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Social Media: Big-Data-Nachschub

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Eine Katastrophe?
Bild: pixabay.de / Hans

Man könnte meinen, im Februar 2014 sei die Welt zusammengebrochen. Die Gemüter erhitzen sich an der Übernahme von WhatsApp seitens Facebook.Da ist das „gute“ WhatsApp, das mit einer minimalen jährlichen Nutzungsgebühr schwarze Zahlen schreibt und da ist die „böse“ Datenkrake Facebook, die kein Geld verlangt und uns dafür zielgruppenorientierte Werbung einblendet.

Fakt ist: Beide Dienste sind höchst erfolgreich mit dem, was sie anbieten. Und wenn man die deutschen Nutzerzahlen zugrunde legt, ist WhatsApp mit 30 Mio. monatlichen Nutzern erfolgreicher als Facebook (27 Mio.), dessen Wachstum seit Kurzem etwas schwächelt.Theoretisch könnte damit Facebook zumindest auf deutschem Boden Reichweite gewinnen. Wobei es natürlich interessant wäre zu erfahren, wie viele Nutzer ohnehin schon beide Dienste nutzen. Die Zahl wird nicht ganz unerheblich sein. Immerhin unterhält WhatsApp auch eine ansehnliche Facebook-Präsenz mit knapp 6 Mio. Fans (allerdings weltweit).

Alles rennet, rettet, flüchtet

Eine Stimmung wie kurz vor dem Einsetzen der Sintflut macht sich breit. Facebook kommt und alles rennt davon.

Das wird natürlich kaum die Realität sein. Aber plötzlich schießen WhatsApp-Alternativ-Apps wie die Pilze in einem warmen, feuchten Herbst aus dem Boden. Threema, bislang nur einer eingeschworenen Gruppe von Sicherheitsfreaks bekannt, wird zum sicheren Hafen und verdoppelt innerhalb weniger Tage seine Nutzerzahlen auf immerhin 400.000. Es ist aber schwer vorstellbar, dass Facebook nur um Threemas willen 19 Mrd. Dollar ausgegeben hat. 😉

Warum also?

Geht es wirklich nur darum, einen „Konkurrenten aus dem Weg zu räumen“ (Lobo) oder „die Welt noch besser zu vernetzen“ (Zuckerberg). Die Wahrheit liegt dazwischen und hat sicher von beidem etwas. Von der Papierform her ist Zuckerberg vielleicht sogar näher an der Wahrheit. Was auch immer unter „Vernetzen“ zu verstehen ist.

WhatsApp und Facebook haben durchaus unterschiedliche Ansätze für unterschiedliche Kommunikationssituationen: WhatsApp – das ist primär die schnelle E-Mail unter persönlich Bekannten, Facebook – das ist meine eigene Vernissage für öffentliche Besucherscharen. So richtig konkurrenzmäßig erscheint das nicht. WhatsApp ist viel intimer, aber auch viel flüchtiger, was sich daran zeigt, dass bei WhatsApp die Zahl der Rechtschreibfehler die von Facebook nochmals dramatisch toppt 😉 (Was kümmert mich mein Post von gestern?)

Wofür also 19 Milliarden? WhatsApp ist wegen dreier Größen sicher ein guter Kauf (nicht nur für Facebook): Die immense Größe mit etwa 450 Mio. aktiven (!) Nutzern, die hohen Wachstumsraten und ein positives Betriebsergebnis. Weiteres Wachstum vorausgesetzt (so wird halt immer gerechnet) – fließen WhatsApp’s kontinuierlich steigende Abogebühren an Facebook. Wie viel das genau ist, wird sich ja irgendwann mal in Facebooks Quartalsberichten zeigen.

Und ob die Aussage des Ex-Geschäftsführers in spe und frisch von Facebooks Gnaden gebackenen Multimilliardärs, Jan Koum, in zwei Jahren noch gilt: „Werbung auf WhatsApp wird es nicht geben“? Wir werden sehen …

Weitere Datenquelle für Big Data

Einen weiteren Mehrwert bringt WhatsApp aber über seine Brautgabe: Die Daten der Nutzer, die auf einem intimeren Kommunikationskanal viel freizügiger reden als öffentlich. Und das macht natürlich die Profilierung von Nutzern viel realistischer. Immerhin sind beide Dienste nicht gerade Vorbilder, was Datenschutz und Datensicherheit angeht – das werden gerade die deutschen Zeigefingerheber nicht müde zu erklären. Und wer annimmt, das die NSA nur Facebook ausspäht, während sie WhatsApp-Nutzer ungeschoren lässt, weil die ja eine jährliche Gebühr bezahlen, nunja …

Ein besseres Targeting für Nutzer in einer „vernetzten Welt“ ist immer noch eher ein Versprechen oder eine Vision ist als eine Realität. Das will ich an einer kleinen Episode aus dem Paralleluniversum Google/Youtube erläutern:

In Ermangelung meines Interesses an Kanälen hat Youtube sich entschlossen, mir einfach einmal ein paar wichtige Kanäle als Abos angedeihen zu lassen. Unter anderem „Rock“ (was angesichts meiner angeschauten Videos gar nicht so falsch ist). Ich weise allerdings auch auf den etwas höher positionierten Andre Rieu hin – knapp unterhalb von Hammerfall-Sänger Joacim Cans 😉 und ich gebe darüber hinaus hier offiziell zu Protokoll, dass ich in der Regel weder Katzen- noch Hundevideos anschaue.

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Auf diesem Abo gab es dann eine Dame namens Demi Lovato, die zwar adrett aussieht, mir aber ansonsten (Asche auf mein Haupt) nicht das Geringste sagt. Also klicke ich mal in diese Aboempfehlung rein …

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Ah, das kenn ich doch irgendwo her? Also ganz ehrlich: Wäre das in Zeiten von targeted Dingsbums nicht möglich, diese grundlegende Frage vor einem Vorschlag zu prüfen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich als Deutscher auch in Deutschland ins Web gehe, scheint offenbar dafür zu niedrig zu sein.

Also ein genauerer Blick auf den Kanal „Rock“:

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Ja, holla … (ohne Worte)

Mit besten Grüßen
Ihr/Euer
Martin/ Reti

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Ein Kommentar

Verfasst von - 22. Februar 2014 in Social Media

 

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Social Media: Happy Birthday, Facebook

Diese Woche floss meine kreative Energie komplett in den divia-Blog. Ich mag die Infos und den Text aber so, dass ich sie hier nochmal nutze 🙂

birthday-17297_64010 Jahre Facebook. 10 Jahre Facebook! Gemessen an den Erwähnungen im Web (80,7 Mio. Treffer für „10 Jahre Facebook“) scheint das etwa 100-mal so wichtig wie die Mondlandung (892.000 Treffer).  Und egal ob Freund oder Feind – fast jeder kann mit dem Begriff zumindest was anfangen. Und auch wenn die Experten das vehement bestreiten: Social Media ist Facebook. Das heißt wohl auch, dass alle anderen feiern und Facebook die Füße still hält.

Mehr als Social Media

Facebook ist mehr als nur ein soziales Netzwerk, es ist einer dieser „Game changer“ – mit Auswirkungen auf Menschen, Gesellschaft und Geschäft. Und bis dato ist es unbestritten eine Erfolgsgeschichte. Was aber häufig ein bisschen aus dem Fokus gerät (gerade bei Privatnutzern), ist die Tatsache, dass Facebook ein Wirtschaftsunternehmen ist. Und auch im 21. Jahrhundert bleibt es für die Nutzer von „Umsonstdiensten“ eine unbequeme  Wahrheit, dass Wirtschaftsunternehmen Geld verdienen müssen. Facebook kennt dazu zwei Modelle: Werbung und … was war nochmal das andere? 😉 Achso, Bezahldienste. So eine Art Facebook-internes Paypal.

Obwohl die Geburtsstunde Facebooks 2004 schlug, ist das Phänomen in Deutschland noch nicht so alt. Holger Schmidt erwähnt – damals noch im FAZ-Blog (was die „herausragende“ Bedeutung des Themas anno 2008 unterstreicht ;)) – dass der deutsche Auftritt im März 2008 gestartet wurde. In Deutschland wird Facebook also nächsten Monat erstmal eingeschult. Damals führte Facebook-Vizepräsident Matt Cohler aus: „Facebook ist zurzeit nicht an Werbung oder Umsatz in Deutschland interessiert“.

Die Kasse klingelt

Passend dazu gab es damals auch keine offiziellen Angaben zu den Werbeeinnahmen. Für 2008 berichteten die üblichen „informierten Kreise“ von 400 Mio. US Dollar Werbeumsatz. Eigentlich eine imposante Zahl für ein Studentenprojekt. Noch größer wurde das Staunen, als die selben (?) informierten Kreise im Folgejahr von 700 bis 800 Mio. erzählten – und dass Facebook 10 Mio. Gewinn gemacht habe. Spätestens jetzt war das Interesse der Analysten geweckt: Facebook goes Business – steckt da Potenzial drin? Offizielle Zahlen zur Entwicklung der Werbeeinnahmen gibt es dann seit 2010. „Zeigt her Eure Zahlen“, heißt es nämlich, wenn man bei den Profis mitspielen möchte und an die Börse geht.

Statistik: Umsätze von Facebook weltweit nach Segmenten vom 1. Quartal 2010 bis zum 4. Quartal 2013 (in Millionen US-Dollar) | Statista

Die Geschwindigkeit „digitaler“ Geschäftsmodelle

In 10 Jahren von Null auf 7 Mrd. – das lässt sich doch sehen. Einige unserer DAX-Konzerne sind – zumindest laut Papierform – auch nicht viel älter. Die Deutsche Telekom wird nächstes Jahr 20, die Daimler AG wird dieses Jahr 16, Infineon ist gerade mal fünf Jahre älter als Facebook. Und macht weniger Umsatz: 3,8 Mrd. € (2012/2013). Natürlich haben sie „Vorgeschichten“, die bei Daimler zumindest bis in das Jahr 1883 zurückreichen. Ob Facebook irgendwann auch auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurückblicken wird?

Oder ob es wie eine Wunderkerze abbrennt ausgelöscht durch eine „Epidemie„? Oder ob Halbkriminelle das Geschäftsmodell durch wildes Liken aushöhlen? Das wird kaum jemand wissen. Tatsache ist: Im Moment führt an Social Media, Verzeihung, Facebook wenig vorbei.

Und weil Facebook so fleißig Daten von seinen Nutzern bekommt, badet Mark Zuckerberg wie Smaug im eigentlichen Asset seines Unternehmens, dem Datenschatz. Mit dem lassen sich noch ganz andere Geschäftsmodelle realisieren. Es muss ja nicht immer nur Werbung sein. Vielleicht zur Abwechslung Marktforschung. Stichwort: Big Data. Oder haben Sie noch Ideen für Facebook Geschäftsmodelle? Oder Zukunftsutopien für Facebook? So, meine Blogzeit ist alle – ich muss schnell meine Timeline checken 😉

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

p.s.: Die Entwicklung der Jahreswerte für die Werbeumsätze habe ich hier nochmal in einer Grafik zusammengefasst:

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Umsätze in Mio. US Dollar, 2008 und 2009 Schätzungen entsprechend Text

Das Original des Beitrags gibt es hier.

 
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Verfasst von - 13. Februar 2014 in Social Media

 

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Social Media: die Rechnung, bitte!

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„He, Fremder …“
Bild: pixabay.com

Der Januar ist in vielen Haushalten der Moment der Wahrheit: Auch bei uns. Unter dem Motto „Wir haben noch eine alte Rechnung miteinander offen“ meldet sich unvermittelt auch mein Stromversorger. Und mein Wasser/Abwasserversorger. Neben den Versicherungen versteht sich …

Organisationen, die unterjährig namen- und konturlos sind, (neulich wurde ich gefragt, ob ich die EBT kenne. Ich antwortete zunächst mit Nein – es ist mein Stromversorger ;)) bekommen plötzlich Leben und ein Gesicht. Meist sogar ein hässliches. „Wir haben da noch eine alte Rechnung offen“. Und dann wird mir da ein Zettelwust mit unverständlichen Zahlen präsentiert, praktisch ohne Erläuterungen. Psychologisch geschickt und grau hervorgehoben wird der Betrag hervorgehoben, den ich zu entrichten habe. Das nenne ich mal eine effiziente Beziehung. Aufs Wesentliche reduziert. Mein Geld.

Es ist aber nicht nur das Geld, das mich ärgert, sondern auch die Behandlung. Und die Intransparenz. Alles in allem eine explosive Gemengelage. Und jedes Jahr denke ich aufs Neue: Muss ich mir das gefallen lassen? damit bin ich nicht allein. Das nennt man wohl Triggerevent. Der Versorger vertraut darauf, dass ich zu faul zum Wechseln und zum Suchen bin. Dabei gibt es reichlich Vergleichsportale wie Verivox und ich könnte – der Liberalisierung sei Dank – mühelos wechseln (was ich noch nie gemacht habe – außer ich bin umgezogen ;))

Social Media ist Teil der Antwort

Ein austauschbares „no name“-Produkt, eine Kunden/Lieferanten-Beziehung, die aktiv nur einmal jährlich stattfindet und dann noch mit einem meist negativen Etikett markiert ist („Die haben schon wieder die Preise erhöht“)? Ein bisschen mehr Engagement um den Kunden scheint da angeraten. Das haben auch die Versorger erkannt: einer aktuellen effektweit SalesCoaching-Studie zufolge halten 88% der befragten Entscheider von Grundversorgern Kundenbindung für das zentrale Thema.

Da verwundert umso mehr, dass das Potenzial von Social Media für diesen Einsatz nicht gehoben wird. Als jederzeit zugänglicher Kanal, der für zusätzliche Transparenz sorgen kann, schnelle Rückfragen und Aufklärung ermöglicht, eignen sich Social Media ideal, um die Kundenbeziehung zu verbessern.

Facebook und die Stadtwerke

Die baden-württembergischen Stadtwerke als kommunale Stromversorger und Wettbewerber sind in Social Media noch lange nicht so weit: Von 122 Stadtwerken, die als Stromanbieter auftreten, zeigen sich gerade mal 25 auf Facebook (20,3 Prozent). Sechs Stadtwerke haben über 1.000 Fans.

Nun sind die Fanzahlen von Facebook noch kein ausschließlicher Gradmesser für den Erfolg und Sinn eines Gangs in Social Media. Aktiver Dialog, das Wahrnehmen von Anfragen und eine (zeitlich angemessene und inhaltlich entsprechende) Reaktion sind wichtige Faktoren, die den Anspruch der Kundenbindung ernsthaft reflektieren.

Zwei Stadtwerke haben die Direktnachricht-Funktionalität direkt deaktiviert. Von den 23 übrigen reagierten in einer Stichprobe zwei (Ulm/Neu-Ulm sowie Ludwigsburg-Kornwestheim) in weniger als einer Stunde, drei weitere (Esslingen, Geislingen und Waiblingen) noch innerhalb von vier Stunden. Fünf meldeten sich nach spätestens zwei Tagen. Unter dem Strich steht also eine Antwortquote von 44 Prozent. Aktiver Dialog zur Kundenbindung? Das sieht doch wohl anders aus.

Ich würde es zumindest begrüßen, wenn ich ein bisschen mehr verstehen würde oder wenn ich auf die Schnell mal nachfragen könnte. Vielleicht geht es ja anderen Menschen auch so.

Das Original des Textes mit dem Stadtwerke-Ranking findet sich auf dem divia-Blog. Johannes hat drüber geschrieben.

 
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Verfasst von - 30. Januar 2014 in Social Media

 

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Social Media: Sehr geehrte Frau Algo

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Foto: Romy auf pixabay.com

Maschinen waschen meine Wäsche, sie kochen meinen Tee, sie mähen meinen Rasen – vielleicht zerlegen sie mich oder meine Kinder irgendwann mal in Atome und transportieren uns vom heimischen Sofa in den Urlaub und zurück von der Laufbahn direkt in die Dusche oder schlafen für mich. Fürs Erste übernehmen sie schon mal mein Dasein im sozialen Web.

Social Media – Wo war da nochmal der Vorteil? Achso, in Zeiten, in denen Maschinen uns alles abnehmen (z. B. in den allseits beliebten Hotlines und jetzt auch schon beim Autofahren) konnten wir endlich wieder mit echten Menschen reden, die nicht nur vorgefertigte Algorithmen und Satzfragmente nachkauen, um den Anschein von Intelligenz zu erwecken, sondern wirklich Zeit für uns haben und uns zu helfen versuchen. Und das Beste daran: Manchmal funktioniert das sogar. Das hängt natürlich wesentlich vom Verständnis der sozialen Medien im Unternehmen bzw. bei den betreuenden Menschen ab. Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier bzw. einer anderen Storagepartition. 😉

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Ursprünglich war es nur ein kleines Twitter-Bonmot von Klaus Eck über Algorithmen als Gatekeeper, das meine Gedanken anstieß. Aber dann fiel mein Blick auf den Stammvater der automatisierten Kommunikation: „Dieses Schreiben wurde maschinell erstellt und ist auch ohne Unterschrift gültig„. Die Maschinen nehmen uns die Kommunikation ab. Und im digitalen Zeitalter entscheiden sie auch darüber, was wichtig ist (was das Geschäftsmodell von Google begründete).

Digitale Präsenz als Währung

Dazu kommt die Tatsache, dass sich digitale Präsenz immer mehr zu einer Art Währung entwickelt. Es ist wichtig, (hohe) Aktivität auf allerlei Kanälen zu zeigen, um wahrgenommen zu werden. Es erscheint mir ein wenig wie ein ewiger Kreislauf: Immer wenn die Technik (meist in Form der IT) uns neue Erleichterungen und Möglichkeiten bereit stellt, sind wir irgendwann überfordert und … benutzen wiederum technische Lösungen, um mit den Möglichkeiten Schritt zu halten. Insofern ist es tatsächlich konsequent, den nächsten Schritt zu gehen und Maschinen nun auch unsere Kommunikation anzuvertrauen:

Fremdposten ist angesagt 😉

Das ist nichts Neues, wird aber in Mountain View sicher noch professioneller angegangen als bei den bisherigen Ansätzen. Da gab es die eher klassische Lösung des menschlichen Social Media Butlers, Verzeihung der Butlerin, und den deutschen Social Sitter, der uns im Urlaub vertritt und wild „liket“ und „sharet“. Google aber wird wohl noch einen draufsetzen mit einem Dienst, der automatisch Statusposts absetzt. Ob der das auch bei Facebook wir tun können, wollen wir mal dahin gestellt lassen. 😉

Vorteile en masse

Der Vorteil liegt auf der Hand: Wir müssen nicht mehr selber Zeit investieren, um unsere Spuren im Web zu hinterlassen, die unsere „Online Reputation“ steigern. Das nervige Reden mit anderen Menschen überlassen wir unseren elektronischen Butlern und unser Kloutscore erklimmt ungeahnte Höhen. Na also 😉

Letzten Endes unterhalten sich dann unsere „Vertretungsmaschinen“ mit den Maschinen, die über unseren Wert in der algorithmischen Onlinewelt entscheiden. „Der spielt nicht fair“, mag der eine rufen, „Beschiss“, der andere. Das ist nur ein kleines bisschen wie Bitcoins stehlen. Strafbar sicher nicht, anstößig vielleicht. Wirkungsvoll – aber sicher.

Insofern mag der Versuch Googles, das beste Tool für das automatische Posten (vermutlich kostenfrei) auf den Markt werfen zu wollen, ein Befreiungsschlag sein, der dafür sorgen soll, dass „soziale Signale“ echt bleiben. Was wäre einfacher, als die automatisch generierten Posts vom Google-eigenen Tool herauszurechnen? 😉  

Überdies hinaus ist das eine erfreuliche Entwicklung, weil die NSA von den so abgegriffenen Informationen nicht den geringsten Nutzen hat oder sie aber wahlweise in einem Google Rechenzentrum vorbeischaut, um die entsprechenden virtuellen Maschinen zu verhaften, die meine Befehle verwalten. 😉

Handwerk hat goldenen Boden

Digitale Prominenz auf Knopfdruck – na, das klingt doch. Natürlich haben wir es gerne einfach und kostengünstig, aber warum – nochmal – freuen sich Eltern über die unprofessionellen und ungelenken Bastelprodukte ihrer Kinder, gehen Menschen zur Landmetzgerei statt in den Supermarkt, in ein Restaurant statt zur Pommesbude? Ich vermute, weil sie Industrialisierungsansätze (so effizient für alle Seiten sie sein mögen) satt haben.

Deswegen sehen wir auch gerne mal einen Fehler  – weil wir sehen, dass es Handwerk ist. Individuell. Persönlich. Auch wenn die Maschinen unsere Kommunikation verwalten, ist doch der Wert von Kommunikation immer noch der der Begegnungen von Menschen. Davon bleibe ich zumindest überzeugt. Und man sollte auch damit leben, eben nicht alles tun zu können, alles wissen zu wollen und überall aufzutauchen zu müssen. 😉

Ab und zu einen Butler einzusetzen, der mir ein wenig Arbeit abnimmt, um brachliegende Facebook-Profile zu beleben und darbende Twitter-Accounts zwangszubeatmen kann sinnvoll sein. Aber eine Maschine meine Beziehungen pflegen zu lassen – ganz ehrlich – das ist doch ein bisschen daneben. Wichtiger wäre doch zu überlegen, was ich mit meiner Zeit anfangen will. Was Bedeutung für mich hat und auf was ich verzichten kann. Ich verspreche: Wir können den Verzicht überleben 😉

Mit besten Grüßen
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 5. Dezember 2013 in Social Media

 

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Social Media: Kassensturz

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Bild: pixabay.com/ Gerd Altmann

Nachdem unsere Welt durch den Twitter IPO nun wieder um ein paar Milliardäre reicher ist, war es an der Zeit, wieder mal einen Blick auf einen Bereich unseres Lebens zu werfen, in dem sich Virtuelles mit Virtuellem paart: Aktien und digitale Geschäftsmodelle.

Im Februar noch machte sich Dennis Berman im Wall Street Journal Gedanken darüber, ob Twitter 10 Mrd. Dollar wert ist und ob 2014 die erste Umsatzmilliarde erreicht wird und wenige Monate später ging im Zwitschervogeluniversum die Post ab und wir alle erfuhren: Bislang hatte Twitter nicht einen müden Cent verdient. Tatsächlich wurden Jahr um Jahr Millionen und Abermillionen in den Untiefen des Webs versenkt. Ein offenbar todsicherer Aktientipp …

Wie wir mittlerweile alle mitbekommen haben, war der Börsengang höchst erfolgreich – im Gegensatz zu dem von Facebook. Ja, die Anteilskäufer rissen sich derart um die Twitterpapierchen, dass der Ausgabekurs immer mal wieder nach oben korrigiert werden „musste“. Wäre übrigens interessant zu erfahren, ob sich jemand daraus ein Nestchen gebaut hat. 😉

Invest in Social Media?

Eigentlich sollte man sich ja als so ein Social Media Typ ein kleines Social Media Aktienportfolio zulegen. Oder vielleicht zahlen die entsprechenden Social Media Agenturen ihren Mitarbeitern dieses Jahr mal den Bonus in Form von Aktien aus? 😉 Ich war auf jeden Fall daran interessiert, wie viel denn die Aktien dieser ganzen virtuellen Unternehmen kosten und wie viele davon im Umlauf sind.

Das belächelte Facebook übertrifft mittlerweile seinen Ausgabekurs um etwa zwei Euro, nachdem es zwischenzeitlich ziemlich geschwächelt hatte. Soviel ich weiß, verdient Facebook sogar Geld. Sogar gar nicht mal so wenig. Twitter hingegen hat ja „nur“ 70 Mio. Aktien ausgegeben. Die sind mittlerweile etwas weniger wert als noch vor der Ausgabe. Aber wie viel „Geld“ ist das denn jetzt? Hier also die Social Media Aktien-Liga. Alle Kurse stammen vom 15.11.2013

             Unternehmen              Anzahl Aktien               Kurs                    Gesamtvolumen (€) 

Platz 5:  Xing AG                            5,55 Mio.                   76,50 €                      425 Mio.

Platz 4:  Twitter                                 70 Mio.                   32,43 €                     2,27 Mrd.

Platz 3:  LinkedIn                         101,78 Mio.                 171,17 €                     17,4 Mrd.

Platz 2:  Facebook                          1,87 Mrd.                   35,40 €                     68,2 Mrd.

tja, was mag da jetzt noch kommen? Das ist jetzt zwar ein bisschen geschummelt und auch wenn Oliver Gassner sagte, man dürfe Facebook nicht mit Google+ vergleichen – beim Geld sind doch alle gleich. Nun gibt es zwar keine Google+ Aktie, aber Google ist schon länger an der Börse. Und das nicht ganz unerfolgreich:

Platz 1:  Google                              276,72 Mio.               766,29 €                     212 Mrd. 

Zum Vergleich noch zwei andere Aktienunternehmen aus der digitalen Welt, die es allerdings mit Google auch nicht aufnehmen können:

ebay                                    1,29 Mrd.                 39,20 €                     50,5 Mrd. 

Amazon                             457,73 Mio.               272,18 €                   124,5 Mrd.

Vielleicht ändert sich das ja, wenn Amazon auch „social“ wird? 😉 Mit 1100 € gibt es also ein durchgängiges Social Media- Aktienpaket, eine von jeder der Top5 – wobei man für die Google-Aktie allein schon zwei Drittel berappen muss. Allerdings dürften wir nach dem Kauf das Gefühl haben, dass uns ein Stück Internet gehört. Das könnte sehr befriedigend sein. 😉

Schönes Wochenende
Ihr/Euer
Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 16. November 2013 in Social Media

 

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Social Media: Superposition des Marketing

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Foto: Gerd Altmann auf pixabay.com

Superposition – allein schon der Klang des Wortes klingt ein bisschen nach Beschützer der Galaxis. Allein – nur die wenigsten können mit dem Physikkram was anfangen. Wird unsere Welt immer abstrakter? Schrödingers Katze – ja, das war noch ein Bild, mit dem wir was anfangen konnten.

Ich habe neulich meiner Tochter ein Buch geklaut. Und durchgelesen. Darin beschreibt die Physikerin Sonia Fernandez-Vidal in einer Fantasiegeschichte Effekte und Theorien der Relativität und der Quantenmechanik. Unter anderem eben jene Superposition. Und die hat tatsächlich ein bisschen was mit Social Media zu tun. Aber erstmal zur Superposition. Für alle, die es nicht schon längst gegoogelt haben, hier die Wikipedia-Erläuterung – erfreulich wissenschaftlich korrekt (ja, das ist was anderes als in der Social Media ;)):

„Superposition in der Quantenmechanik ist vergleichbar mit der aus der klassischen Wellenlehre, da quantenmechanische Zustände ebenfalls durch Wellenfunktionen beschrieben werden. Zu beachten ist hierbei jedoch, dass die quantenmechanischen Wellenfunktionen, im Gegensatz zu den klassischen, noch keine „reale“ Bedeutung haben. In der dazu äquivalenten Darstellung mit Zustandsvektoren bedeutet Superposition einfach die Addition (oder Linearkombination) von Vektoren.“

Gott würfelt anscheinend doch 😉

Ich versuch’s mal so: Superposition ist wie Mäxle. Dabei wird mit zwei Würfeln verdeckt gewürfelt und das Gebot muss immer höher sein, als das des Vordermanns. Wer das schon mal gespielt hat, der weiß genau, was Superposition ist: Solange ich den Becher noch nicht gehoben habe, ist alles möglich. Erst wenn der Becher gehoben wird, wird eine der vielen Möglichkeiten Realität. Erst dann weiß ich, dass ich keinen 6er-Pasch habe. Physiker gehen also so weit zu behaupten, dass vor dem Abheben so viele Realitäten gleichzeitig existieren, wie es Würfelergebnismöglichkeiten gibt. Und nennen das Superposition.

Social Media vs. klassisches Marketing

Und jetzt ein großer Sprung – in die Realität. Verzeihung, in die nachvollziehbare Realität unseres täglichen Social Media Lebens. Gestern lief über unseren divia-Twitterkanal (den ich hiermit aufs Wärmste empfehle) ein Link auf eine Gegenüberstellung zwischen dem klassischen Marketing und Social Media. Mir ist die, ehrlich gesagt, ein bisschen zu platt. Hier ist natürlich im Social Media Universum alles gut oder zumindest besser als im „klassischen Marketing“. Beispiel gefällig?

„Im klassischen Marketing werden eine bestimmte Sprache sowie eine klare Botschaft definiert. Oftmals besteht die Kommunikation aus klaren, langen Sätzen. Beim Social-Media-Marketing hingegen fehlen diese vorformulierten Floskeln und ausschweifende Beiträge“ – aha.

Wer will, darf sich die Liste gerne anschauen und möglicherweise klingt das ja im englischen Original gar nicht mehr so schlimm. Aber hier werden künstlich Gegensätze aufgebau(sch)t. Auch wenn zwischen Social Media und der klassischen Marketingdenke definitiv Unterschiede bestehen: Die Textlänge und Sprache ist mit Sicherheit nicht das wesentliche Unterscheidungskriterium. Bullshit-Formulierungen – lange wie kurze – gibt es hüben wie drüben. Die Bewertung darüber hängt vom Standpunkt ab. Und vom Wunsch der Abgrenzung …

Mulitple Realitäten

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Möglichkeiten über Möglichkeiten
Foto: Sandra Probst/pixelio.de

Apropo Standpunkt: Wahrheit ist ja etwas höchst Subjektives. Eine Sache, ein Umstand oder sagen wir: ein Unternehmen oder ein Produkt wird ja von jedem Menschen anders wahrgenommen. Für den Mitarbeiter ist es Brötchengeber, Sinnvermittler, Sozialkontaktvermittler, Coole-Produkte-Macher, aber auch Ausbeuter, Drangsalierer, Überstunden-Aufdrücker. Sollen wir mit den Kunden und den Angehörigen, der Geschäftsleitung weitermachen? Ich denke, Sie haben verstanden, auf was ich raus will: Superposition ist doch etwas sehr Reales. Fazit: 100 Menschen, 200 Wahrheiten. Übrigens kann man – wenn man so will – die Dreifaltigkeit auch als Superposition verstehen. Nur dass da noch niemand den Becher gehoben hat 😉 Wozu die Physik nicht alles gut ist.

Meine Erfahrung ist: Das klassische Marketing sieht das Sollimage, die eine Wahrheit, das eine Bild, das nach außen transportiert werden soll. Das geht dann bisweilen so weit, dass man sich weigert, andere Realitäten oder Betrachtungsweisen zu akzeptieren und Ihnen Irrealität vorhält. „Wir haben hier doch ein Mäxle!“. Und diese Einstellung hat durchaus auch ihren Sinn und ihre Berechtigung 😉

Akzeptanz der Superposition

Die Social Meda akzeptiert hingegen das Superpositionsprinzip, die verschiedenen Wahrheiten und stellt sich auf sie ein. Und versucht im Idealfall Brücken zwischen ihnen zu bauen. Social Media Menschen müssen erkannt haben, dass das Universum komplex ist und dass diese Komplexität spezifischer Pflege bedarf. Und die relevante Realität entsteht, wenn der Becher gehoben wird. Nur, dass ihn allenthalben jemand anderes herumdreht und möglicherweise auf eine Facebookseite, dass „… hier nur Idioten arbeiten …“. 😉

Unternehmen, die Social Media aus der „Perspektive der einzigen Wahrheit“ betreiben, machen aus meiner Sicht einen grundlegenden Fehler, weil das Wesen der Social Media mit dem Auftreten des klassischen gelebten Marketing (noch) nicht zusammenpasst. Und überhaupt: Warum sollte man das klassische Marketing gegen die Social Media ausspielen wollen? Wäre es nicht viel cleverer, das Beste voneinander zu lernen?

Mit besten Grüßen
Ihr/Euer
Martin/ Reti

p.s.: Obwohl es ja heißt, dass Cat Content immer zieht, habe ich Schrödingers Katze zugunsten des Würfelbechers geopfert. Sehen Sie’s mir nach. Alle Physiker bitte ich ohnehin um Verzeihung. Und alle anderen sowieso.

 
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Verfasst von - 24. Oktober 2013 in Social Media

 

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Social Media: Demonstration der Macht

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Heute schon kununut?
Dieter Poschmann/pixelio.de

Ein bisschen 1. Mai-Feeling kommt da schon auf, wenn ich bei kununu vorbeischaue. Nur kommt die Plattform zur Arbeitgeberbewertung halt ganz ohne rote Fahnen aus. Und die Demonstrationen gehen rund um die Uhr.

Kununu ist schon längst kein unbeschriebenes Blatt mehr (in Suaheli heißt kununu „leeres Blatt“). In den letzten Jahren hat das Portal es heimlich, still und leise geschafft, zur Nummer 1 der deutschsprachigen Arbeitgeber-Bewertungsplattformen aufzusteigen. Das bestätigen 1.500 Bewertungen, die tagtäglich abgegeben werden. In der Folge münden Suchanfragen wie „Arbeitsatmosphäre“, „Betriebsklima“ oder „Karrierechancen“ plus Unternehmen XY immer mit einem: „Gestatten, kununu, ich hätte auch eine Meinung dazu …“

Die Zahl der Kununu-Fans ist stetig steigend. Klar, wir neigen ja als Deutsche ohnehin dazu, eher schnell mal zu motzen als zu loben. Scheint wohl eher in unserer Natur zu liegen. Aber da wir mehrheitlich Arbeitnehmer und Aufgabenempfänger sind, genießt die Plattform einen landauf, landab positiven Ruf. Sie leistet ja auch mit dem ungeschminkten Blick hinter die Kulissen einen wichtig Beitrag, damit sich Interessenten über Unternehmen informieren können. Betonung auf können – doch dazu später mehr.

Weitere Fans für den Kununu-Gedanken konnte @CarolinHorn vor kurzem auf der Social Media Night in Stuttgart sammeln – zumindest wenn man der Zusammenfassung von @FrankFeil in der Stuttgarter Zeitung und der Twitterstatisitk von @LarsKroll glauben darf.

Gerne steuere ich noch ein paar zusätzlich Gedanken über die Plattform bei. Denn neben verprellten (oder auch zufriedenen) Mitarbeitern und der Chefetage gibt es noch einen Puffer in Unternehmen. Die Personalabteilung oder – gerade, wenn es um soziale Netzwerke geht – die Social Media Treibenden. Ich war zwei Jahre lang einer davon.

Zwischen den Brötchenhälften

Die positive Seite von kununu geht weit darüber hinaus, dass Mitarbeiter Dampf ablassen können oder dass womöglich sogar die in Social Media Zeiten so angesagte Transparenz entsteht. Unternehmen, die die Rückmeldungen Ernst nehmen (besonders wenn sich Aussagen häufen), können sehr viel lernen. Sie erhalten eine kostenlose MItarbeiterbefragung. Die wahrscheinlich nicht ganz repräsentativ ist. Aber die ganz konzentriert zeigt, wo der Schuh drückt. Wenn die Führungskultur mehrfach angeprangert wird – vielleicht wäre das ja ein Impuls, was zu ändern? Dadurch kann kununu sogar Unternehmensrealitäten verändern. Das wäre doch ein schöner Traum.

Das Revolutionäre an kununu ist: Unternehmen werden zu Getriebenen. Der kleine Mensch hat den Hebel in der Hand und kostet ein Stückchen Macht. Das ist so ähnlich wie bei der Sicherheitssoftware auf dem Rechner: Die Bedrohung ist immer zuerst da. Unternehmen bekommen das Heft aus der Hand genommen. Sie müssen reagieren.

Zunächst mal kann man jemanden etablieren, der die Plattform im Auge behält (die automatische Benachrichtigung braucht übrigens immer ein Weilchen, bis sie sich meldet) und dann zur Bewertung Stellung bezieht. Bevorzugt übrigens an den Wochenenden oder ganz frühmorgens, weil Unzufriedene ihren Befindlichkeiten ja gerne nach Dienstschluss in der Behaglichkeit des eigenen Heims Linderung verschaffen – ohne dass womöglich jemand nachverfolgen kann, wo die Bewertung herkam.

Die Anonymität der Plattform ist natürlich zum einen eine Stärke, zum anderen eine Schwäche. In Social Media Zeiten wollen wir ja einfachen Zugang, einfache Teilhabe. Aber niemand prüft, ob der Bewertende tatsächlich in dem Unternehmen arbeitet, das er bewertet oder ob er womöglich schon seine 10. Bewertung einträgt. Die Einfachheit der Meinungsäußerung öffnet also der Manipulation Tür und Tor. Übrigens natürlich in beide Richtungen. Allzumal ja eine Bewertungsanzahl von 40 schon als überdurchschnittlich gilt.

Die Crowd kennt die Wahrheit

Das Netz vergisst nichts? Das Netz kennt die Wahrheit? Ab einer bestimmten Bewertungsmenge kann das durchaus als sehr wahrscheinlich gelten. Denn nur der Insider kann nachvollziehen, ob die abgegebene Bewertung tatsächlich wahr ist. Und nachvollziehen, ob sie erdichtet ist. Die Konkretion in den Ausführungen bietet hier einen guten Anhaltspunkt – insbesondere dann, wenn Strukturen oder Prozesse bemängelt werden, die es im Unternehmen überhaupt nicht gibt. Für den Außenstehenden ist aber zunächst alles wahr. Es steht ja im Internet, nicht wahr? Dass die Wahrheit für jeden Arbeitstätigen etwas höchst Subjektives ist, will ich bei dieser Betrachtung mal ganz außen vor lassen. Ich spreche nur von reinen Fantasiegebilden, um nicht den Ausdruck von der bewussten Lüge in den Mund zu nehmen.

Kununu hat es sehr geschickt geschafft, Druck auf die Unternehmen aufzubauen. Reiner Altruismus, um die Arbeitswelt besser zu machen? Mitnichten. Neben der Möglichkeit, auf Anfeindungen und Kritik zu reagieren, bieten die Österreicher Unternehmen auch die Möglichkeit, sich gegenüber der Außenwelt aus ihrer Sicht zu präsentieren. Kostenpunkt 395 € – für ein Logo und eine Kurzbeschreibung. Wenn man weniger als 200 Mitarbeiter hat. Bei über 5000 Mitarbeitern kostet das dann schon mal 1095 €. Pro Monat. Um der Fairness die Ehre zu geben: Natürlich bekommt man mehr als nur ein Logo und ein Unternehmensprofil für das Geld. Aber wenn man nicht mehr möchte – ein kleineres Paket gibt es nicht.

Aufruf zum Handeln

Um zu einer repräsentativen Bewertungsmenge („kritische Masse“, was hier bisweilen durchaus wörtlich zu verstehen ist ;-)) zu gelangen, muss ein Unternehmen gar nicht viel tun: Automatisch bekommt man die, wenn man groß genug ist und/oder die Mitarbeiter schlecht genug behandelt. Gutes Personalmarketing allerdings kennt noch ein weiteren Weg: Die Mitarbeiter aktiv zur Teilhabe auffordern und den Social Media Gedanken leben. Das ist ein Zeichen von Stärke für jedes Unternehmen.

Unternehmen, die sich vor kununu ängstigen, haben ein tiefer gehendes Problem als ihre Außenwahrnehmung. Social Media bedeutet auch, sich den dunklen Seiten zu stellen, sie offen zu diskutieren und womöglich gemeinsam zu verändern. Auch wenn das was kostet.

Mit beste Grüßen
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 17. Oktober 2013 in Social Media

 

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