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Social Media: Bare Münze

Kennen Sie dieses altmodische Geräusch der Registrierkasse? „Ring“ mit einem leicht metallischen Schnarren. Wie ein Ohrwurm zieht mir das dieser Tage immer wieder durch das virtuelle Ohr. Interessanterweise taucht es jedesmal auf, wenn ich mich auf Facebook oder Twitter engagiere. Bei Google plus passiert gar nix.

Ich war sogar schon beim Arzt, aber der konnte keine physischen Ursachen finden und diagnostizierte daher eine Social Media Monetomanie – ein vor kurzem neu entdecktes Krankheitsbild, bei dem es zu Wahnzuständen durch intensive Social Media Nutzung kommt 😉

Dann aber kam dank Jeff Bullas doch noch diagnostisches Licht in das Mysterium. Eventbrite, ein Online-Ticketservice, hat nämlich festgestellt, dass jede meiner Aktivitäten pures Geld wert ist. Und zwar genau 4 Dollar und 15 Cent. Jedes Mal wenn ich auf Facebook etwas teile („Ring!“) entstehen 4 Dollar 15, auf Twitter immerhin 1 Dollar 85 („pling!“). Das erinnert mich ein wenig an den Materietransformator auf der Enterprise. Und natürlich auch an den jungen, aber intensiven Traum der Menschheit – nämlich mit Mausklicks Geld zu verdienen.

Damit wird die ROI-Diskussion sehr schnell entschieden: wir zählen die monatlichen Shares auf unseren Facebookseiten, multiplizieren mit 4,15, rechnen die Retweets mal 1,85 dazu und haben den Wert unserer Social Media Arbeit in harten Dollars errechnet; obwohl der früher ja mal härter war – aber früher war ja ohnehin alles besser 😉

Der Wunschtraum harter Währung

Oh felix Eventbrite! Wenn wir anderen uns nur so leicht täten! Natürlich ist es interessant, den Anstieg des Ticketverkaufs mit der von Fans weitergegebenen Informationsmenge zu korrelieren. Aber so einfach wird sich dieses Modell zum Leidwesen vieler nicht auf andere Szenarien übertragen lassen. Aber der Ansatz entspricht natürlich dem Wunsch jedes Managers in Mark und Pfennig, sorry Euro und Cent zu wissen, was meine Social Media  wert ist. Und dies um so mehr, da ja auf die Fans auch kein Verlass ist, da die ja nur zu 0,6% mit meiner Seite agieren und Facebook uns ja sowieso das Wasser mit dem neuen Edgerank abgräbt.

Andererseits fühle ich mich schon gebauchpinselt über die Machtfülle, die ich als kleiner Nutzer hier ausfülle. ich stelle mir gerade die Geldsäcke vor, die wegen meiner Likes und Shares in Haus und Garage lagern. Wie Onkel Dagobert stehe ich an der Tür und weise die Träger an, die neuen Säcke in den Keller zu tragen „da ist noch Platz“. Aber bald brauche ich einen Geldspeicher.

Leider liegt meinen Überlegungen ein fundamentaler Fehler zugrunde. Es ist ja nicht mein Geld und es wird auch nicht in mein Haus getragen. Es ist Geld, das in die Kassen der Unternehmen fließt, deren Inhalte ich verbreite. Aber da eben auch nur virtuelles Geld oder wie ein geschätzter früherer Kollege gerne sagte „chinese money“. Immer wieder schön, wenn virtuelles Gebaren echte Geldwerte produziert, aber in der Mehrzahl der Engagements dürfte das Gesetz der Aggregatszustandserhaltung gelten: virtuelles Tun erzeugt virtuelle Werte. Wie Image, das berühmte Employer Branding, Suchmaschinen-Relevanz, …

Wie man aus virtuellem, volatilem Kapital echte Säcke voller Geld macht, das exerziert Facebook vor. Hatte ich bereits schon einmal verbloggt. Deswegen hier nur der Link auf die aktuellen Entwicklungen, wie u.a. Sheryl Sandberg ihre reale Matratze stopft. So als Außenstehender gewinne ich den Eindruck, dass sich die Macher schnell ein paar Millionen in die Taschen stopfen, bevor das Unternehmen noch mehr an Wert verliert. Würde ich wahrscheinlich auch so machen. Nur so als Rücklage fürs Alter. Das Reale hat halt doch seinen Charme, dem auch die Macher der virtuellen Welt gerne erliegen  😉

Das Imaginäre verwerten

Wenn wir schon über Geld sprechen, klebe hier ganz unstylish noch einen Link auf die Wollmilchsauen an, die ein Modell aufgegabelt haben, das den Employer Branding Wert in harter Währung bemessen will. Netter Ansatz, aber leider aus meiner Sicht noch zu unfunktional. Aber wer weiß: Vielleicht sehen wir ja in den nächsten Jahren einen Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften für die Bestimmung des Dollarwertes des virtuellen Unternehmensbestandes. Und da steckt dann alles drin, was wir in der leidigen ROI-Diskussion auf den Tisch legen. Auf geht´s!

Ich suche jetzt nochmal nach den Geldsäcken. Vielleicht liegt ja doch der eine oder andere in irgendeiner Ecke rum. Ich hab´s doch gerade wieder klingeln gehört. Da muss jemand den Post geteilt haben 😉

Beste Grüße
Ihr/ Euer
Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 8. November 2012 in Social Media

 

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Social Media: Das Wesen des Fans

BAYERN-M

Angesichts des Champions League Finales in München wird sich in Deutschland wieder die Fan-Diskussion am Beispiel des FC Bayern München entzünden. „Ich hasse die Bayern und hoffe, dass Chelsea denen ordentlich einschenkt“, werden die einen skandieren, während die gönnender Denkenden „Ich bin zwar Dortmund-Fan, aber am Samstag bin ich für Bayern“, verlauten lassen. Großzügig beiseite lasse ich in dieser Betrachtung mal die knapp 3,9 Millionen Facebook-Fans der Bayern, die, da sie nicht ins Stadion passen, sicher alle an diversen Bildschirmen mitfiebern. Weil die ja alle unverbrüchlich und konsequent zu „ihrem“ FC Bayern stehen. Bis aufs (pseudo-)bajuwarische Blut.

Wirklich? Facebook ist ja ein Gleichmacher. Jeder kann „nur“ Like it klicken und schon ist er ein Fan – keine VIP Lounge, kein Platz auf der Trainerbank, keine Stehplätze – einfach Fan. Ok, manchmal gibt es zum Fanstart noch eine Bratwurst oder ein Bier dazu (aka Gutschein) oder die Option auf das neue iPad (aka Verlosung). Dies alles braucht der so genannte „echte“ Fan nicht. Der muss bloß hören, dass eine Fan-Kollektion aufgelegt ist und schon ist er auf dem Weg in den Merchandising-Store und gibt ein halbes Monatsgehalt aus. Und der verteidigt auch „seinen“ FC Bayern gegen jedwede Anmache seitens fränkischer Mittelklasse-Clubs oder West-Emporkömmlinge oder Südrivalen vom Neckar 😉 Und natürlich würde der auch dreimal Like klicken, wenn er damit einen „Fan plus“-Status bekäme.

Fan = Sympathisant, Drive-byer oder Like-Jäger?

3,9 Mio Edelfans, die zur Not die Spielfeldmarkierungen nachziehen oder den Rasen mähen? Ich wage das zu bezweifeln. Ein paar sind das sicherlich (wobei das in diesem Fall sicher mal eine sechsstellige Zahl sein kann), aber der weitaus größere Teil wird im weitesten Sinne sympathisieren oder nach einer Werbeaktion einfach nur vergessen haben, das Like zurückzunehmen oder ein professioneller Fanstatus-Sammler sein (mit der Jagd auf einen Guinnessbuch-Eintrag?) oder einfach ein großzügiger Mensch, der gerne mal eine Freundlichkeit gewährt – die ihre Ursache in einer eventuellen Gegen-Freundlichkeit hat. Eine Hand wäscht eben doch die andere. Und jetzt habe ich natürlich noch den „Content is King“-Fall vergessen: Dass Menschen womöglich Interesse an den Dingen haben, die Unternehmen an ihre Pinnwand heften … upps, mea culpa

Dass sich das alles nicht in einer stärkeren Identifkation mit der Marke niederschlägt, scheint klar. Aber worin liegt denn der Mehrwert für die Seite oder für die Marke bzw. das Unternehmen? Und vor allem: Was sind die Fans wert? Eine Infografik vom März meint: 2 Dollar auf Twitter und 8 Dollar auf Facebook. Und das sei nur der Basisertrag! Ein Share wird mit 14 Dollar bewertet, ein Tweet immer noch mit 5 Dollar. Ich könnte mir vorstellen, mich als Tweeter und Sharer selbstständig zu machen 😉 Futurebiz hat mir das aber verleidet 😉

Was anfangen mit den Fans?

Die Bindung der Fans an ihr Fanobjekt wird sehr unterschiedlich sein. Was kann ich also mit den Fans anfangen? Und will ich wirklich viele Fans haben? Mit denen ich womöglich noch interagieren soll? Bitburger hat kürzlich die 100.000-Fans-Marke geknackt. Schon diese Zahl würde einen ganz erheblichen Aufwand bedeuten, auf einzelne Kommentare zu reagieren oder die Pinnwand gar zu moderieren. Und da finden sich u.a. Freundlichkeiten wie „Eure Plörre könnt Ihr behalten“, denen die Fans in der „Community“ auch nicht begegnen.

Letzten Endes scheint es so, als ob „erfolgreiche“ Social Media lediglich auf (kostengünstige) Reichweite herausläuft. Wer sechs- oder siebenstellige Fanzahlen hat, dessen Posts reichen rein mathematisch einfach weiter. Zielgruppenorientierung ist was anderes. Konsumentenmarken haben es da auch ein bisschen einfacher als die B2B-Unternehmen.

Vielleicht hat Kohelet ja Recht: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“ Denn die Reichweiten-Diskussion führen wir seit Jahr und Tag schon für jede Tageszeitung und jedes Special Interest Journal.

Euch/ Ihnen allen ein schönes Wochenende
Ich bin dann mal in Äthiopien – für eine Woche (mehr darüber gibt es auf der Facebookseite der BERA)

Martin/ Reti

 
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Verfasst von - 11. Mai 2012 in Social Media

 

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