & Co. massiv gefördert haben.

Was? Da sind Kriminelle unterwegs?

Allein in der letzten Woche habe ich (und ich habe nicht gezielt danach gesucht) von drei Hackerangriffe gelesen – wenn wir mal die für die Historie der Welt völlig unbedeutende Promiattacke außen vor lassen. Der erste ging gegen eine Reihe von US-amerikanischen Banken, der zweite gegen norwegische Öl-Unternehmen, der dritte gegen die US-Heimwerkerkette Home Depot. Cyberkriminalität ist ein Wirtschaftsfaktor geworden. Allein in Deutschland entstanden 2013 42,6 Mrd. € Schaden. Die Schätzungen für den weltweiten Schaden belaufen sich auf eine halbe BILLION Dollar. Auch wenn ich davon ausgehe, dass McAfee hier großzügig und bar jeglichen exakten Wissens (weil Cyberkriminelle selten ihre Bücher beim Finanzamt vorlegen) geschätzt hat, sollte sich jeder bewusst sein, dass man heute nicht mehr in den nächtlichen Gassen einer Großstadt rumlungern muss, um überfallen zu werden. Noch ein Hinweis hierzu: Die Superhelden, die in solchen Momenten immer pünktlich auftreten, sind reine Fantasiefiguren.

Man lernt nie aus

Man sollte meinen, dass ein bisschen gesunder Menschenverstand oder wenigstens der Schaden anderer klug macht. Hatten wir nicht die Hoffnung, dass das kollektive Wissen, das wir im Internet anhäufen, uns immer klüger macht? Bereits 2012 war ein Hacker verurteilt worden, der ebenfalls Nacktfotos von Promi-Damen im Netz verbreitet hatte.

Auch wenn das hier niemand lesen wird – zumindest nicht diejenigen, die es sollten: Der einfachste Weg, ein weiteres Nakedgate zu vermeiden, ist, dass ihr aufhört, Euch nackt zu fotografieren. Ganz ehrlich: Wie exhibitionistisch muss man veranlagt sein? Oder steckt dahinter der Wunsch, sich im hohen Alter nochmal vor Augen halten zu können, wie schön wir mal waren? Aber wenn man ich mich schon nicht zurückhalten kann, dann muss ich ja nicht unbedingt ein Handy verwenden, das mir vorher mitgeteilt hat, dass ich alle Daten so schnell wie möglich „mit der Cloud“ synchronisiere, damit ja nichts verloren geht. Immerhin sind ja alle Daten per se schützenswert. Übrigens, Apple, meine Bilder vom Gemeindefest waren damals leider verschollen😉

Bitte Hirn einschalten

Ich verweise an dieser Stelle auf Emma Watson, die die kluge Hermine offenbar nicht nur vorgegaukelt hat: „Ich mache keine Selfies, wenn ich nackt bin.“ Könnte sie ihren Kolleginnen mal ins Poesiealbum schreiben. Oder müssen wir das jetzt unseren Kindern empfehlen?

Ich hege die Hoffnung, dass unser Naked-Promi-Leak etwas Gutes hat: Eine Sensibilisierung dafür

  1. wie wichtig uns diese tragbaren Computer geworden sind, dass wir sie für einfach alles zu jeder Zeit verwenden
  2. welche ungeheure Vertrauenseligkeit wir in die Technik und die großen Technikkonzerne haben
  3. wie wir mit unseren Daten umgehen
  4. wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt

Ah, ich muss jetzt Schluss machen. Ich muss mein tägliches Nacktselfie machen. Oder … vielleicht doch nicht. Ich glaube, damit täte ich weder mir noch der Cloud einen Gefallen😉

Ihr/Euer
Martin/Reti

 
 

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