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Social Media: Der dressierte Fan

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„Und hopp – spring, Fan!“
Bild: meyertobi/ pixelio.de

„So, hier sind fünf Euro. Werde jetzt mein Fan“. Das Gegenüber schaut überrascht, zieht die Augenbrauen hoch und  antwortet: „Ok, und was soll ich dafür tun? Für 10 Euro schreibe ich sogar eine Empfehlung …“

Schon Charles Dickens schilderte, wie das so ist mit großen Erwartungen. Große, (aber wahrscheinlich auch kleine) Erwartungen und Hoffnungen ziehen sich durch unser ganzes Leben. Und warum sollte es bei Unternehmen, die sich sozial-medial betätigen, anders sein? „Haben Sie sich Ziele gesetzt?“, lautet daher einer der Beratungsklassiker, der vielseitig adaptierbar ist.

Während das Ziele setzen noch ein recht simpler Akt ist, steht das Erreichen auf einem anderen Blatt. Und die Erfassung auf einem weiteren. Das gilt ganz besonders für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit, wenn wir die Wirkung unserer eingesetzten Arbeitskraft, -zeit und Budgets ermitteln wollen. Früher war das nicht ganz so einfach, da bemühten wir Mediadaten und beauftragten spezielle Agenturen, die Clippings aus Zeitungen schnippelten (die Vorläufer der heute so beliebten und heiß diskutierten Snippets ;-)). Wir fertigten Imageanalysen, befragten Mitarbeiter, Kunden und Unbeteiligte, um dann irgendwann festzustellen, dass wir mit unserem Budget nicht zu einem realistischen Ergebnis kommen. Und deswegen auf unseren Bauch als Berater zurückgriffen.

Kinderleichtes Monitoring für Social Media?

Heute in den Zeiten von Social Media, ist das viel leichter: Facebook & Co. liefern uns auf Knopfdruck haufenweise Informationen über unsere Wahrnehmung in den Weiten des sozialen Raums. Und so legen wir ganz einfach eine Zahl von Followern, Fans, Freunden, Kontakten fest. Futurebiz hat das sehr anschaulich am Lidl-Beispiel aufgezeigt. Jessica (das muss der Lidl-Robert-T-Online sein) hat dort die Latte ziemlich hoch gelegt: 1,777777 Mio. Fans. Das ist theoretisch ungefähr so viel Reichweite wie Spiegel (1,1 Mio.) und Zeit (0,63 Mio.) – das sind aber Wochenzeitungen, während sich die Lidl-Fans jeden Tag (Edgerank mal ausgeblendet) bombardieren lassen können.

Herr der Karteileichen

Aber welche Erwartungshaltung hat das Unternehmen an seine Fans? Reicht es, Dominator über Hunderttausende von Karteileichen zu sein? Natürlich kommt es gut, wenn man mit Monsterzahlen hausieren gehen kann: „Wir haben jetzt 1,5 Millionen“ – „Pah, wir haben schon 11 Millionen“ – ehrlich: das hat doch ein bisschen Schulhofniveau. Aber womöglich ist manches Unternehmen damit schon zufrieden. Potenzielle Reichweite ist ja auch rein sprachlich schon eine Form von Potenz.

Eigentlich – da ist es wieder dieses Unwort – eigentlich will ich doch noch viel mehr von meinen Fans. Oder? Ich will Markenbotschafter heranziehen, Mitgestalter oder meinetwegen Claquere oder wenigstens „Stimmvieh“ ;-). Die sollen doch was für mich tun – und sich im Übrigen möglichst nicht beschweren. Obwohl ja Kritik durchaus auch als ein Zeichen von Interaktion, Lebendigkeit und Gestaltungswille verstanden werden könnte.

Klarer Auftrag an die Fans

Wäre doch nicht schlecht, wenn wir die Anforderungen an unsere Fans auch als Ziel formulieren und dann ab ins Impressum: „Sie dürfen hier nur Fan werden, wenn Sie sich aktiv an der Seite beteiligen. Wir haben ein Monitoringtool aufgesetzt, um ihre Aktivitäten auf unserer Seite nachzuverfolgen. Wenn Sie nicht mindestens einmal pro Woche einen Like vergeben, dann sind wir geschiedene Leute. Dies ist eine Kommunikationsplattform und kein Club der halblebendigen Konsumenten“. 😉

Oder wir probieren es andersherum – über die positive Motivation. Fans, die eifrig kommentieren und teilen, kommen am Ende des Jahres in eine große Lostrommel. Einer wird Fan des Jahres. Er erhält eine exklusive Fan-Incentivereise nach Mauritius. Ich höre schon das Aufheulen der Datenschutzbeauftragten. Aber das wäre doch wahre und nachhaltige Identifikation mit der Fanseite – allerdings gekaufte 🙂

Wie sieht der Deal aus?

Auf der anderen Seite darf dann aber auch die legitime Frage gestellt werden: „Was tut Ihr denn für uns Fans?“ Ich glaube, wir haben eine Schieflage im Verständnis des „Vertrags“: Unternehmen denken: „Ihr seid unsere unentgeltlichen personifizierten Multiplikatoren, damit wir was sind in der Welt der Social Media.“ Fans denken: „Ob ich wohl was gewinnen kann?“ 😉

Also kommen wir zurück zum Anfang: Wieviel ist mir als Unternehmen ein Fan wert? Wieviel wäre ich bereit, einem Fan „zu bezahlen“, damit er das tut, was ich von einem Fan erwarte? Hupps, und schon haben wir wieder eine ROI-Diskussion.

Mit besten Adventgrüßen
Ihr/ Euer Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 13. Dezember 2012 in Social Media

 

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Social Media: Bare Münze

Kennen Sie dieses altmodische Geräusch der Registrierkasse? „Ring“ mit einem leicht metallischen Schnarren. Wie ein Ohrwurm zieht mir das dieser Tage immer wieder durch das virtuelle Ohr. Interessanterweise taucht es jedesmal auf, wenn ich mich auf Facebook oder Twitter engagiere. Bei Google plus passiert gar nix.

Ich war sogar schon beim Arzt, aber der konnte keine physischen Ursachen finden und diagnostizierte daher eine Social Media Monetomanie – ein vor kurzem neu entdecktes Krankheitsbild, bei dem es zu Wahnzuständen durch intensive Social Media Nutzung kommt 😉

Dann aber kam dank Jeff Bullas doch noch diagnostisches Licht in das Mysterium. Eventbrite, ein Online-Ticketservice, hat nämlich festgestellt, dass jede meiner Aktivitäten pures Geld wert ist. Und zwar genau 4 Dollar und 15 Cent. Jedes Mal wenn ich auf Facebook etwas teile („Ring!“) entstehen 4 Dollar 15, auf Twitter immerhin 1 Dollar 85 („pling!“). Das erinnert mich ein wenig an den Materietransformator auf der Enterprise. Und natürlich auch an den jungen, aber intensiven Traum der Menschheit – nämlich mit Mausklicks Geld zu verdienen.

Damit wird die ROI-Diskussion sehr schnell entschieden: wir zählen die monatlichen Shares auf unseren Facebookseiten, multiplizieren mit 4,15, rechnen die Retweets mal 1,85 dazu und haben den Wert unserer Social Media Arbeit in harten Dollars errechnet; obwohl der früher ja mal härter war – aber früher war ja ohnehin alles besser 😉

Der Wunschtraum harter Währung

Oh felix Eventbrite! Wenn wir anderen uns nur so leicht täten! Natürlich ist es interessant, den Anstieg des Ticketverkaufs mit der von Fans weitergegebenen Informationsmenge zu korrelieren. Aber so einfach wird sich dieses Modell zum Leidwesen vieler nicht auf andere Szenarien übertragen lassen. Aber der Ansatz entspricht natürlich dem Wunsch jedes Managers in Mark und Pfennig, sorry Euro und Cent zu wissen, was meine Social Media  wert ist. Und dies um so mehr, da ja auf die Fans auch kein Verlass ist, da die ja nur zu 0,6% mit meiner Seite agieren und Facebook uns ja sowieso das Wasser mit dem neuen Edgerank abgräbt.

Andererseits fühle ich mich schon gebauchpinselt über die Machtfülle, die ich als kleiner Nutzer hier ausfülle. ich stelle mir gerade die Geldsäcke vor, die wegen meiner Likes und Shares in Haus und Garage lagern. Wie Onkel Dagobert stehe ich an der Tür und weise die Träger an, die neuen Säcke in den Keller zu tragen „da ist noch Platz“. Aber bald brauche ich einen Geldspeicher.

Leider liegt meinen Überlegungen ein fundamentaler Fehler zugrunde. Es ist ja nicht mein Geld und es wird auch nicht in mein Haus getragen. Es ist Geld, das in die Kassen der Unternehmen fließt, deren Inhalte ich verbreite. Aber da eben auch nur virtuelles Geld oder wie ein geschätzter früherer Kollege gerne sagte „chinese money“. Immer wieder schön, wenn virtuelles Gebaren echte Geldwerte produziert, aber in der Mehrzahl der Engagements dürfte das Gesetz der Aggregatszustandserhaltung gelten: virtuelles Tun erzeugt virtuelle Werte. Wie Image, das berühmte Employer Branding, Suchmaschinen-Relevanz, …

Wie man aus virtuellem, volatilem Kapital echte Säcke voller Geld macht, das exerziert Facebook vor. Hatte ich bereits schon einmal verbloggt. Deswegen hier nur der Link auf die aktuellen Entwicklungen, wie u.a. Sheryl Sandberg ihre reale Matratze stopft. So als Außenstehender gewinne ich den Eindruck, dass sich die Macher schnell ein paar Millionen in die Taschen stopfen, bevor das Unternehmen noch mehr an Wert verliert. Würde ich wahrscheinlich auch so machen. Nur so als Rücklage fürs Alter. Das Reale hat halt doch seinen Charme, dem auch die Macher der virtuellen Welt gerne erliegen  😉

Das Imaginäre verwerten

Wenn wir schon über Geld sprechen, klebe hier ganz unstylish noch einen Link auf die Wollmilchsauen an, die ein Modell aufgegabelt haben, das den Employer Branding Wert in harter Währung bemessen will. Netter Ansatz, aber leider aus meiner Sicht noch zu unfunktional. Aber wer weiß: Vielleicht sehen wir ja in den nächsten Jahren einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für die Bestimmung des Dollarwertes des virtuellen Unternehmensbestandes. Und da steckt dann alles drin, was wir in der leidigen ROI-Diskussion auf den Tisch legen. Auf geht´s!

Ich suche jetzt nochmal nach den Geldsäcken. Vielleicht liegt ja doch der eine oder andere in irgendeiner Ecke rum. Ich hab´s doch gerade wieder klingeln gehört. Da muss jemand den Post geteilt haben 😉

Beste Grüße
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 8. November 2012 in Social Media

 

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