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Archiv der Kategorie: Social Media

Cloud Computing: Das persönliche Recht auf geschützte Nacktfotos

legs-393263_640Promi-Nacktfotos! Früher war das Codewort dafür, alles stehen und liegen zu lassen noch „Freibier“. Ob es kriminelle Energie ist oder doch nur der Wunsch, auf effizienteste Weise einer technikhörigen Generation den Spiegel vorzuhalten, wird sich wohl nie recht herausfinden lassen. Die Veröffentlichung von einem ordentlichen Paket Nacktfotos weiblicher Promis hat nicht nur den Datenverkehr aufs Neue angekurbelt, sondern auch ein vielfältige Echo im Web und in den Social Media ausgelöst.

Die Unschuld vom Lande

Zweifelsohne – das will ich voranstellen – sind die Damen zu Recht entrüstet und pochen feste auf das Recht am eigenen Bild (und seien sie noch so entblößt). Aber andererseits offenbart das für mich frappierende Ähnlichkeit zu einem Vorfall meiner Jugend. Da hatte ein Freund auf dem Fahrrad ein stehendes Auto (irregulär) rechts passiert. Und wurde durch die geöffnete Tür vom Rad geschleudert. Bei der Gerichtsverhandlung erhielt er 40 Prozent Schuld für den Vorfall, der Autopassagier 60.

Was ich damit sagen will: Eine Überschrift wie „Keine Nacktfotos sind auch keine Lösung„, die x-fach widergekäut wurde, symbolisiert für mich einen dramatischen Mangel an Durchblick. Oder eben wieder nur eine stillschweigende Akzeptanz der Tatsache, dass es völlig normal ist, sich nackt abzulichten und dann die Bilder einer unpersönlichen Cloud anzuvertrauen – im 100%igen Vertrauen darauf, dass schon nichts passieren wird. Wir erwarten ja nur, dass alles so funktioniert, wie wir uns das wünschen. Eine weitere Auseinandersetzung mit dem technischen Brimborium ist nicht nötig. Eine Haltung, die Apple & Co. massiv gefördert haben.

Was? Da sind Kriminelle unterwegs?

Allein in der letzten Woche habe ich (und ich habe nicht gezielt danach gesucht) von drei Hackerangriffe gelesen – wenn wir mal die für die Historie der Welt völlig unbedeutende Promiattacke außen vor lassen. Der erste ging gegen eine Reihe von US-amerikanischen Banken, der zweite gegen norwegische Öl-Unternehmen, der dritte gegen die US-Heimwerkerkette Home Depot. Cyberkriminalität ist ein Wirtschaftsfaktor geworden. Allein in Deutschland entstanden 2013 42,6 Mrd. € Schaden. Die Schätzungen für den weltweiten Schaden belaufen sich auf eine halbe BILLION Dollar. Auch wenn ich davon ausgehe, dass McAfee hier großzügig und bar jeglichen exakten Wissens (weil Cyberkriminelle selten ihre Bücher beim Finanzamt vorlegen) geschätzt hat, sollte sich jeder bewusst sein, dass man heute nicht mehr in den nächtlichen Gassen einer Großstadt rumlungern muss, um überfallen zu werden. Noch ein Hinweis hierzu: Die Superhelden, die in solchen Momenten immer pünktlich auftreten, sind reine Fantasiefiguren.

Man lernt nie aus

Man sollte meinen, dass ein bisschen gesunder Menschenverstand oder wenigstens der Schaden anderer klug macht. Hatten wir nicht die Hoffnung, dass das kollektive Wissen, das wir im Internet anhäufen, uns immer klüger macht? Bereits 2012 war ein Hacker verurteilt worden, der ebenfalls Nacktfotos von Promi-Damen im Netz verbreitet hatte.

Auch wenn das hier niemand lesen wird – zumindest nicht diejenigen, die es sollten: Der einfachste Weg, ein weiteres Nakedgate zu vermeiden, ist, dass ihr aufhört, Euch nackt zu fotografieren. Ganz ehrlich: Wie exhibitionistisch muss man veranlagt sein? Oder steckt dahinter der Wunsch, sich im hohen Alter nochmal vor Augen halten zu können, wie schön wir mal waren? Aber wenn man ich mich schon nicht zurückhalten kann, dann muss ich ja nicht unbedingt ein Handy verwenden, das mir vorher mitgeteilt hat, dass ich alle Daten so schnell wie möglich „mit der Cloud“ synchronisiere, damit ja nichts verloren geht. Immerhin sind ja alle Daten per se schützenswert. Übrigens, Apple, meine Bilder vom Gemeindefest waren damals leider verschollen 😉

Bitte Hirn einschalten

Ich verweise an dieser Stelle auf Emma Watson, die die kluge Hermine offenbar nicht nur vorgegaukelt hat: „Ich mache keine Selfies, wenn ich nackt bin.“ Könnte sie ihren Kolleginnen mal ins Poesiealbum schreiben. Oder müssen wir das jetzt unseren Kindern empfehlen?

Ich hege die Hoffnung, dass unser Naked-Promi-Leak etwas Gutes hat: Eine Sensibilisierung dafür

  1. wie wichtig uns diese tragbaren Computer geworden sind, dass wir sie für einfach alles zu jeder Zeit verwenden
  2. welche ungeheure Vertrauenseligkeit wir in die Technik und die großen Technikkonzerne haben
  3. wie wir mit unseren Daten umgehen
  4. wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt

Ah, ich muss jetzt Schluss machen. Ich muss mein tägliches Nacktselfie machen. Oder … vielleicht doch nicht. Ich glaube, damit täte ich weder mir noch der Cloud einen Gefallen 😉

Ihr/Euer
Martin/Reti

 
 

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Und nun auch ich: eiskübel-gechallengt

emperor-penguin-62982_640Und da dachte ich nun, der Kelch bzw. der Eimer ginge an mir vorbei. Aber wozu hat man Freunde … Ich wurde eiskübel-gechallengt – sagt man das so? Die Latte liegt ja hoch. Nach einer durchwachten Nacht, in der ich mir den Kopf zerbrochen habe, wie ich möglichst kreativ auf die Ice Bucket Challenge reagiere – Sprung vom 3er in ein Schwimmbad meiner Wahl oder vom 10er in einen eisgefüllten Putzeimer, alternativ Verteilung eines Eimers Eis am Stiel in einem Waisenhaus – bin ich nun so weit, dass ich auf symbolische Gesten verzichte, an denen die Umwelt vielleicht ihren Spaß hat, aber ansonsten kein weiterer Nutzen entsteht.

Ich wollt, ich wär ein Misanthrop

Da mache ich das mal wie der Christian Buggisch und werfe mal zwei unterschiedliche Blicke auf die Icebucket Challenge. Fangen wir mit der Verweigerungsseite an. Es fühlt sich ein bisschen an wie „Geld oder Leben“. Es stört mich ungeheuerlich, dass ich gezwungen werden soll, mir kaltes Wasser über den Kopf zu gießen (was angesichts des derzeit herrschenden „Sommers“ kein großes Vergnügen ist) oder meinen Geldbeutel aufzumachen. „Ach komm, lass uns Volkslieder singen, schunkeln und Bier bis zur Besinnungslosigkeit trinken“, „Ach, jetzt hab Dich nicht so. Das machen doch alle“. Die Situationen kennen alle von uns, in denen wir uns, um der Gemeinschaft zu dienen, entblöden sollen. Bomm! Und das nächste Ice-Age-Video in meinem Newsfeed! Der soziale Druck kann dann ganz erheblich werden, wenn man nicht gerade ein völliger Misanthrop ist.

Shitstorm – ick hör Dir trapsen

Und dann die potenziellen Gefahren. Ich sage nur: totale Rufvernichtung durch Shitstorm. Das beherrscht ja heute schon jeder 14-Jährige. Überschrift in der Bild: „Diesem Mann ist es egal, dass tausende hilfloser ALS-Opfer sterben“. Das Argument: Sei dabei, weil es alle tun, sollte gerade in Deutschland zweimal überdacht werden. Ich jedenfalls muss nicht dabei sein, nur weil es alle tun. Owei, ich sehe schon eine gewaltbereite Menge militanter Icebuckler vor meiner Tür stehen …

Warum Eiswasser? Warum ein Kübel?

Und ich möchte wenigstens wissen, warum ich mir einen Eimer Eiswasser über den Kopf gießen soll? Ist das so eine Art Symbol oder Zeichen, ein heidnisches Klärungs-Ritual, ein Erkennungszeichen? Oder soll ich einen Moment lang nachempfinden, wie sich ALS anfühlt? Es scheint, als ob keiner genau weiß, woher der „Brauch“ kommt. Startschuss für den aktuellen Hype war aber die Golf Channel Morningshow vom 30. Juni 2014. Dort wurde wohl der Eiseimer das erste Mal instrumentalisiert. Klar, dass das nur die ersten paar Male richtig lustig ist. Irgendwann nutzt sich der Effekt ab und dann muss man sich was Besonderes einfallen lassen. Und so finden Menschen natürlich ihren eigenen Moment des Ruhms. Youtube und Facebook machen’s möglich. Egal wohin,wir gehen mit …

ALS – was ist denn das?

Ok, zweite Frage: Warum ALS? Was ist das? Warum nicht Hilfe für Irak, Syrien, die Ukraine, Krebs, Hunger, Naturkatastrophen? Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine ziemlich seltene Krankheit. Von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr etwa ein bis drei neu, drei bis acht pro 100.000 sind erkrankt. In den USA gab es einige ziemlich prominente Opfer wie Pete Frates oder zumindest Opfer, die prominente Angehörige aus der Sportwelt haben. In Europa ist wohl Supermind Stephen Hawking der bekannteste ALS-Kranke, in Deutschland der Maler Jörg Immendorf. Bei ALS wird das Nervensystem zerstört, das die Muskeln steuert. Bis auf die Augenmuskulator können praktisch alle Muskeln betroffen sein. Häufige Folgen sind die Unfähigkeit zu essen und richtig zu atmen. Dazu kommt die Unfähigkeit sich noch richtig bewegen zu können. Alles in allen keine schöne Aussichten für die Erkrankten. Und es ist es wert, sich für den Kampf gegen die Krankheit zu engagieren. Wir vergeuden ohnehin zu viel Zeit mit unwichtigeren Dingen.

Weil die Krankheit recht selten ist, steht sie auch nicht im Fokus der Forschung. Das würde die geringe Budgetierung erklären. Die Ice Bucket Challenge ruft diese seltene Krankheit nun in das öffentliche Bewusstsein und will gleichzeitig noch über eine Art Crowdfunding Forschungsgelder einsammeln. Die ALS Association in den USA berichtet, dass mittlerweile 80 Mio. Dollar an Spenden zusammen gekommen sind. in Deutschland sind 450 Spenden an die Charité eingegangen. Das berichtet der verlinkte Artikel aus dem Handelsblatt, der auch die Angst des deutschen promis vor dem Eiswasser aufspießt. Ich bin also nicht allein. Tatsache ist: Ich rette kein Leben damit, dass ich mir einen Eiswsser-Kübel über den Kopf kippe. Also: nein!

Spart das Wasser, gebt das Geld

Wie viele Leute nun wegen des Bewusstmachens oder des Spendens zum Eimer greifen, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist es ja auch nur der pure Spaß. Ein Trainer früher empfahl für den individuellen Thrill einen nächtlichen einsamen Waldspaziergang. Der lässt sich aber nur schlecht mit dem iPhone festhalten. Ein Hinweis an alle Icebucket-Challenger sei mir jedoch noch erlaubt: Ihr könntet noch ein bisschen am Ton arbeiten. Und eine Diskussion, dass die nächsten Kriege um das Wasser geführt werden, will ich hier auch nicht aufmachen.

Die Adresse der Charité habe ich hier reingenommen. Denn ich denke, es kommt viel mehr auf die Freiwilligkeit an, als auf den sportlichen Wettkampf. Aber wer’s braucht – naja, besser als gar nicht spenden.

Kasse der Charite
Berliner Sparkasse
IBAN:  DE53100500001270005550
BIC: BELADEBEXXX
*Verwendungszweck: Ice Bucket/89751010

Interessanterweise bringt es der Postillon mit seinem Beitrag auf den Punkt. Ich dachte nicht, dass ich das jemals schreiben würde. Aber man lernt nie aus. Hmm, … eigentlich wenn ich’s bedenke, müsste auch ein Sprung ins Riedener Freibad reichen, um den Anforderungen der Ice Bucket Challenge zu genügen. Wenn mein Herz dabei nicht stehen bleibt. Achso – ich habe gespendet. Aber nächstes Mal lasse ich mir die Pistole nicht mehr auf die Brust setzen.

Und weil es so schön war, habe ich gleich noch was an Campus für Christus gespendet für Flüchtlinge im Irak, die alles verloren haben. Denen kann man nämlich jetzt, direkt und gleich helfen.

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Verfasst von - 29. August 2014 in Social Media, Sonstiges

 

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60 Sekunden im Internet – Infografik

Digitale Transformation klingt ein wenig abgehoben. Aber wenn man so ein Schlagwort mit Zahlen hinterlegt, sind wir immer beeindruckt und können ermessen, was das Internet in den knapp 25 Jahren seines Bestehens verändert hat. 1993 wurde laut Wikipedia lediglich ein Prozent der globalen Information über das Internet transportiert, im Jahr 2007 waren es 97 Prozent.

Die Welt wird digital

Mit dem Internet sind Unternehmen wie Google, Amazon, eBay groß geworden. Und die schicken sich von ihrer Bastion aus an, auch den realen Teil der Welt immer stärker zu beeinflussen. Zu ihnen gesellen sich weitere neue Spieler, von denen man aber nicht weiß, ob sie sich durchsetzen werden. Ihnen allen gemein ist, dass sie im Moment eine relevante Bedeutung erzielt haben, die sich mit Zahlen gut untermalen lässt.

Wer etwas Zeit mitgebracht hat, darf gerne nachvollziehen, wie wir zu unseren Zahlen gekommen sind und welche Quellen wir bemüht haben. Dann kann er sich selber ein Bild von deren Glaubwürdigkeit zu machen, denn mehr denn je gilt heute das Bonmot von Marcel Achard: „Es gibt zwei Steigerungsformen der Lüge: die Diplomatie und die Statistik“.

Die ausführliche Diskussion der Zahlenqualität findet sich im divia-Blog.

divia_Infografik_60_sekunden

 
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Verfasst von - 18. August 2014 in Social Media

 

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Evgeny Morozovs Kritik am Internetdiskurs

Philippe Wampfler über Evgeny Morozovs Buch „Ta Save Everything, Click Here“. Sicher nicht uninteressant, das Internet mal aus großer Flughöhe zu beleuchten. Technik kann hilfreich sein, aber sollte niemals Mittel zum Zweck werden.

Und da beweist die Technik auch prompt, dass sie nicht immer ganz verlässlich ist. Eigentlich sollte das ein Reblog werden. Aber naja, man kann den Link ja auch von Hand einfügen http://schulesocialmedia.com/2014/04/27/evgeny-morozovs-kritik-am-internetdiskurs/

Schule Social Media

In seinem Buch To save everything, click here untersucht Evgeny Morozov das Internet als Idee. Um zu markieren, dass er nicht ein technisches Netzwerk meint, sondern ein gedankliches Konstrukt, markiert er Internet fast durchgängig mit Anführungszeichen. Zu Beginn von Kapitel 2 stellt der Autor fest, heute könne man mit »Internet« »just about anything« bezeichnen – der Begriff ist beliebig geworden. Getrieben von dieser Einsicht, untersucht Morozov zwei Phänomene. Das erste nennt er »Internet-centrism«: Die Vorstellung, dass eine Art Revolution erfolge, deren Auswirkung auf alle Bereiche des Lebens nur verstanden werden könne, wenn das »Internet« im Mittelpunkt der Analyse stehe. Diese Vorstellung bezeichnet Morozov mehrfach als religiöse, weil sie von Selbstverständlichkeiten und Sachzwängen ausgehe, die nur akzeptiert, wer an die Idee »Internet« glaube.

Quelle FAZ - Interview mit Morozov Quelle FAZ – Interview mit Morozov

Mit dem Glaube des »Internet-centrism« hängt für Morozov ein zweites Phänomen zusammen, der »Solutionism«. »Solutionism interprets issues as puzzles to which there…

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Verfasst von - 29. April 2014 in Social Media

 

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11 Millionen oder eine halbe Million? Wie viele Twitter-Nutzer gibt es in Deutschland?

11 Millionen oder eine halbe Million? Wie viele Twitter-Nutzer gibt es in Deutschland?

Eine schöne Zusammenstellung von Christian Buggisch über die Größe von Twitter. Und wieder einmal mehr manifestiert sich die Tatsache, dass die Schönheit (oder die Bedeutung, die Größe …) im Auge des Betrachters liegt.

Christian Buggischs Blog

Wie viele Twitter-Nutzer gibt es in Deutschland? Auf diese einfache Frage gibt es viel Diskussion und leider keine einfache Antwort. Warum das so ist, habe ich mir mal im Detail angesehen …

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Verfasst von - 24. März 2014 in Social Media

 

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