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Archiv der Kategorie: Social Media

Cloud Computing: Das persönliche Recht auf geschützte Nacktfotos

legs-393263_640Promi-Nacktfotos! Früher war das Codewort dafür, alles stehen und liegen zu lassen noch „Freibier“. Ob es kriminelle Energie ist oder doch nur der Wunsch, auf effizienteste Weise einer technikhörigen Generation den Spiegel vorzuhalten, wird sich wohl nie recht herausfinden lassen. Die Veröffentlichung von einem ordentlichen Paket Nacktfotos weiblicher Promis hat nicht nur den Datenverkehr aufs Neue angekurbelt, sondern auch ein vielfältige Echo im Web und in den Social Media ausgelöst.

Die Unschuld vom Lande

Zweifelsohne – das will ich voranstellen – sind die Damen zu Recht entrüstet und pochen feste auf das Recht am eigenen Bild (und seien sie noch so entblößt). Aber andererseits offenbart das für mich frappierende Ähnlichkeit zu einem Vorfall meiner Jugend. Da hatte ein Freund auf dem Fahrrad ein stehendes Auto (irregulär) rechts passiert. Und wurde durch die geöffnete Tür vom Rad geschleudert. Bei der Gerichtsverhandlung erhielt er 40 Prozent Schuld für den Vorfall, der Autopassagier 60.

Was ich damit sagen will: Eine Überschrift wie „Keine Nacktfotos sind auch keine Lösung„, die x-fach widergekäut wurde, symbolisiert für mich einen dramatischen Mangel an Durchblick. Oder eben wieder nur eine stillschweigende Akzeptanz der Tatsache, dass es völlig normal ist, sich nackt abzulichten und dann die Bilder einer unpersönlichen Cloud anzuvertrauen – im 100%igen Vertrauen darauf, dass schon nichts passieren wird. Wir erwarten ja nur, dass alles so funktioniert, wie wir uns das wünschen. Eine weitere Auseinandersetzung mit dem technischen Brimborium ist nicht nötig. Eine Haltung, die Apple & Co. massiv gefördert haben.

Was? Da sind Kriminelle unterwegs?

Allein in der letzten Woche habe ich (und ich habe nicht gezielt danach gesucht) von drei Hackerangriffe gelesen – wenn wir mal die für die Historie der Welt völlig unbedeutende Promiattacke außen vor lassen. Der erste ging gegen eine Reihe von US-amerikanischen Banken, der zweite gegen norwegische Öl-Unternehmen, der dritte gegen die US-Heimwerkerkette Home Depot. Cyberkriminalität ist ein Wirtschaftsfaktor geworden. Allein in Deutschland entstanden 2013 42,6 Mrd. € Schaden. Die Schätzungen für den weltweiten Schaden belaufen sich auf eine halbe BILLION Dollar. Auch wenn ich davon ausgehe, dass McAfee hier großzügig und bar jeglichen exakten Wissens (weil Cyberkriminelle selten ihre Bücher beim Finanzamt vorlegen) geschätzt hat, sollte sich jeder bewusst sein, dass man heute nicht mehr in den nächtlichen Gassen einer Großstadt rumlungern muss, um überfallen zu werden. Noch ein Hinweis hierzu: Die Superhelden, die in solchen Momenten immer pünktlich auftreten, sind reine Fantasiefiguren.

Man lernt nie aus

Man sollte meinen, dass ein bisschen gesunder Menschenverstand oder wenigstens der Schaden anderer klug macht. Hatten wir nicht die Hoffnung, dass das kollektive Wissen, das wir im Internet anhäufen, uns immer klüger macht? Bereits 2012 war ein Hacker verurteilt worden, der ebenfalls Nacktfotos von Promi-Damen im Netz verbreitet hatte.

Auch wenn das hier niemand lesen wird – zumindest nicht diejenigen, die es sollten: Der einfachste Weg, ein weiteres Nakedgate zu vermeiden, ist, dass ihr aufhört, Euch nackt zu fotografieren. Ganz ehrlich: Wie exhibitionistisch muss man veranlagt sein? Oder steckt dahinter der Wunsch, sich im hohen Alter nochmal vor Augen halten zu können, wie schön wir mal waren? Aber wenn man ich mich schon nicht zurückhalten kann, dann muss ich ja nicht unbedingt ein Handy verwenden, das mir vorher mitgeteilt hat, dass ich alle Daten so schnell wie möglich „mit der Cloud“ synchronisiere, damit ja nichts verloren geht. Immerhin sind ja alle Daten per se schützenswert. Übrigens, Apple, meine Bilder vom Gemeindefest waren damals leider verschollen 😉

Bitte Hirn einschalten

Ich verweise an dieser Stelle auf Emma Watson, die die kluge Hermine offenbar nicht nur vorgegaukelt hat: „Ich mache keine Selfies, wenn ich nackt bin.“ Könnte sie ihren Kolleginnen mal ins Poesiealbum schreiben. Oder müssen wir das jetzt unseren Kindern empfehlen?

Ich hege die Hoffnung, dass unser Naked-Promi-Leak etwas Gutes hat: Eine Sensibilisierung dafür

  1. wie wichtig uns diese tragbaren Computer geworden sind, dass wir sie für einfach alles zu jeder Zeit verwenden
  2. welche ungeheure Vertrauenseligkeit wir in die Technik und die großen Technikkonzerne haben
  3. wie wir mit unseren Daten umgehen
  4. wohin sich unsere Gesellschaft entwickelt

Ah, ich muss jetzt Schluss machen. Ich muss mein tägliches Nacktselfie machen. Oder … vielleicht doch nicht. Ich glaube, damit täte ich weder mir noch der Cloud einen Gefallen 😉

Ihr/Euer
Martin/Reti

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Und nun auch ich: eiskübel-gechallengt

emperor-penguin-62982_640Und da dachte ich nun, der Kelch bzw. der Eimer ginge an mir vorbei. Aber wozu hat man Freunde … Ich wurde eiskübel-gechallengt – sagt man das so? Die Latte liegt ja hoch. Nach einer durchwachten Nacht, in der ich mir den Kopf zerbrochen habe, wie ich möglichst kreativ auf die Ice Bucket Challenge reagiere – Sprung vom 3er in ein Schwimmbad meiner Wahl oder vom 10er in einen eisgefüllten Putzeimer, alternativ Verteilung eines Eimers Eis am Stiel in einem Waisenhaus – bin ich nun so weit, dass ich auf symbolische Gesten verzichte, an denen die Umwelt vielleicht ihren Spaß hat, aber ansonsten kein weiterer Nutzen entsteht.

Ich wollt, ich wär ein Misanthrop

Da mache ich das mal wie der Christian Buggisch und werfe mal zwei unterschiedliche Blicke auf die Icebucket Challenge. Fangen wir mit der Verweigerungsseite an. Es fühlt sich ein bisschen an wie „Geld oder Leben“. Es stört mich ungeheuerlich, dass ich gezwungen werden soll, mir kaltes Wasser über den Kopf zu gießen (was angesichts des derzeit herrschenden „Sommers“ kein großes Vergnügen ist) oder meinen Geldbeutel aufzumachen. „Ach komm, lass uns Volkslieder singen, schunkeln und Bier bis zur Besinnungslosigkeit trinken“, „Ach, jetzt hab Dich nicht so. Das machen doch alle“. Die Situationen kennen alle von uns, in denen wir uns, um der Gemeinschaft zu dienen, entblöden sollen. Bomm! Und das nächste Ice-Age-Video in meinem Newsfeed! Der soziale Druck kann dann ganz erheblich werden, wenn man nicht gerade ein völliger Misanthrop ist.

Shitstorm – ick hör Dir trapsen

Und dann die potenziellen Gefahren. Ich sage nur: totale Rufvernichtung durch Shitstorm. Das beherrscht ja heute schon jeder 14-Jährige. Überschrift in der Bild: „Diesem Mann ist es egal, dass tausende hilfloser ALS-Opfer sterben“. Das Argument: Sei dabei, weil es alle tun, sollte gerade in Deutschland zweimal überdacht werden. Ich jedenfalls muss nicht dabei sein, nur weil es alle tun. Owei, ich sehe schon eine gewaltbereite Menge militanter Icebuckler vor meiner Tür stehen …

Warum Eiswasser? Warum ein Kübel?

Und ich möchte wenigstens wissen, warum ich mir einen Eimer Eiswasser über den Kopf gießen soll? Ist das so eine Art Symbol oder Zeichen, ein heidnisches Klärungs-Ritual, ein Erkennungszeichen? Oder soll ich einen Moment lang nachempfinden, wie sich ALS anfühlt? Es scheint, als ob keiner genau weiß, woher der „Brauch“ kommt. Startschuss für den aktuellen Hype war aber die Golf Channel Morningshow vom 30. Juni 2014. Dort wurde wohl der Eiseimer das erste Mal instrumentalisiert. Klar, dass das nur die ersten paar Male richtig lustig ist. Irgendwann nutzt sich der Effekt ab und dann muss man sich was Besonderes einfallen lassen. Und so finden Menschen natürlich ihren eigenen Moment des Ruhms. Youtube und Facebook machen’s möglich. Egal wohin,wir gehen mit …

ALS – was ist denn das?

Ok, zweite Frage: Warum ALS? Was ist das? Warum nicht Hilfe für Irak, Syrien, die Ukraine, Krebs, Hunger, Naturkatastrophen? Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine ziemlich seltene Krankheit. Von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr etwa ein bis drei neu, drei bis acht pro 100.000 sind erkrankt. In den USA gab es einige ziemlich prominente Opfer wie Pete Frates oder zumindest Opfer, die prominente Angehörige aus der Sportwelt haben. In Europa ist wohl Supermind Stephen Hawking der bekannteste ALS-Kranke, in Deutschland der Maler Jörg Immendorf. Bei ALS wird das Nervensystem zerstört, das die Muskeln steuert. Bis auf die Augenmuskulator können praktisch alle Muskeln betroffen sein. Häufige Folgen sind die Unfähigkeit zu essen und richtig zu atmen. Dazu kommt die Unfähigkeit sich noch richtig bewegen zu können. Alles in allen keine schöne Aussichten für die Erkrankten. Und es ist es wert, sich für den Kampf gegen die Krankheit zu engagieren. Wir vergeuden ohnehin zu viel Zeit mit unwichtigeren Dingen.

Weil die Krankheit recht selten ist, steht sie auch nicht im Fokus der Forschung. Das würde die geringe Budgetierung erklären. Die Ice Bucket Challenge ruft diese seltene Krankheit nun in das öffentliche Bewusstsein und will gleichzeitig noch über eine Art Crowdfunding Forschungsgelder einsammeln. Die ALS Association in den USA berichtet, dass mittlerweile 80 Mio. Dollar an Spenden zusammen gekommen sind. in Deutschland sind 450 Spenden an die Charité eingegangen. Das berichtet der verlinkte Artikel aus dem Handelsblatt, der auch die Angst des deutschen promis vor dem Eiswasser aufspießt. Ich bin also nicht allein. Tatsache ist: Ich rette kein Leben damit, dass ich mir einen Eiswsser-Kübel über den Kopf kippe. Also: nein!

Spart das Wasser, gebt das Geld

Wie viele Leute nun wegen des Bewusstmachens oder des Spendens zum Eimer greifen, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist es ja auch nur der pure Spaß. Ein Trainer früher empfahl für den individuellen Thrill einen nächtlichen einsamen Waldspaziergang. Der lässt sich aber nur schlecht mit dem iPhone festhalten. Ein Hinweis an alle Icebucket-Challenger sei mir jedoch noch erlaubt: Ihr könntet noch ein bisschen am Ton arbeiten. Und eine Diskussion, dass die nächsten Kriege um das Wasser geführt werden, will ich hier auch nicht aufmachen.

Die Adresse der Charité habe ich hier reingenommen. Denn ich denke, es kommt viel mehr auf die Freiwilligkeit an, als auf den sportlichen Wettkampf. Aber wer’s braucht – naja, besser als gar nicht spenden.

Kasse der Charite
Berliner Sparkasse
IBAN:  DE53100500001270005550
BIC: BELADEBEXXX
*Verwendungszweck: Ice Bucket/89751010

Interessanterweise bringt es der Postillon mit seinem Beitrag auf den Punkt. Ich dachte nicht, dass ich das jemals schreiben würde. Aber man lernt nie aus. Hmm, … eigentlich wenn ich’s bedenke, müsste auch ein Sprung ins Riedener Freibad reichen, um den Anforderungen der Ice Bucket Challenge zu genügen. Wenn mein Herz dabei nicht stehen bleibt. Achso – ich habe gespendet. Aber nächstes Mal lasse ich mir die Pistole nicht mehr auf die Brust setzen.

Und weil es so schön war, habe ich gleich noch was an Campus für Christus gespendet für Flüchtlinge im Irak, die alles verloren haben. Denen kann man nämlich jetzt, direkt und gleich helfen.

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Verfasst von - 29. August 2014 in Social Media, Sonstiges

 

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60 Sekunden im Internet – Infografik

Digitale Transformation klingt ein wenig abgehoben. Aber wenn man so ein Schlagwort mit Zahlen hinterlegt, sind wir immer beeindruckt und können ermessen, was das Internet in den knapp 25 Jahren seines Bestehens verändert hat. 1993 wurde laut Wikipedia lediglich ein Prozent der globalen Information über das Internet transportiert, im Jahr 2007 waren es 97 Prozent.

Die Welt wird digital

Mit dem Internet sind Unternehmen wie Google, Amazon, eBay groß geworden. Und die schicken sich von ihrer Bastion aus an, auch den realen Teil der Welt immer stärker zu beeinflussen. Zu ihnen gesellen sich weitere neue Spieler, von denen man aber nicht weiß, ob sie sich durchsetzen werden. Ihnen allen gemein ist, dass sie im Moment eine relevante Bedeutung erzielt haben, die sich mit Zahlen gut untermalen lässt.

Wer etwas Zeit mitgebracht hat, darf gerne nachvollziehen, wie wir zu unseren Zahlen gekommen sind und welche Quellen wir bemüht haben. Dann kann er sich selber ein Bild von deren Glaubwürdigkeit zu machen, denn mehr denn je gilt heute das Bonmot von Marcel Achard: „Es gibt zwei Steigerungsformen der Lüge: die Diplomatie und die Statistik“.

Die ausführliche Diskussion der Zahlenqualität findet sich im divia-Blog.

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Verfasst von - 18. August 2014 in Social Media

 

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Evgeny Morozovs Kritik am Internetdiskurs

Philippe Wampfler über Evgeny Morozovs Buch „Ta Save Everything, Click Here“. Sicher nicht uninteressant, das Internet mal aus großer Flughöhe zu beleuchten. Technik kann hilfreich sein, aber sollte niemals Mittel zum Zweck werden.

Und da beweist die Technik auch prompt, dass sie nicht immer ganz verlässlich ist. Eigentlich sollte das ein Reblog werden. Aber naja, man kann den Link ja auch von Hand einfügen http://schulesocialmedia.com/2014/04/27/evgeny-morozovs-kritik-am-internetdiskurs/

Schule Social Media

In seinem Buch To save everything, click here untersucht Evgeny Morozov das Internet als Idee. Um zu markieren, dass er nicht ein technisches Netzwerk meint, sondern ein gedankliches Konstrukt, markiert er Internet fast durchgängig mit Anführungszeichen. Zu Beginn von Kapitel 2 stellt der Autor fest, heute könne man mit »Internet« »just about anything« bezeichnen – der Begriff ist beliebig geworden. Getrieben von dieser Einsicht, untersucht Morozov zwei Phänomene. Das erste nennt er »Internet-centrism«: Die Vorstellung, dass eine Art Revolution erfolge, deren Auswirkung auf alle Bereiche des Lebens nur verstanden werden könne, wenn das »Internet« im Mittelpunkt der Analyse stehe. Diese Vorstellung bezeichnet Morozov mehrfach als religiöse, weil sie von Selbstverständlichkeiten und Sachzwängen ausgehe, die nur akzeptiert, wer an die Idee »Internet« glaube.

Quelle FAZ - Interview mit Morozov Quelle FAZ – Interview mit Morozov

Mit dem Glaube des »Internet-centrism« hängt für Morozov ein zweites Phänomen zusammen, der »Solutionism«. »Solutionism interprets issues as puzzles to which there…

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Verfasst von - 29. April 2014 in Social Media

 

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11 Millionen oder eine halbe Million? Wie viele Twitter-Nutzer gibt es in Deutschland?

11 Millionen oder eine halbe Million? Wie viele Twitter-Nutzer gibt es in Deutschland?

Eine schöne Zusammenstellung von Christian Buggisch über die Größe von Twitter. Und wieder einmal mehr manifestiert sich die Tatsache, dass die Schönheit (oder die Bedeutung, die Größe …) im Auge des Betrachters liegt.

Christian Buggischs Blog

Wie viele Twitter-Nutzer gibt es in Deutschland? Auf diese einfache Frage gibt es viel Diskussion und leider keine einfache Antwort. Warum das so ist, habe ich mir mal im Detail angesehen …

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Verfasst von - 24. März 2014 in Social Media

 

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Social Media: Der Shitstorm, das unbekannte Wesen

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Thunderbolt and lightning – very, very frightening. Galileo …

Die Angst vor dem Shitstorm ist nicht totzukriegen. Wenn man sich über Social Media unterhält, landet man früher oder später bei dem Thema – das die Betroffenen leidig, die Auslösenden gerechtigkeits-stiftend und die Zuschauer unterhaltsam empfinden. Man kann es Unternehmern nicht übel nehmen, wenn sie diese Eventualität sehen und davor zurückschrecken. Welches Unternehmen möchte schon gern durch den Dreck gezogen werden? Allerdings gibt es dafür zumeist auch einen Grund. Manche sind absehbar: schlechte Produkte, herablassender oder nicht vorhandener Service, unnachhaltiges Handeln gegen Menschen, Natur, Ressourcen …

Sprengstoff Ideologisches

Neuerdings sind es auch ideologische Themen, die immer wieder zu Auseinandersetzungen führen: Politische und religiöse Themen (zu denen natürlich auch der Fußball zählt :)) sind Klassiker, aber die Diskussion um Homosexualität und Vegetarismus beginnt – aus meiner subjektiven Sicht -, ihnen den Rang abzulaufen. Man traut sich kaum mehr zu sagen, dass man 20 Jahre verheiratet ist, Kinder in die Welt gesetzt hat und sonntags in die Kirche geht, ohne befürchten zu müssen als homophob tituliert zu werden 😉

Der Flügelschlag des Schmetterlings

Tatsache ist: Manche Schittstürme sind absehbar, manche kommen unerwartet. Und keiner weiß, warum. Vielleicht bleibt als Erklärung einfach „Shit happens“. Eine Grundingredienz für einen Entrüstungssturm sind aber Menschen, die Kante zeigen und ihre starken (und vielleicht extremen) Meinungen klar artikulieren.

Tim Ebner hat schon vor ein paar Wochen dankenswerterweise die Top 9 auf der nach unten offenen Shitstormskala für 2013 zusammengestellt – manches davon auch im Vorfeld absehbar (Götze), manches vielleicht gar nicht so shitstörmig (Bahn) und manches völlig unverständlich (Rewe).

Shitstormpotenzial ungenutzt vs. Nichtpotenzial gehoben

Und bei Rewe sind wir genau bei dem Thema, das mich umtreibt: die Unnachvollziehbarkeit. Ende 2011 publizierte die ING DiBa einen mittlerweile berühmten Nowitzki-Werbespot. Der große Junge kehrt zurück in die Metzgerei seiner Heimatstadt. Und isst ein Rädle Worscht, wie man bei uns sagt. Charmante, sympathische, augenzwinkernde 45 Sekunden. Und dennoch laufen Vegetarier und Veganer Amok auf der Facebookseite der ING DiBa – was dann die Karnivoren auf die Barrikaden bringt … wir kennen die Geschichte. Da hatte der Sturm mit dem Geschäft nicht das Geringste zu tun.
 

Und dann wird aktuell dieser Edeka-Spot mit Friedrich Liechtenstein durchs Netz getrieben. Da sehe ich einen älteren Wohlstandsmenschen, der Lebensmittel in eine Badewanne schüttet bzw. wirft. Und alle finden es „supergeil“. Und das bei einem Unternehmen, das behauptet, es würde Lebensmittel lieben.

edekaInteressanterweise treibt das niemanden auf die Barrikaden. Aber das hat doch Shitstorm-Potenzial oder irre ich mich da so sehr? (Andererseits: Wir schmeißen 11 Mio. Lebensmittel jedes Jahr in die Tonne).Da kommt es wahrscheinlich auf einen Liter Milch oder eine Packung Müesli auch nicht an. Nicht mal ein Shitfürzchen weit und breit …
 

Angst? Eher nicht …

Die Welt bleibt kompliziert und undurchsichtig … Ein letztes noch: Laut expandedramblings gibt es 50 Millionen Unternehmensseiten auf Facebook. Wenn wir mal die Anzahl der Shitstorms (und ich rede hier nicht von einzelnen kritischen Posts) dagegen halten, liegt die Shitstormrate allerhöchstens im ppm-Bereich. Das kann eigentlich kaum daran liegen, dass alle Unternehmen, an denen was auszusetzen wäre, nicht auf Facebook sind. Ansonsten wäre das natürlich ein großartiges Auswahlinstrument dafür, mit wem man Geschäfte machen will 😉

Aber vieleicht reden wir einfach nur so gern über Shitstorms, weil das Thema so anschaulich ist und es sich so leicht bebildern lässt – ohne dass man dazu bei Getty anfragen muss. 

Ihr/ Euer
Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 14. März 2014 in Social Media

 

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Social Media: Big-Data-Nachschub

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Eine Katastrophe?
Bild: pixabay.de / Hans

Man könnte meinen, im Februar 2014 sei die Welt zusammengebrochen. Die Gemüter erhitzen sich an der Übernahme von WhatsApp seitens Facebook.Da ist das „gute“ WhatsApp, das mit einer minimalen jährlichen Nutzungsgebühr schwarze Zahlen schreibt und da ist die „böse“ Datenkrake Facebook, die kein Geld verlangt und uns dafür zielgruppenorientierte Werbung einblendet.

Fakt ist: Beide Dienste sind höchst erfolgreich mit dem, was sie anbieten. Und wenn man die deutschen Nutzerzahlen zugrunde legt, ist WhatsApp mit 30 Mio. monatlichen Nutzern erfolgreicher als Facebook (27 Mio.), dessen Wachstum seit Kurzem etwas schwächelt.Theoretisch könnte damit Facebook zumindest auf deutschem Boden Reichweite gewinnen. Wobei es natürlich interessant wäre zu erfahren, wie viele Nutzer ohnehin schon beide Dienste nutzen. Die Zahl wird nicht ganz unerheblich sein. Immerhin unterhält WhatsApp auch eine ansehnliche Facebook-Präsenz mit knapp 6 Mio. Fans (allerdings weltweit).

Alles rennet, rettet, flüchtet

Eine Stimmung wie kurz vor dem Einsetzen der Sintflut macht sich breit. Facebook kommt und alles rennt davon.

Das wird natürlich kaum die Realität sein. Aber plötzlich schießen WhatsApp-Alternativ-Apps wie die Pilze in einem warmen, feuchten Herbst aus dem Boden. Threema, bislang nur einer eingeschworenen Gruppe von Sicherheitsfreaks bekannt, wird zum sicheren Hafen und verdoppelt innerhalb weniger Tage seine Nutzerzahlen auf immerhin 400.000. Es ist aber schwer vorstellbar, dass Facebook nur um Threemas willen 19 Mrd. Dollar ausgegeben hat. 😉

Warum also?

Geht es wirklich nur darum, einen „Konkurrenten aus dem Weg zu räumen“ (Lobo) oder „die Welt noch besser zu vernetzen“ (Zuckerberg). Die Wahrheit liegt dazwischen und hat sicher von beidem etwas. Von der Papierform her ist Zuckerberg vielleicht sogar näher an der Wahrheit. Was auch immer unter „Vernetzen“ zu verstehen ist.

WhatsApp und Facebook haben durchaus unterschiedliche Ansätze für unterschiedliche Kommunikationssituationen: WhatsApp – das ist primär die schnelle E-Mail unter persönlich Bekannten, Facebook – das ist meine eigene Vernissage für öffentliche Besucherscharen. So richtig konkurrenzmäßig erscheint das nicht. WhatsApp ist viel intimer, aber auch viel flüchtiger, was sich daran zeigt, dass bei WhatsApp die Zahl der Rechtschreibfehler die von Facebook nochmals dramatisch toppt 😉 (Was kümmert mich mein Post von gestern?)

Wofür also 19 Milliarden? WhatsApp ist wegen dreier Größen sicher ein guter Kauf (nicht nur für Facebook): Die immense Größe mit etwa 450 Mio. aktiven (!) Nutzern, die hohen Wachstumsraten und ein positives Betriebsergebnis. Weiteres Wachstum vorausgesetzt (so wird halt immer gerechnet) – fließen WhatsApp’s kontinuierlich steigende Abogebühren an Facebook. Wie viel das genau ist, wird sich ja irgendwann mal in Facebooks Quartalsberichten zeigen.

Und ob die Aussage des Ex-Geschäftsführers in spe und frisch von Facebooks Gnaden gebackenen Multimilliardärs, Jan Koum, in zwei Jahren noch gilt: „Werbung auf WhatsApp wird es nicht geben“? Wir werden sehen …

Weitere Datenquelle für Big Data

Einen weiteren Mehrwert bringt WhatsApp aber über seine Brautgabe: Die Daten der Nutzer, die auf einem intimeren Kommunikationskanal viel freizügiger reden als öffentlich. Und das macht natürlich die Profilierung von Nutzern viel realistischer. Immerhin sind beide Dienste nicht gerade Vorbilder, was Datenschutz und Datensicherheit angeht – das werden gerade die deutschen Zeigefingerheber nicht müde zu erklären. Und wer annimmt, das die NSA nur Facebook ausspäht, während sie WhatsApp-Nutzer ungeschoren lässt, weil die ja eine jährliche Gebühr bezahlen, nunja …

Ein besseres Targeting für Nutzer in einer „vernetzten Welt“ ist immer noch eher ein Versprechen oder eine Vision ist als eine Realität. Das will ich an einer kleinen Episode aus dem Paralleluniversum Google/Youtube erläutern:

In Ermangelung meines Interesses an Kanälen hat Youtube sich entschlossen, mir einfach einmal ein paar wichtige Kanäle als Abos angedeihen zu lassen. Unter anderem „Rock“ (was angesichts meiner angeschauten Videos gar nicht so falsch ist). Ich weise allerdings auch auf den etwas höher positionierten Andre Rieu hin – knapp unterhalb von Hammerfall-Sänger Joacim Cans 😉 und ich gebe darüber hinaus hier offiziell zu Protokoll, dass ich in der Regel weder Katzen- noch Hundevideos anschaue.

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Auf diesem Abo gab es dann eine Dame namens Demi Lovato, die zwar adrett aussieht, mir aber ansonsten (Asche auf mein Haupt) nicht das Geringste sagt. Also klicke ich mal in diese Aboempfehlung rein …

demilovato_nogo

Ah, das kenn ich doch irgendwo her? Also ganz ehrlich: Wäre das in Zeiten von targeted Dingsbums nicht möglich, diese grundlegende Frage vor einem Vorschlag zu prüfen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich als Deutscher auch in Deutschland ins Web gehe, scheint offenbar dafür zu niedrig zu sein.

Also ein genauerer Blick auf den Kanal „Rock“:

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Ja, holla … (ohne Worte)

Mit besten Grüßen
Ihr/Euer
Martin/ Reti

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 22. Februar 2014 in Social Media

 

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