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Digitale Weihnachts-Disruption

santa-claus-496240_1920„2.302.564, 2.302.565, …566, …567“, verzweifelt blicken seine alten Augen auf das Display seines brandneuen Heavenoid-Phone (powered by Heaven Systems. Zero Outage. Die Nummer 1 in Cloud Computing. Werbeblock Ende). Die CRM-App zählt erbarmungslos – und in Echtzeit – die Neueinträge in seiner Kundendatenbank. „Es werden immer mehr …“, raunt sein Mund. Für Menschen mag der Begriff „Bevölkerungsexplosion“ ein Schlagwort sein, das sie in der behaglichen Ruhe ihres Wohnzimmers goutieren, für den Weihnachtsmann ist es die ultimative Business Challenge.

Und das, wo er ohnehin diesen dramatischen saisonalen Lastspitzen unterworfen ist. Über zwei Milliarden Kunden auf sieben Kontinenten – in gut 24 Stunden. Gott sei Dank gibt es die verschiedenen Zeitzonen … da kann so ein Arbeitstag auch mal auf 48 Stunden anwachsen – ohne Pause versteht sich. Aber auch ohne Jammern, denn für den Rentier-Zugführer macht sich keine Gewerkschaft stark.

Nun auch noch die Kunden im All. „Ich brauche eine Lösung“. Schon seit Monaten kreist sein Denken um nichts anderes. Aber Ideen Fehlanzeige. Und gleichzeitig rückt Weihnachten unbarmherzig näher. Und der Zähler tickt weiter: 2.302.999 …

Im Mai, als Alexander auf die ISS zog, war er noch so zuversichtlich. Vor knapp 200 Jahren im Zuge der industriellen Revolution hatte er sich schweren Herzens vom Full-Service-End-to-End-Gedanken verabschiedet und die Produktion der Weihnachtsgeschenke outgesourct. Vor Jahren dann die Lösung für den Antarktis-Service: Statt Rentieren ziehen heutzutage Pinguine behände den Schlitten über die „letzte Meile“. Allerdings brauchen die ein wenig länger – eine Änderung der operativen Prozesse war nötig. Integration von Rentier- mit Pinguin-Service bei vorgezogenem Lieferstart.

Im Juni dann die erste Idee: Anfrage über die Bundeskanzlerin bei der NASA. Sprich einfach eine SMS an das Kanzler-Handy geschickt. Die NASA liest ja sowieso mit. Mon Dieu – was so ein kleiner Buchstabenpatzer ausmachen kann. Statt bei der NASA landete die SMS bei der NSA. Und wer annimmt, dass die eine Anfrage des Weihnachtsmanns priorisiert weitergeben – so von .Gov-Behörde zu .Gov-Behörde –, der darf sich getrost enttäuscht sehen. Keine Reaktion. Kein Heimaturlaub für die Astronauten während der Weihnachtstage. Was der Weihnachtsmann zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, aber wenig später erfuhr: Auch sein Handy war bereits angezapft („Like this – Santa Claus ozapft is“ – internes Memo bei der NSA vom 12. Februar 2014). Sehr unkooperativ diese Behörden.

Der Weihnachtsmann braucht ein disruptives neues Geschäftsmodell. Er muss Transport und Logistics völlig neu denken. Weg von konventionellen Denkmodellen. Das Undenkbare fokussieren: Selbstfahrende Rentierschlitten? Space-Drohnen? Gentechnisch-mutierte, raumresistente Bakterien als Zugtiere? Materie-Transformation? Beamen? … Beamen?

Der Weihnachtsmann greift zum Heavenoid (Powered by Heaven Systems – Zero Outage. Die Nummer 1 in Cloud Computing (Werbeblock Ende) und erreicht nach wenigen Sekunden über die gesicherte Leitung seinen Account Manager: „Michael, ich habe eine prima Idee für ein disruptives Geschäftsmodell“.

Der Gesprächspartner am andere Ende der Leitung wirft sein langes, gewelltes Haar zurück, faltet seine Flügel zusammen und legt sein Schwert beiseite: „Ich bin ganz Ohr, Disruption ist seit Äonen unser Business“

„Also, ich muss da was beamen …“

Wenige Minuten später der Rückruf. „Der Chef hat zugestimmt. Du darfst diese Killer-Applikation aber nur für diesen Zweck einsetzen. Die Rechen- und Speicherressourcen werden bereitgestellt. Aus der Cloud, versteht sich. Powered by Heaven Systems – Zero Outage. Die Nummer 1 in Cloud Computing (Werbeblock Ende). Die Start-App spielen wir auf Dein Heavenoid. Eine kleine Modifikation aber. Ich sage nur so viel: Strafe muss sein. Hat der Chef gesagt. Konzept steht bereits. Lehn‘ Dich zurück“.

Ein Lächeln stiehlt sich in die Mundwinkel des Weihnachtsmanns: „So gut habe ich mich schon lange nicht mehr gefühlt, seit ich diesen blöden roten Kittel anziehen musste“.

Irgendwann in der Nacht von 24. auf 25. Dezember 2014 in Fort Meade, Maryland, USA, 20 Meter unter der Erde

Eine Lampe dreht sich hysterisch im Kreis, taucht einen fensterlosen Flur in gespenstisch rotes Licht. Eine Sirene schrillt. Bleiche Menschen mit Sonnenbrillen rasen aufgeschreckt über den Gang, schwenken Blätter, sprechen stakkatoartig in Handys: „Massive Cyber-Attacke auf unsere Server!“. „Die Chinesen? Die Russen?“ Islamisten? Können wir den Angriff zurückverfolgen?“

„Der Angriff kommt … vom Himmel“

„Satellitenkontrolle – wie perfide“

„Äh, nicht von den Satelliten, sondern äh … aus dem Nichts“

„Aliens … Sie sind da. Ich wusste es“

„Haben Sie die Ports zugemacht?“

„Geht nicht. Wir sind hilflos. Irgendjemand saugt unsere komplette Rechenkapazität ab. Unsere Überwachungsprogramme sind komplett ausgefallen.“

„Mr. President, wir haben ein Problem …“

Zeitgleich, 416 Kilometer über der Erde

Auf der ISS materialisieren sich wie von Zauberhand und unbemerkt von den tief schlafenden Astronauten Weihnachtspräsente. Mit besten Grüßen vom Weihnachtsmann, powered by Heaven Systems. Zero Outage. Die Nummer 1 in Cloud Computing (Werbeblock Ende). Unter (unbedeutender) Mithilfe der NSA. Gesegnete Weihnachten“.

Minuten später am Nordpol, Normalnull

„Hallo Michael, prima Service. Ich bin hochzufrieden – wie immer. Hohe Usability. Und das hat Spaß gemacht. Machen wir das nächstes Jahr wieder? Ich habe da noch eine Idee. Wie wäre es, wenn wir ein Kundenbindungsprogramm aufsetzen: Cloud Delivery as you pray?“

„Wir reden mit dem Chef …“  

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Verfasst von - 20. Dezember 2014 in Sonstiges

 

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