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Archiv der Kategorie: Sonstiges

Digitale Weihnachts-Disruption

santa-claus-496240_1920„2.302.564, 2.302.565, …566, …567“, verzweifelt blicken seine alten Augen auf das Display seines brandneuen Heavenoid-Phone (powered by Heaven Systems. Zero Outage. Die Nummer 1 in Cloud Computing. Werbeblock Ende). Die CRM-App zählt erbarmungslos – und in Echtzeit – die Neueinträge in seiner Kundendatenbank. „Es werden immer mehr …“, raunt sein Mund. Für Menschen mag der Begriff „Bevölkerungsexplosion“ ein Schlagwort sein, das sie in der behaglichen Ruhe ihres Wohnzimmers goutieren, für den Weihnachtsmann ist es die ultimative Business Challenge.

Und das, wo er ohnehin diesen dramatischen saisonalen Lastspitzen unterworfen ist. Über zwei Milliarden Kunden auf sieben Kontinenten – in gut 24 Stunden. Gott sei Dank gibt es die verschiedenen Zeitzonen … da kann so ein Arbeitstag auch mal auf 48 Stunden anwachsen – ohne Pause versteht sich. Aber auch ohne Jammern, denn für den Rentier-Zugführer macht sich keine Gewerkschaft stark.

Nun auch noch die Kunden im All. „Ich brauche eine Lösung“. Schon seit Monaten kreist sein Denken um nichts anderes. Aber Ideen Fehlanzeige. Und gleichzeitig rückt Weihnachten unbarmherzig näher. Und der Zähler tickt weiter: 2.302.999 …

Im Mai, als Alexander auf die ISS zog, war er noch so zuversichtlich. Vor knapp 200 Jahren im Zuge der industriellen Revolution hatte er sich schweren Herzens vom Full-Service-End-to-End-Gedanken verabschiedet und die Produktion der Weihnachtsgeschenke outgesourct. Vor Jahren dann die Lösung für den Antarktis-Service: Statt Rentieren ziehen heutzutage Pinguine behände den Schlitten über die „letzte Meile“. Allerdings brauchen die ein wenig länger – eine Änderung der operativen Prozesse war nötig. Integration von Rentier- mit Pinguin-Service bei vorgezogenem Lieferstart.

Im Juni dann die erste Idee: Anfrage über die Bundeskanzlerin bei der NASA. Sprich einfach eine SMS an das Kanzler-Handy geschickt. Die NASA liest ja sowieso mit. Mon Dieu – was so ein kleiner Buchstabenpatzer ausmachen kann. Statt bei der NASA landete die SMS bei der NSA. Und wer annimmt, dass die eine Anfrage des Weihnachtsmanns priorisiert weitergeben – so von .Gov-Behörde zu .Gov-Behörde –, der darf sich getrost enttäuscht sehen. Keine Reaktion. Kein Heimaturlaub für die Astronauten während der Weihnachtstage. Was der Weihnachtsmann zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, aber wenig später erfuhr: Auch sein Handy war bereits angezapft („Like this – Santa Claus ozapft is“ – internes Memo bei der NSA vom 12. Februar 2014). Sehr unkooperativ diese Behörden.

Der Weihnachtsmann braucht ein disruptives neues Geschäftsmodell. Er muss Transport und Logistics völlig neu denken. Weg von konventionellen Denkmodellen. Das Undenkbare fokussieren: Selbstfahrende Rentierschlitten? Space-Drohnen? Gentechnisch-mutierte, raumresistente Bakterien als Zugtiere? Materie-Transformation? Beamen? … Beamen?

Der Weihnachtsmann greift zum Heavenoid (Powered by Heaven Systems – Zero Outage. Die Nummer 1 in Cloud Computing (Werbeblock Ende) und erreicht nach wenigen Sekunden über die gesicherte Leitung seinen Account Manager: „Michael, ich habe eine prima Idee für ein disruptives Geschäftsmodell“.

Der Gesprächspartner am andere Ende der Leitung wirft sein langes, gewelltes Haar zurück, faltet seine Flügel zusammen und legt sein Schwert beiseite: „Ich bin ganz Ohr, Disruption ist seit Äonen unser Business“

„Also, ich muss da was beamen …“

Wenige Minuten später der Rückruf. „Der Chef hat zugestimmt. Du darfst diese Killer-Applikation aber nur für diesen Zweck einsetzen. Die Rechen- und Speicherressourcen werden bereitgestellt. Aus der Cloud, versteht sich. Powered by Heaven Systems – Zero Outage. Die Nummer 1 in Cloud Computing (Werbeblock Ende). Die Start-App spielen wir auf Dein Heavenoid. Eine kleine Modifikation aber. Ich sage nur so viel: Strafe muss sein. Hat der Chef gesagt. Konzept steht bereits. Lehn‘ Dich zurück“.

Ein Lächeln stiehlt sich in die Mundwinkel des Weihnachtsmanns: „So gut habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt, seit ich diesen blöden roten Kittel anziehen musste“.

Irgendwann in der Nacht von 24. auf 25. Dezember 2014 in Fort Meade, Maryland, USA, 20 Meter unter der Erde

Eine Lampe dreht sich hysterisch im Kreis, taucht einen fensterlosen Flur in gespenstisch rotes Licht. Eine Sirene schrillt. Bleiche Menschen mit Sonnenbrillen rasen aufgeschreckt über den Gang, schwenken Blätter, sprechen stakkatoartig in Handys: „Massive Cyber-Attacke auf unsere Server!“. „Die Chinesen? Die Russen?“ Islamisten? Können wir den Angriff zurückverfolgen?“

„Der Angriff kommt … vom Himmel“

„Satellitenkontrolle – wie perfide“

„Äh, nicht von den Satelliten, sondern äh … aus dem Nichts“

„Aliens … Sie sind da. Ich wusste es“

„Haben Sie die Ports zugemacht?“

„Geht nicht. Wir sind hilflos. Irgendjemand saugt unsere komplette Rechenkapazität ab. Unsere Überwachungsprogramme sind komplett ausgefallen.“

„Mr. President, wir haben ein Problem …“

Zeitgleich, 416 Kilometer über der Erde

Auf der ISS materialisieren sich wie von Zauberhand und unbemerkt von den tief schlafenden Astronauten Weihnachtspräsente. Mit besten Grüßen vom Weihnachtsmann, powered by Heaven Systems. Zero Outage. Die Nummer 1 in Cloud Computing (Werbeblock Ende). Unter (unbedeutender) Mithilfe der NSA. Gesegnete Weihnachten“.

Minuten später am Nordpol, Normalnull

„Hallo Michael, prima Service. Ich bin hochzufrieden – wie immer. Hohe Usability. Und das hat Spaß gemacht. Machen wir das nächstes Jahr wieder? Ich habe da noch eine Idee. Wie wäre es, wenn wir ein Kundenbindungsprogramm aufsetzen: Cloud Delivery as you pray?“

„Wir reden mit dem Chef …“  

 
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Verfasst von - 20. Dezember 2014 in Sonstiges

 

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Und nun auch ich: eiskübel-gechallengt

emperor-penguin-62982_640Und da dachte ich nun, der Kelch bzw. der Eimer ginge an mir vorbei. Aber wozu hat man Freunde … Ich wurde eiskübel-gechallengt – sagt man das so? Die Latte liegt ja hoch. Nach einer durchwachten Nacht, in der ich mir den Kopf zerbrochen habe, wie ich möglichst kreativ auf die Ice Bucket Challenge reagiere – Sprung vom 3er in ein Schwimmbad meiner Wahl oder vom 10er in einen eisgefüllten Putzeimer, alternativ Verteilung eines Eimers Eis am Stiel in einem Waisenhaus – bin ich nun so weit, dass ich auf symbolische Gesten verzichte, an denen die Umwelt vielleicht ihren Spaß hat, aber ansonsten kein weiterer Nutzen entsteht.

Ich wollt, ich wär ein Misanthrop

Da mache ich das mal wie der Christian Buggisch und werfe mal zwei unterschiedliche Blicke auf die Icebucket Challenge. Fangen wir mit der Verweigerungsseite an. Es fühlt sich ein bisschen an wie „Geld oder Leben“. Es stört mich ungeheuerlich, dass ich gezwungen werden soll, mir kaltes Wasser über den Kopf zu gießen (was angesichts des derzeit herrschenden „Sommers“ kein großes Vergnügen ist) oder meinen Geldbeutel aufzumachen. „Ach komm, lass uns Volkslieder singen, schunkeln und Bier bis zur Besinnungslosigkeit trinken“, „Ach, jetzt hab Dich nicht so. Das machen doch alle“. Die Situationen kennen alle von uns, in denen wir uns, um der Gemeinschaft zu dienen, entblöden sollen. Bomm! Und das nächste Ice-Age-Video in meinem Newsfeed! Der soziale Druck kann dann ganz erheblich werden, wenn man nicht gerade ein völliger Misanthrop ist.

Shitstorm – ick hör Dir trapsen

Und dann die potenziellen Gefahren. Ich sage nur: totale Rufvernichtung durch Shitstorm. Das beherrscht ja heute schon jeder 14-Jährige. Überschrift in der Bild: „Diesem Mann ist es egal, dass tausende hilfloser ALS-Opfer sterben“. Das Argument: Sei dabei, weil es alle tun, sollte gerade in Deutschland zweimal überdacht werden. Ich jedenfalls muss nicht dabei sein, nur weil es alle tun. Owei, ich sehe schon eine gewaltbereite Menge militanter Icebuckler vor meiner Tür stehen …

Warum Eiswasser? Warum ein Kübel?

Und ich möchte wenigstens wissen, warum ich mir einen Eimer Eiswasser über den Kopf gießen soll? Ist das so eine Art Symbol oder Zeichen, ein heidnisches Klärungs-Ritual, ein Erkennungszeichen? Oder soll ich einen Moment lang nachempfinden, wie sich ALS anfühlt? Es scheint, als ob keiner genau weiß, woher der „Brauch“ kommt. Startschuss für den aktuellen Hype war aber die Golf Channel Morningshow vom 30. Juni 2014. Dort wurde wohl der Eiseimer das erste Mal instrumentalisiert. Klar, dass das nur die ersten paar Male richtig lustig ist. Irgendwann nutzt sich der Effekt ab und dann muss man sich was Besonderes einfallen lassen. Und so finden Menschen natürlich ihren eigenen Moment des Ruhms. Youtube und Facebook machen’s möglich. Egal wohin,wir gehen mit …

ALS – was ist denn das?

Ok, zweite Frage: Warum ALS? Was ist das? Warum nicht Hilfe für Irak, Syrien, die Ukraine, Krebs, Hunger, Naturkatastrophen? Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine ziemlich seltene Krankheit. Von 100.000 Menschen erkranken pro Jahr etwa ein bis drei neu, drei bis acht pro 100.000 sind erkrankt. In den USA gab es einige ziemlich prominente Opfer wie Pete Frates oder zumindest Opfer, die prominente Angehörige aus der Sportwelt haben. In Europa ist wohl Supermind Stephen Hawking der bekannteste ALS-Kranke, in Deutschland der Maler Jörg Immendorf. Bei ALS wird das Nervensystem zerstört, das die Muskeln steuert. Bis auf die Augenmuskulator können praktisch alle Muskeln betroffen sein. Häufige Folgen sind die Unfähigkeit zu essen und richtig zu atmen. Dazu kommt die Unfähigkeit sich noch richtig bewegen zu können. Alles in allen keine schöne Aussichten für die Erkrankten. Und es ist es wert, sich für den Kampf gegen die Krankheit zu engagieren. Wir vergeuden ohnehin zu viel Zeit mit unwichtigeren Dingen.

Weil die Krankheit recht selten ist, steht sie auch nicht im Fokus der Forschung. Das würde die geringe Budgetierung erklären. Die Ice Bucket Challenge ruft diese seltene Krankheit nun in das öffentliche Bewusstsein und will gleichzeitig noch über eine Art Crowdfunding Forschungsgelder einsammeln. Die ALS Association in den USA berichtet, dass mittlerweile 80 Mio. Dollar an Spenden zusammen gekommen sind. in Deutschland sind 450 Spenden an die Charité eingegangen. Das berichtet der verlinkte Artikel aus dem Handelsblatt, der auch die Angst des deutschen promis vor dem Eiswasser aufspießt. Ich bin also nicht allein. Tatsache ist: Ich rette kein Leben damit, dass ich mir einen Eiswsser-Kübel über den Kopf kippe. Also: nein!

Spart das Wasser, gebt das Geld

Wie viele Leute nun wegen des Bewusstmachens oder des Spendens zum Eimer greifen, kann ich nicht beurteilen. Vielleicht ist es ja auch nur der pure Spaß. Ein Trainer früher empfahl für den individuellen Thrill einen nächtlichen einsamen Waldspaziergang. Der lässt sich aber nur schlecht mit dem iPhone festhalten. Ein Hinweis an alle Icebucket-Challenger sei mir jedoch noch erlaubt: Ihr könntet noch ein bisschen am Ton arbeiten. Und eine Diskussion, dass die nächsten Kriege um das Wasser geführt werden, will ich hier auch nicht aufmachen.

Die Adresse der Charité habe ich hier reingenommen. Denn ich denke, es kommt viel mehr auf die Freiwilligkeit an, als auf den sportlichen Wettkampf. Aber wer’s braucht – naja, besser als gar nicht spenden.

Kasse der Charite
Berliner Sparkasse
IBAN:  DE53100500001270005550
BIC: BELADEBEXXX
*Verwendungszweck: Ice Bucket/89751010

Interessanterweise bringt es der Postillon mit seinem Beitrag auf den Punkt. Ich dachte nicht, dass ich das jemals schreiben würde. Aber man lernt nie aus. Hmm, … eigentlich wenn ich’s bedenke, müsste auch ein Sprung ins Riedener Freibad reichen, um den Anforderungen der Ice Bucket Challenge zu genügen. Wenn mein Herz dabei nicht stehen bleibt. Achso – ich habe gespendet. Aber nächstes Mal lasse ich mir die Pistole nicht mehr auf die Brust setzen.

Und weil es so schön war, habe ich gleich noch was an Campus für Christus gespendet für Flüchtlinge im Irak, die alles verloren haben. Denen kann man nämlich jetzt, direkt und gleich helfen.

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Verfasst von - 29. August 2014 in Social Media, Sonstiges

 

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Wie schön wär Social Media

Dass Kundenservice nicht immer und überall groß geschrieben wird, das wissen wir ja. Manchmal handelt es sich um Kleinigkeiten wie ein fehlendes Lächeln, manchmal sind das größere Sachen wie beschädigte Lieferungen oder Kundenbeschimpfungen. Hier mein Scherflein zum Service mit Geschichten aus dem wahren Leben. Und Social Media spielt dabei eine Nebenrolle.

Montag, 18:42 Uhr. Gerade hat mich der Nahverkehrszug fast pünktlich in den anbrechenden Feierabend entlassen. Nur noch ein Stückchen Bus fahren. Prognostizierte Abfahrt: 18:56 Uhr. Auch wenn alle anderen Linien (naja, so viele sind das in Gaildorf nicht ;)) schon auf den Zug warten oder aber unmittelbar nach dessen Ankunft eintreffen, meine Linie hat sich eine kleine zeitliche Notreserve aufbewahrt. Die war manchmal auch schon nötig.

19:00 Uhr – die erste Nervosität macht sich breit. Es ist immerhin zehn Kilometer nach Hause. Mit Aktentasche etwas mühsam. Oder bin ich nur ein Weichei?

19:10 Uhr Ah, an der Bushaltestelle ist eine E-Mailadresse angegeben … die Telefonnumer habe ich früher schon mal ausprobiert … Anrufbeantworter finde ich prinzipiell gut … aber in meiner Situation nicht sehr hilfreich.

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Natürlich habe ich nicht erwartet, dass jemand antwortet, mich informiert oder gar mein Problem löst. Aber immerhin tat es gut, ein wenig Zeit zu überbrücken. Und wer weiß, vielleicht hilft die Rückmeldung ja, irgendwas zu verbessern. Um es kurz zu machen: Er kam nicht. Und – ich gebe es zu – so was ärgert mich. Wenigstens kam der nächste (und letzte) seiner Art (19:45 Uhr). Ich war also nicht endgültig gestrandet.

Der nächste Tag …

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Zunächst mal: Ich finde das gut, dass sich jemand zurückmeldet. Und das klingt ja auch ein wenig nach Entschuldigung. Gut, 12 Stunden später – das ist für E-Mail außerhalb der Arbeitszeiten auch ok. Nur so richtig befriedigend war das nicht. Hatte ich den Bus übersehen? Ich meine, der ist ganz schön groß. Und ich habe die Bushaltestelle quasi bewacht. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich den gesehen hätte, wenn der 50 Centimeter vor mir gehalten hätte. Vielleicht das Alter? Trotz einem minimalen Fünkchen Restunsicherheit kann ich das so nicht stehen lassen …

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15:49 Uhr ist natürlich eine Uhrzeit, zu der man auch mal direkt antworten könnte. Aber wir lernen, dass zur guten externen Kommunikation auch funktionierende interne Prozesse gehören. Da kann eine aussagekräftige, intern abgestimmte Antwort schon mal dauern.

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Nunja, da er also spät dran war, hat er meine Haltestelle einfach ausgelassen, um die Zeit wieder reinzuholen. Ist ja nachvollziehbar, handelt sich ja nur um den Bahnhof, also so eine Art „Verkehrsknotenpunkt“, an dem möglicherweise tatsächlich Fahrgäste lauern könnte …

Und nun mal ein Gegenbeispiel, wie so was in Ulm/Neu-Ulm läuft. Ich mag dieses Wort „proaktiv“ nicht. Aber das passt schon ganz gut …

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Dass im ÖPNV immer mal was durcheinander geht – vielleicht sogar im Vorfeld absehbar – das kann ja immer wieder vorkommen. Und dass Ulm auch ein bisschen größer ist als Schwäbisch Hall, räume ich allemal ein. Aber eine einfache Info auf Twitter beispielsweise und ich hätte die Stunde nützen können. Ich hätte eine Stunde meines Lebens geschenkt bekommen. Und mir nicht die Beine in den Bauch gestanden, sondern wäre irgendwo was trinken gegangen oder noch ein bisschen einkaufen – das geht nämlich auch in Gaildorf zu der Zeit noch. Es muss also nicht immer nur Kommunikation sein. Manchmal bringen es soziale Medien auch als schneller und unbürokratischer Infokanal und, ja, auch sowas kann ein Mehrwert sein. Und das ganz ohne große Content Strategie.

Zuletzt stelle ich mir noch die Frage, ob ich mich tatsächlich wertgeschätzt fühle … und ob ich mich nicht doch unabhängig machen soll vom Stadtbus … Wie war das nochmal mit dem Zusammenhang von Service und Wiederkaufslust?

 

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Verfasst von - 29. Mai 2014 in Sonstiges

 

Nachhaltigkeit als Managementthema

Am Donnerstag, den 8. Mai durfte ich auf dem Symposium der divia an der Hochschule Albstadt-Sigmaringen eine Keynote zum Thema Nachhaltigkeit beisteuern. Die Folien gibt es auf Slideshare. Und hier zusätzlich ein paar Gedanken zu den Folien. 

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das sich in der gesellschaftlichen Diskussion etabliert hat. Seien es Essgewohnheiten, Heizanlagen, Autos – wenn man mit Freunden und Bekannten länger redet, kommt man früher oder später auf das Thema auf Nachhaltigkeit.

Nachhaltigkeit und Management

Nachhaltigkeit – nur der Traum einer grünen Welt?

Nachhaltigkeit ist aber nicht erst ein Thema erst unserer Tage. Homer berichtet in der Ilias, dass die Trojaner neun Tage lang „Wagen der Lust mit unermesslicher Waldung“ nach Troja führen, um Hektor zu bestatten. Und die Griechen bauen später dann bekanntermaßen das trojanische Pferd – aus Holz. Wer heute in Griechenland oder der Türkei Urlaub macht, wird von diesen unermesslichen Waldungen nicht mehr viel sehen. Heute regiert die Macchie, eine Gestrüpplandschaft. Der Schiffbau der Antike hat „nachhaltig“ seine Spuren im Mittelmeerraum hinterlassen: Verkarstung der Landschaft, das einst feuchte, milde Klima ist dem den Mitteleuropäern wohlbekannten Teutonengrill-Ambiente gewichen.

Was die großen Dichter und Denker nicht bedachten, wenn man Homers Ausführungen nicht als politisches Statement werten will, das haben unsere Vorfahren verinnerlicht – zumindest, wenn es um die Forstwirtschaft geht. Dort wurde das Konzept der nachhaltigen Holzentnahme entwickelt. Und wie das bei erfolgreichen Konzepten aus oder im Umgang mit der Natur immer ist: Wir versuchen sie auch auf das Geschäftsleben anzuwenden.

Nachhaltigkeit – nur grüne Träume?

Die meisten Menschen verbinden mit Nachhaltigkeit grüne Träume und assoziieren sie konsequenterweise auch mit der Farbe grün. Und wie man am Titelbild sieht, bin auch nicht gegen diese Verknüpfung gefeit ;). Doch Umweltschutz, Recycling und Rohstoffeffizienz sind nur ein Teil dessen, was Nachhaltigkeit ausmacht (die ökologische Komponente). Meist schnappt sich jeder die Leckereien aus dem Nachhaltigkeitsbuffet, die zu seinem Geschäft und in seine Situation hinein passen. So ist nachhaltiges Mitarbeitermanagement beispielsweise aktuell auf der Agenda vieler mittelständischer Unternehmen, die sich der demoskopischen Herausforderung des Fachkräftemangels gegenüber sehen.

Nachhaltigkeit ist ein ganzheitliches Managementkonzept, das in seiner ökonomischen Komponente auch pure betriebswirtschaftliche Themen wie Effizienzsteigerung, Kostensenkung und Umsatzsteigerung adressiert oder zumindest verheißt. Häufig werden auch die Bedeutung für die interne und externe Reputation damit assoziiert, mit der sich ein Unternehmen differenziert und gleichzeitig langfristigen, stabile Kunden- und Mitarbeiterbeziehungen (soziale Komponente) entwickelt. Daraus können dann Communities entstehen, die helfen, Innovationen zu entwickeln oder Unternehmensrisiken zu reduzieren.

Nachhaltigkeit als Managementdisziplin

Trotz all dieser Perspektiven hat sich Nachhaltigkeit noch nicht auf breiter Ebene in den Unternehmen etabliert – auch wenn Verbraucher das immer häufiger fordern. Bei Gesprächen mit Unternehmen zeigen sich immer wieder dieselben Argumente gegen Nachhaltigkeit: Es gibt keine Kapazitäten dafür, der Mehrwert wird nicht gesehen, stattdessen die zusätzlichen Kosten. Kurz und gut: Das Thema steht auf der Agenda zu weit unten.

Dabei bietet ein strategischer Einsatz von Nachhaltigkeit bedeutende Perspektiven für die Entwicklung eines Unternehmen. Und zwar dann, wenn nicht nur eine Nachhaltigkeitsstrategie aufgestellt wird, sondern dann, wenn Nachhaltigkeit Bestandteil der Unternehmensstrategie wird. Ein Leitmotiv, an dem das Unternehmen seine langfristig-strategischen und aktuellen operativen Fragestellungen spiegelt und bewertet. Nachhaltigkeit wird dann zu einem Managementkonzept oder gar einer –maxime.

Dazu gehört zunächst eine Haltung, die Nachhaltigkeit fördert und fordert, dann eine Bestandsaufnahme über bestehende Engagements und Möglichkeiten für den Einsatz von Nachhaltigkeit – gibt es einen Kristallisationskeim, den das Unternehmen weiterentwickeln kann? Der nächste Schritt führt zu einer Strategie. Das ist der Kern von Nachhaltigkeit: Unternehmen und Menschen, die nachhaltig handeln, denken strategisch, langfristig. Und dann kommt die Kür des Nachhaltigkeitsmanagements: In einem dynamischen geschäftlichen Umfeld, das die Umsetzung nicht erleichtert, setzt das Unternehmen passende Maßnahmen mit Bezug auf die Langfriststrategie um. Begleitet von Messgrößen, an denen das Unternehmen den Erfolg misst. Allerdings verschafft das Unternehmen seinen Mitarbeiter mit den Werten der Nachhaltigkeit auch einen Handlungsrahmen, in dem sie sich sicher bewegen und Entscheidungen fällen können. Das hat der Vortrag von Speick auf dem Symposium eindrucksvoll aufgezeigt.

Sechs Tipps für den Start

Am Anfang eines nachhaltigen Managements steht ein Blickwinkel, der Nachhaltigkeitsprinzipien einen priorisierten Status einräumt. Nachhaltigkeit muss ein Fokusthema werden. Die Festlegung passender Kennzahlen begleitet diesen Ansatz von Vornherein. Ein Verantwortlicher mit entsprechender Durchsetzungsfähigkeit muss das Thema begleiten und dafür sorgen, dass Nachhaltigkeitsziele in der Unternehmensstrategie verankert werden. Dann sind Unternehmen bereit, gemeinsame Werte für sich und ihr Umfeld zu schaffen. Damit werden Beziehungen zu Partnern und Kunden intensiviert. Und damit wird Nachhaltigkeit zu einer Insel der Sicherheit und der Verlässlichkeit inmitten einer ständig dynamischer werdenden Welt.

Wahrnehmung verändern

Nachhaltigkeit ist zwar ein ideell akzeptierter Anspruch, der aber seinen Business-Mehrwert noch nicht mehrheitlich erklären konnte. Es liegt noch einiges an Überzeugungsarbeit vor den Verfechtern der Nachhaltigkeit. Und zwar nicht hinsichtlich des Weltrettungsgedankens, sondern im Hinblick auf die Bedeutung sowie den harten Mehrwert und Nutzen für den geschäftlichen Einsatz eines Nachhaltigkeitsmanagements.

Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Trend, sondern eine zukunftsorientierte Strategie. Diese Erkenntnis macht Nachhaltigkeit zu einem Thema, das gekommen ist, um zu bleiben. Nachhaltigkeitsmanagement benötigt aber Strukturen im Unternehmen, Prozesse, Verantwortliche, Kennzahlen – dann wird es ernsthaft bestritten. Und die Kalkulation von der Investition zum Gewinn wird für jedes Unternehmen anders aussehen. Je ernsthafter aber die Haltung des Unternehmens, umso geringer die finanziellen Aufwendungen für die Außendarstellung.

Für alle, die die Folien direkt anschauen wollen:

 
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Verfasst von - 16. Mai 2014 in Sonstiges

 

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Blogstöckchen – 10 digitale Dinge

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Apportiert wahrscheinlich eher Fischstäbchen
Bild: pixabay.com

Blogstöckchen – meine Güte. Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht. Da macht man mal ein paar Tage webfrei und beschäftigt sich mit den wichtigen Dingen des Lebens, da kommt der Christian Buggisch um die Ecke und wirft virtuelle Stöckchen. „Fass!“ – nun habe ich das Apportieren nie gelernt. Aber immerhin war ich früher im Fußballtraining immer schon derjenige, der die fehlgeschlagenen Torschüsse wieder zurück zu den Schützen befördern musste. Was jetzt tiefe Einblicke in meine fußballerischen Fähigkeit offenbart …

1. Welches soziale Netzwerk ist dir das liebste – und warum?

Ein ehrliches Wort gleich zu Beginn: Soziale Netzwerke und Liebe in einem Satz – das passt für mich nicht. Ich liebe Menschen, nicht Netzwerke. Und selbst wenn Netzwerke mir die Beziehungspflege zu Menschen ermöglichen, muss ich sie immer noch nicht lieben. Das wäre zu hochwertig für ein Medium.Wenn damit aber gemeint ist, mit welchem ich am liebsten umgehe, dann ist es Facebook. Es ist mir am vertrautesten, mir fehlt nur bisweilen der Dislike-Button.

2. Was ist das Dümmste, was du je über Facebook gehört hast?

„Facebook hat xy Millionen, Milliarden Mitglieder“. Natürlich verwenden wir alle diese Zahlen – aber leider meist unkommentiert und absolut technikhörig. Denn sie suggerieren, dass Facebook tatsächlich die totale Kontrolle über alles hat, was auf seiner Plattform passiert. Und dass Fake Accounts natürlich kein wirkliches Thema sind. Und dass die Welt dem Facebook-Mitglied zu Füßen liegt. Ich wünsche mir ein bisschen mehr kritische Distanz zu allen Zahlen, die uns so täglich umschwirren.

3. Wie wichtig findest du das Monitoring deiner Online-Aktivitäten für dich? (Besucherzahlen, Likes, Follower etc.)

Am meisten freue ich mich über Menschen, die ich privat treffe und die mir sagen: „Dein Blogpost hat mir gefallen“. Aber natürlich freue ich mich auch über Menschen, die ich nicht kenne und in der virtuellen Welt auf einen Plausch um die Ecke kommen. Zahlen finde ich bisweilen ganz interessant. Und es ist doch schön, wenn man immer mal wieder was zum Freuen hat. Aber von niedrigen Zahlen sollte man sich nicht fertigmachen lassen 😉

4. Welche Blogs sollte man unbedingt lesen?

Ich habe keine Lieblingsblogs, springe gerne immer mal wieder hier und dort rein. Immer wieder besuche ich die Haller Bloggerkollegen (Uwe Hauck, Schmitzens und Marco Behret) und lese, was meine Blog-Weggefährten Michael Pauly und Kerstin Höhn so schreiben. Außerdem lese ich hin und wieder gerne Günther Duecks Omnisophie-Ausführungen, weil er mit seinem Querdenken Technik, Management und Leben zusammenbringt. Aber sicher werde ich irgendwann mal auf einen Blog stoßen, der mich sowohl von seiner sprachlichen Leichtigkeit als auch von den persönlichen Werten des Bloggers überzeugt. Wenn jemand Tipps hat, gerne her damit.

5. Welche Online-Tools nutzt du am liebsten?

Facebook hin oder her: Ich nutze am häufigsten die Googlesuche und lande dann häufig bei der Wikipedia. Google besticht für mich durch seine Einfachheit und Funktionalität – und dadurch, dass das Unternehmen mit seinem Logo so lässig umgeht.

6. Wie heißt das Buch, das du gerade liest oder zuletzt gelesen hast?

Bahnfahren schafft Raum zum Bücher lesen: Hectors Reise von Francois Lelord war sehr positiv, Nonnenfürzle von Michael Boenke hat mich durch seinen wortwitzigen Protagonisten erheitert und Kästner hat mich bei den Drei Männern im Schnee durch seine klare Sprache überzeugt.

7. Hast du eine Zeitung abonniert und warum (nicht)?

Wir haben nur ein lokales Blättchen, das bei uns wegen seiner lokalen Themen geliebt wird. Das aber auch, wenn ich abends nach Hause komme, seine besten Zeiten hinter sich hat und bereits in die ewigen Jagdgründe der Papiertonne eingegangen ist.

8. Vervollständige einen dieser Sätze: “Print ist…” oder “Fernsehen ist…”

Print ist … beruhigend. Eine willkommene Abwechslung zur Schnelllebigkeit des Web. Hat fast was Meditatives.
Fernsehen ist … weitgehend unnötig. Werbung und pubertäre Sendeformate haben mir das Fernsehen längst verleidet. Dennoch wird das Fernsehen auch in Zukunft seine Rolle als zentrale Anlaufstelle für Unterhaltung, Informationsprovider und Diskussionsauslöser nicht verlieren. Das soziale Web lebt zu einem bedeutenden Maß von den Inhalten, die uns im TV als Bewegtbild serviert werden.

9. Wenn du noch einmal von vorne anfangen könntest, was würdest du werden?

Von welchem vorne denn? Ich würde gerne etwas mit meinen Händen erzeugen. Leider bin ich dazu nicht begabt. Im Großen und Ganzen bin ich mit dem, was ich habe und bin, zufrieden.

10. Über welches Video, Gif, Meme oder welchen Tweet hast du zuletzt gelacht?

ganz aktuell über die Mobilcom-Reaktion auf den Fremdpost des Nichtrechnungszahlers.

 
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Verfasst von - 5. November 2013 in Sonstiges

 

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